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Handelsblatt-Leser fragen Josef Ackermann: „Ein Vorstandsvorsitzender ist nicht allwissend“

Wie legt Josef Ackermann sein Geld an? Wie steht er zum Steuerabkommen mit der Schweiz? Was sagt er zum Libor-Skandal? Handelsblatt-Leser haben gefragt, der Ex-Chef der Deutschen Bank zeigt sich auskunftsfreudig.

Josef Ackermann beim Deutschland Dinner des Handelsblatts in Frankfurt. Quelle: Bert Bostelmann/Bildfolio
Josef Ackermann beim Deutschland Dinner des Handelsblatts in Frankfurt. Quelle: Bert Bostelmann/Bildfolio

Josef Ackermann hatte sich beim Deutschland-Dinner den Fragen von Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart gestellt. Im Anschluss daran durften Leser des Handelsblatt ihre Fragen an den ehemaligen Chef der Deutschen Bank einsenden, das Handelsblatt leitete sie weiter. Hier dokumentieren wir Ackermanns Antworten.

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Sehr geehrter Herr Ackermann, wie war es möglich, dass Sie über Jahre nicht von der Libor-Manipulation gewusst haben?
Anders als manche offenbar glauben, ist ein Vorstandsvorsitzender nicht allwissend. In einer so großen und arbeitsteiligen Organisation wie der Deutschen Bank muss er sich immer auch darauf verlassen, dass die zuständigen Mitarbeiter ihren Bereich im Griff haben. Die Aufsichtsbehörden haben im Übrigen über Jahre ebenfalls nichts davon gewusst. Als sie  die Bank über den Manipulationsverdacht informierten, haben wir jedenfalls sofort gehandelt und umfangreiche  Untersuchungen eingeleitet.

Wenn wir auf FDP-Chef Philipp Rösler gehört und Griechenland kein Geld gegeben hätten? Wo wären wir heute, Herr Ackermann?

Wenn Deutschland Griechenland hätte fallen lassen, wäre die Krise in Europa heute noch viel größer und die Kosten für Deutschland noch viel höher als so schon.

Handelsblatt Deutschland-Dinner Die Verantwortung des Chefs

Josef Ackermann, der Ex-Chef der Deutschen Bank, geht mit seinem Nachfolger hart ins Gericht: Anshu Jain soll sich den Fragen der Politiker zum Libor-Skandal selbst stellen und nicht einen Vertreter schicken.

Welche faktenbasierten Gründe gibt es für die Rettung Griechenlandes? Macht es Sinn, einen Absatzmarkt erst zu erschaffen, um ihn dann bedienen zu können? Müsste man nicht fragen: Wie viel muss ich investieren, um wie viele Kunden zu gewinnen? Welchen (kommerziell betrachteten) Nutzen zieht Deutschland aus dieser Rettung?

Der ökonomische Nutzen der Rettung Griechenlands ergibt sich schon allein aus der Tatsache, dass die Alternative noch wesentlich mehr kosten würde. 500 Milliarden Euro etwa, nur für Griechenland, Ansteckungsgefahren für andere Problemstaaten nicht eingerechnet. Wir profitieren im Übrigen nicht nur direkt von unseren eigenen Exporten nach Griechenland, sondern auch indirekt von den Exporten anderer Länder dahin, mit denen wir wiederum Handel treiben. Und schließlich lassen sich politische und ökonomische Effekte nicht so sauber trennen, wie Sie das tun. Deutschland profitiert gerade auch ökonomisch sehr stark von einem vereinten Europa. Ohne ein solche Europa gerät das Land gegenüber Staaten wie den USA oder China in der Zukunft immer weiter ins Hintertreffen, weil die dann weitgehend alleine die Standards bestimmen, unter denen sich der Wettbewerb abspielt.

Deutschland profitiert angeblich von der günstigen Kreditaufnahme des Bundes. Das finde ich nicht: Wenn alle zehn Jahre eine Schuldenumwälzung mit einem drei Prozentpunkte günstigeren Steuersatz stattfindet als im Durchschnitt der EU Länder, kommt Deutschland bei einer Gesamtverschuldung von 2,1 Billionen Euro nur auf eine Ersparnis von 6 Milliarden Euro im Jahr. Die Ersparnis bewegt sich also zunächst im Promillebereich. Wo sind da Bund-Benefits für Deutschland?

Wie viel der deutsche Staat bisher von den niedrigen Zinsen und der entsprechend günstigen Kreditaufnahme in Euro und Cent profitiert hat, kann Ihnen nur das Finanzministerium beantworten. Aber ich halte den Vorteil für beträchtlich. Selbst in Ihrer Rechnung kommen ja in wenigen Jahren bereits beachtliche Milliardensummen zustande .

  • 03.12.2012, 08:44 Uhraccura

    Ich hatte das Vergnügen, beim Handelsblatt Dinner anwesend zu sein und die Frage gestellt, warum die Deutsche Bank Junkbonds aufkaufte wohl wissend, dass diese nicht werthaltig sind. Die Frage wurde damit beantwortet, dass man ex ante nicht die gleichen Erkenntnisse habe wie ex post, was sicher generell immer richtig ist, und dann wurde auf Studentendarlehn verwiesen, die in dieser Zeit unter Wert gehandelt wurden.

    Entscheidend waren jedoch die überbeliehenen Immobiliendarlehn und es stellt sich die Frage, hatten die Research-Abteilungen wirklich so schlecht gearbeitet, dass sie nicht schon beim Namen dieser Anleihen mal nach deren Risiken forschten oder stimmte die Antwort nicht so ganz mit den Realitäten überein und es wurde einfach ein Spiel "Reise nach Jerusalem" veranstaltet: Wenn die Musik ausgeht bleibt der Inhaber auf den Papieren sitzen und realisiert riesige Verluste. Hier würde ich gerne eine etwas präzisere Antwort wünschen.

  • 03.12.2012, 08:55 Uhrmanreg

    Super Interview: Nix genaues weiß man nicht, gell? Geschenkt!

  • 03.12.2012, 17:57 UhrRadek

    Harmlose Fragen, harmlose Antworten. Zur europäischen Staatsschuldenkrise nichts wesentliches und auch nicht dazu, dass wir es bei der Euro-Zone mit einem suboptimlen Währungsraum zu tun haben. Die TargetII Problemaik mit bloßem Wunschdenken abgetan u.s.w.
    Aber so dünn müssen wohl Banker reden, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegen.

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