
pk/bas/oli FRANKFURT. Reden wir übers Wetter: Pünktlich um 9.30 Uhr fegt eine Gewitterböe durch die Frankfurter Innenstadt, biegt die spärlichen Bäume rund um die Messe-Festhalle, wo die Deutsche Bank heute ihre Hauptversammlung abhält. Am Bühneneingang, rund 200 Meter und einige schwarz gekleidete, mit Hunden patrouillierende Sicherheitsposten weiter weg, fährt ein schwarzer Mercedes vor.
Der untersetzte grauhaarige Mann, der durch das Seitentor verschwindet, könnte Herr Ackermann gewesen sein. Ein Auftritt durch den Haupteingang wäre für ihn vermutlich zum Spießrutenlauf geworden.
Reden wir übers Geschäft: Josef Ackermann hat seine Bank zwar glimpflich durch die bisherigen Untiefen der Finanzkrise gesteuert. Die Zahlen, die er für das erste Quartal verbreiten konnte, deuten zunächst auf Erholung hin.
Aber auch Ackermann konnte nicht vermeiden, dass zur Hauptversammlung Themen die Bank erschüttern, die diesen Tag für die Beteiligten alles andere als einen Spaziergang werden lassen: Eine Datenaffäre, deren Ausmaß noch kaum einer kennt, ist nur das jüngste Problem, mit dem sich der Vorstand herumschlagen muss. Ein Aufsichtsratschef, der zwischendurch versucht hat, den Posten des Vorstandsvorsitzenden an sich zu ziehen, wiegt vermutlich schwerer.
In der Vermögensverwaltung für institutionelle Kunden lief es nicht so. Und die Zahlen: An ihnen markierten Analysten auch das ein oder andere Fragezeichen. Prompt brach der Aktienkurs nach der jüngsten Veröffentlichung der Quartalszahlen zeitweise um sieben Prozent ein.
Ackermann hat ebenfalls nicht geschafft, sein eigenes Bild in der Öffentlichkeit zu korrigieren. Er gilt vielen, die vor dem Eingang der Messehalle Volksfeststimmung verbreiten, als Fratze des Kapitalismus. Dem Bongospieler etwa, dessen dumpfe Klänge sich mit dem Lärm ankommender und abfahrender Limousinen mischen. Oder dem jungen Wuschelkopf im braunen T-Shirt, auf das er "gegen Kohle mach ich alles" gedruckt hat. Er protestiert damit gegen ein Kohlekraftwerk, das die Deutsche Bank mitfinanziert.
Auch diejenigen, die mit breitem Lachen Sparbüchsen hochhalten und sie lautstark schütteln, meinen nicht wirklich, dass die Bank und ihr Vorsitzender zu den notleidenden Teilen der Gesellschaft zählen. Ackermanns wiederholte Aussage, eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern erzielen zu wollen und die Tatsache, dies bereits in den ersten drei Monaten geschafft zu haben, ist aus ihrer Sicht eine geradezu unanständige Vorstellung.