
HB ISTANBUL. Haasis sprach sich dafür aus, die Finanzwirtschaft weltweit als Konsequenz aus der Krise deutlich zu verkleinern. "Das wird ein schmerzhafter Anpassungsprozess sein, so er denn wirklich begonnen wird", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. "Wenn dies nicht getan wird, wird alles so weitergehen wie vor der Krise." Nicht Größe dürfe entscheidend sein.
Gleichzeitig schloss sich Haasis der Kritik der Banken an drohender Überregulierung an. Überlegungen, den Begriff für das aufsichtsrelevante Eigenkapital- beziehungsweise Kernkapital erheblich einzuschränken, hätten dramatische Auswirkungen für die gesamte deutsche Wirtschaft, sagte Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis am Samstag in Istanbul am Rande des Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Kreditvergabe würde durch die Einschränkungen massiv beschnitten.
Bei den angestrebten schärferen Eigenkapitalvorschriften gehe es auch darum, die richtigen Institute zu treffen. Es dürfe keine pauschale Lösungen geben, warnte Haasis. Einschränkungen bei Kernkapital wie den stillen Einlagen würden in "sehr hoher zweistelliger Milliardenhöhe" nicht mehr zur Verfügung stehen.
Jeder Euro, der damit nicht mehr dem Kernkapital zugerechnet werde, verringere die Kreditvergabemöglichkeit um mindestens das 12,5fache. Die Einschränkungen würden sich mehr als verdoppeln bei Berücksichtigung weiterer Faktoren. "Wir würden dann über einen dauerhaften Kreditengpass sprechen", sagte Haasis.
Architektur, Struktur und Aufsicht der Finanzmärkte dürften nicht mehr allein an den Bedürfnissen großer, international tätiger Banken ausgerichtet werden. Die Sparkassen-Gruppe erwarte "mehr Unterstützung für kleine und mittlere Kreditinstitute sowie die entsprechenden Verbundsysteme". Haasis wies Kritik von EU-Wettbewerbskommissarin Nellie Kroes an Verbund-Gruppen - etwa die der Sparkassen und Genossenschaftsbanken - scharf zurück.
Kroes hatte eine Priorität börsennotierter, weltweit tätiger Institute erkennen lassen. Haasis sagte dazu, die Äußerungen von Kroes seien vom Zeitpunkt und von der Sache her unangemessen. Man habe den Eindruck, dass Brüssel nicht neutral an das Thema gehe. Zudem hätten die Sparkassen gerade in der Krise Stabilität gezeigt.
Haasis deutete für den Fondsdienstleister der Sparkassen-Gruppe, die Dekabank, einen möglichen Wechsel in der Eigentümerstruktur an. Es gebe erste Gespräche mit einzelnen Landesbanken über eine mögliche Abgabe ihrer Anteile. Als Käufer kämen aber nur die Sparkassen in Frage. Dass sich Institute außerhalb des öffentlich-rechtlichen Bankenlagers beteiligten, könne er sich nicht vorstellen.
Landesbanken könnten mit einem Verkauf von Deka-Anteilen Eigenkapitalspielraum gewinnen. Er erwartet aber nicht, dass alle öffentlich-rechtlichen Spitzeninstitute verkaufen. Wie viele Landesbanken verkaufsbereit sind, wollte Haasis nicht sagen. Die Deka gehört bisher zu gleichen Teilen Sparkassen und Landesbanken.
Zur Neuordnung des teils maroden Landesbanken-Sektors nannte Haasis es ungerechtfertigt, den Instituten pauschal funktionierende Geschäftsmodelle abzusprechen. Die Sparkassen hätten aber Interesse an weniger Landesbanken mit einem "stabileren Kern". Es gehe um den Abbau von Risikoposten sowie eine Konzentration auf Geschäftsfelder.
Auflagen der EU bei der Sanierung dürften nicht dazu führen, dass die Landesbanken im Ausland überhaupt nicht mehr vertreten sind. An wichtigen Standorten wie Shanghai, Peking oder Mexiko müsse die Sparkassen-Gruppe aber auch künftig vertreten sein, um Mittelstandsfinanzierung zu sichern.
Zur Bankenaufsicht in Deutschland sagte Haasis, diese müsse sich auf systemische Krisen konzentrieren. Er ließ offen, ob es bei der bisherigen Aufgabenteilung zwischen Bundesbank und der Finanzaufsicht BaFin bleibt, oder die Bankenaufsicht unter dem Dach der Bundesbank verschmolzen werden soll - wie es Union und FDP anstreben. Die Unabhängigkeit der Bundesbank müsse gewährleistet sein. Die Kreditwirtschaft habe noch keine einheitliche Position.