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Hohes Defizit: Krise verschärft Finanznot der Krankenkassen

Krankenkassen und Versicherer leiden unter mehr Langzeitpatienten aus der Wirtschaft. Viele Arbeitnehmer kurieren Krankheiten nicht aus, sondern arbeiten bis zur Erschöpfung und werden dann lange krank. Die Ausgaben für Krankengeld treibt das in die Höhe.

Die Zahl der Krankheitsfälle steigt in der Krise. Für Kassen und Versicherer ist das ein Problem. Quelle: ap
Die Zahl der Krankheitsfälle steigt in der Krise. Für Kassen und Versicherer ist das ein Problem. Quelle: ap

FRANKFURT/BERLIN. Die Finanz- und Wirtschaftskrise belastet Krankenkassen und Versicherer stärker als erwartet. „Die Ausgaben fürs Krankengeld steigen stark an“, sagt die neue Chefin der Barmer GEK, Birgit Fischer, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Grund: Viele Arbeitnehmer kurieren Krankheiten nicht aus, sondern arbeiten bis zur Erschöpfung und werden dann lange krank. Andere Krankenkassen bestätigen das Phänomen genauso wie private Krankenversicherer: Um sieben bis elf Prozent sind in diesem Jahr nach einer Umfrage des Handelsblatts die Ausgaben für arbeitsunfähige Arbeitnehmer gestiegen.

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Für die Krankenkassen ist dies in doppelter Hinsicht bitter. Durch das Krisenphänomen verschärft sich ihre Finanznot, doch bezahlen sollen diese Zusatzlast nach den Plänen der Regierung nur Versicherte und Steuerzahler. Denn der Anteil der Wirtschaft an den Krankenkassenbeiträgen soll eingefroren werden.

Schon in diesem Jahr rechnen die Krankenkassen Prognosen zufolge mit einem Loch von 2,3 Mrd. Euro. Im kommenden Jahr fehlen sogar voraussichtlich 7,5 Mrd. Euro. Um Beitragserhöhungen für die Versicherten hinauszuzögern und Wirtschaftlichkeitssreserven zu heben, fusionieren derzeit viele Krankenkassen. Prominentestes Beispiel ist die Barmer, die ab Januar mit der GEK zusammengeht. Dadurch vermeidet die neue Chefin Fischer, gleich mit einem Zusatzbeitrag für ihre 8,5 Mio. Versicherten zu starten. Doch für das Gesamtjahr schließt sie dies noch nicht aus.

Krankengeld zahlen die Kassen in der Regel erst ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Es geht an Personen, die lange Zeit nicht arbeiten können. Es steht nun stärker im Blickwinkel der Kassen, weil sie die Ursachen für den Anstieg in der Wirtschaft sehen. Die Zahl der Kurzzeitausfälle nimmt zwar seit Jahren ab. Bis zur sechsten Woche ist der Krankenstand daher sehr niedrig. Kassenchefin Fischer beunruhigt das: „Trotz Krankheit arbeiten die Menschen weiter bis zum endgültigen K.O.“

Krankenkassen bluten für eine Reform der Lohnfortzahlung im öffentlichen Dienst

Die Kassen führen den aktuellen Anstieg beim Krankengeld auch auf die Bevölkerungsentwicklung zurück. So zeigen Zahlen aus dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK), dass Arbeitnehmer mit steigendem Alter länger krank werden. Im Krisenjahr 2009 verstärkt sich dieses Langzeitphänomen noch.

„Unsere Zahlen belegen, dass in der derzeitigen Wirtschaftskrise die Zahl der Krankschreibungen in Deutschland zunimmt“, erklärt die Krankenkasse KKH-Allianz in einer Umfrage des Handelsblatt. Unter den Befragten nannte KKH die deutlichsten Steigerungen beim Krankengeld. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum habe die KKH-Allianz vom 1. bis zum 3. Quartal rund 25,5 Mio. Euro mehr aufgebracht. Bezogen auf die Summe von 166,2 Mio. entspreche dies einer Steigerung von 11,4 Prozent je Mitglied. „Tendenz auch hier steigend“, urteilt die Kasse.

  • 02.12.2009, 18:52 UhrAnonymer Benutzer: Günther Herbiak

    Was ist denn nur los mit der DAK? Da haben die doch noch vor kurzem eine beitragserhöhung kategorisch ausgeschlossen. Eine bekannte von mir hatte sogar zur DAK gewechselt, na ob das wohl die richtige Entscjeidung war, man hatte sie schlicht weg angelogen, oder?

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