
FRANKFURT. Die HSH Nordbank erhält von ihren Eigentümern eine dringend benötigte Eigenkapitalspritze und milliardenschwere Ausfallbürgschaften. Die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein stimmten gestern einer Kapitalaufstockung von insgesamt drei Mrd. Euro sowie Garantien im Umfang von zehn Mrd. Euro zu. Die Einigung war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass der Bankenrettungsfonds Soffin bereits bewilligte Garantien freigibt. Zudem hatte die Finanzaufsicht der Bank wegen Kapitalmangels mit der Schließung gedroht.
Die HSH Nordbank hatte sich bereits im November Garantien des Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin in Höhe von 30 Mrd. Euro gesichert. Allerdings erhielt das Institut damals nur den Zugriff auf zehn Mrd. Euro. Die übrigen Mittel sollten erst fließen, sobald die HSH ihre Kernkapitalquote auf mindestens sieben Prozent gehievt und ein neues Geschäftsmodell präsentiert hat. Durch das Rettungspaket der Länder beträgt die Kernkapitalquote der Bank nun nach eigenen Angaben neun Prozent.
"Ich begrüße, dass die Regierungen beider Länder die Vorschläge der Bank zur Neuausrichtung unterstützen", kommentierte Vorstandschef Jens Nonnenmacher den Beschluss der Länder. Die Frist für das neue Geschäftskonzept und die Eigentümerhilfen war am Freitag abgelaufen, Soffin und die Finanzaufsicht BaFin hatten aber eine Verlängerung bewilligt, damit die Länderkabinette darüber ordnungsgemäß beschließen konnten, sagte eine HSH-Sprecherin.
Derzeit plant die HSH nicht, die zusätzlichen 20 Mrd. Euro der Soffin komplett zu nutzen. Die Sprecherin sagte, die Bank wolle fünf Mrd. Euro verwenden, die übrigen 15 Mrd. Euro dienten als Sicherheit. Die bisher zugebilligten zehn Mrd. Euro nutzt die Bank bereits voll: drei Mrd. Euro wurden als Bankanleihe bei Investoren platziert. Die übrigen Garantien nutzt die Bank als Sicherheit für Leihgeschäfte mit der Europäischen Zentralbank.
Ihr neues Geschäftsmodell hatte die Bank vor einer Woche präsentiert. Danach will das Institut massiv abspecken und seine Bilanzsumme auf rund 100 Mrd. Euro halbieren. Als Zeitraum hatte die HSH Nordbank das Jahr 2012 genannt.
Künftig will sich die Bank auf das Firmenkundengeschäft und das Private Banking in der Region konzentrieren, bundesweit das Immobiliengeschäft betreiben. International bleibt die HSH in "Schlüsselindustrien" wie Schifffahrt, Luftfahrt und erneuerbaren Energien aktiv.
Abgewickelt wird dagegen das Wertpapierkreditportfolio, das Geschäft mit schuldenfinanzierten Übernahmen, das US-Immobiliengeschäft und die Leasing-Finanzierung. Dieses Portfolio soll in einer internen Einheit gebündelt und schrittweise aufgelöst werden. Eine mögliche Spaltung in eine Kernbank und eine "Bad Bank" wäre zudem eine Vorbedingung dafür, dass der Soffin der HSH auch Eigenkapital geben würde. So ein Antrag sei derzeit aber nicht geplant. hieß es.