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Hypo Real Estate: HRE: Die erste Enteignung in Deutschland

Ein historisches Ereignis ist allem Anschein nach nun nicht mehr abzuwenden: Ein deutsches Unternehmen wird enteignet. Der Großaktionär der angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate, J.C. Flowers, wird das staatliche Übernahmeangebot nicht annehmen. Finanzminister Peer Steinbrück reagierte mit deutlichen Worten.

Letzter Ausweg Enteignung: Investor Flowers will seinen Anteil an der Hypo Real Estate nicht an den Bund verkaufen. Quelle: ap
Letzter Ausweg Enteignung: Investor Flowers will seinen Anteil an der Hypo Real Estate nicht an den Bund verkaufen. Quelle: ap

HB MÜNCHEN/BERLIN. Wenige Tage vor dem Ablauf des staatlichen Übernahmeangebots für den Immobilienkonzern Hypo Real Estate hat der Großaktionär J.C. Flowers sein Veto eingelegt. Er werde das Angebot nicht annehmen und seine Aktien behalten. Damit wird es für den Bund schwerer, das Ziel einer Komplettübernahme der HRE schnell zu erreichen. Flowers ist davon überzeugt, dass die Aktien mehr wert sind als die 1,39 Euro, die der Bund den Aktionären bietet.

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Finanzminister Peer Steinbrück reagiert umgehend: „Schade für ihn, nicht für mich. Herr Flowers unterliegt einer völligen Fehleinschätzung.“ Wenn Flowers das Angebot nicht annehme, dann werde es eine Enteignung geben. Die Preisvorstellungen des US-Investors seien zu hoch. Steinbrück verwies darauf, dass die HRE-Aktionäre im Grunde schon enteignet seien. Denn das Institut existiere nur noch dank der Finanzhilfen von 102 Mrd. Euro. Die Aktionäre einschließlich Flowers seien vom Markt enteignet worden.

Der Bund hat aber die Möglichkeit einer Enteignung, nachdem die Bundesregierung im Februar das „Rettungsübernahmegesetz“ gebilligt hatte, das diesen Schritt als letztes Mittel ermöglicht. Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte in Berlin, die Entscheidung von Flowers, das Kaufangebot nicht anzunehmen, werde zur Kenntnis genommen. „Sie wird am weiteren Verfahren zur vollständigen Übernahme der HRE durch den Bund nichts ändern.“ Flowers will sich gegen eine Enteignung möglicherweise mit juristischen Schritten zur Wehr setzen.

Flowers und ihm verbundene Investoren hielten zuletzt rund 22 Prozent der Aktien. Nur ein kleiner Teil von ihnen, die weniger als ein Prozent der Aktien hielten, würden das Angebot annehmen, hieß es. Die anderen hätten sich dagegen entschieden. „Als längerfristig orientierte Investoren wollen wir das Unternehmen auf dem Weg in die Zukunft begleiten“, teilte Flowers mit.

Das staatliche Übernahmeangebot an die Aktionäre der HRE läuft noch bis zum kommenden Montag (4. Mai). Die Offerte war allerdings recht schleppend angelaufen. Bis Montagabend und damit eine Woche vor Auslaufen der Annahmefrist sicherte sich der Bund mit dem Kaufangebot lediglich weitere 3,61 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte. Aktuelle Zahlen lagen nicht vor. Zusammen mit dem seit Ende März gehaltenen HRE-Anteil war der Staat damit mit 12,27 Prozent an dem angeschlagenen Immobilienfinanzierer beteiligt.

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