
NEW YORK. Der Deutschen Bank drohen im laufenden US-Hypothekenskandal Kosten in Milliardenhöhe. Denn immer mehr Investoren, die in der Finanzkrise mit toxischen Wertpapieren hohe Verluste erlitten haben, verklagen nun die Bank, die ihnen Hypothekenanleihen (RMBS) verkauft hatte, auf Rücknahme der Papiere. Das Geldhaus hatte während des Immobilienbooms mit dem Vertrieb dieser Papiere gutes Geld verdient. Nach Expertenschätzungen kommen aufgrund der Klagen auf die Deutsche Bank möglicherweise Kosten in Höhe von bis zu 20,8 Mrd. Dollar zu.
Dabei hat die Prozesswelle gegen das Institut, das von Bankchef Josef Ackermann bislang geschickt durch die Finanzkrise manövriert worden ist, gerade erst begonnen. „Wir bereiten weitere Klagen vor“, sagte Anwalt David Grais dem Handelsblatt, der die Deutsche Bank im Auftrag von Kunden bereits auf Rücknahme von Anleihen im Ursprungswert von über 4,5 Mrd. Dollar verklagt. In mindestens neun Verfahren muss sich das Institut bislang verteidigen. Die Deutsche Bank wollte sich zu den möglichen Verlusten aus den Klagen nicht äußern. Möglicherweise wird der deutsche Branchenprimus – wie zuvor die US-Konkurrenz – den anstehenden Quartalsbericht Mitte dieser Woche nutzen, um den Aktionären auch zu diesem Thema Rede und Antwort zu stehen.
Seit fast zwei Wochen tobt in den USA ein neuer Hypothekenskandal, weil US-Großbanken offenbar Hauseigentümer zu Unrecht wegen angeblicher Überschuldung aus ihren Gebäuden vertrieben haben. Die Institute hatten zudem die Kreditpapiere im Boom bis 2007 teilweise nicht sorgsam genug archiviert, das macht sie nun angreifbar. Investoren, die diese Hypotheken in Anleihen verpackt (RMBS) erworben haben, halten die Kaufverträge der Vergangenheit daher für unwirksam.
So will etwa eine Gruppe des weltgrößten Anleiheinvestors Pimco und die US-Notenbank die Bank of America gerichtlich zur Rücknahme von Anleihen im Ursprungswert von 47 Mrd. Dollar zwingen. Der Vorwurf: Eine Tochter des Instituts habe die Hypotheken an US-Bürger vergeben und dabei geschlampt. Die Investoren wollen so die horrenden Verluste aus diesen Anleihen an den Verkäufer zurückgeben. Bis zu 180 Mrd. Dollar soll die Krise die US-Finanzbranche Schätzungen zufolge in den kommenden Jahren kosten. Die Aktien von Bank of America und anderer US-Großbanken stehen wegen der Klagen unter Druck.
Obwohl die Deutsche Bank auch in den USA zu den führenden Adressen gehört und auch während des Immobilienbooms eine wichtige Rolle eingenommen hatte, blieb sie vom aktuellen Skandal bislang verschont. Denn anders als die US-Konkurrenz hat die Deutsche Bank praktisch nie selbst Hypotheken vergeben. Sie hatte diese vor allem aufgekauft, in Anleihen verpackt und dann den Vertrieb für diese Verbriefungen übernommen. Dies könnte ihr aber nun zum Verhängnis werden. Denn die Kläger argumentieren, dass die von ihnen erworbenen Papiere qualitativ schlechter waren, als in den Verkaufsverträgen behauptet wurde.
Was auf den ersten Blick wie der Versuch aussieht, Verluste aus eigenen Fehlinvestitionen dem Verkäufer anzuhängen, könnte Analysten zufolge vor Gericht dennoch Erfolg haben. „Bei näherem Hinsehen finden sich in den Gerichtsakten recht überzeugende Beweise, dass die Hypotheken qualitativ deutlich schlechter waren als zuvor behauptet“, urteilt Chris Gamaitoni, Analyst bei der Investmentboutique Compass Point. Die Höhe der Kosten, die der Deutschen Bank drohen, sei abhängig von den Ausfallquoten der Hypotheken in den jeweiligen Anleihen, dem Erfolg der Klagen und den Wertverlusten der zwischen 2005 und 2007 verkauften Anleihen, erläutert der Analyst. Er gibt die Bandbreite für die Gesamtkosten mit „vermutlich 14 Mrd. Dollar, im schlimmsten Fall 20,8 Mrd. Dollar“ an. Damit rangiert das Institut auf Platz drei hinter Bank of America und JP Morgan. Die beiden US-Konkurrenten haben schon angekündigt, die Verfahren durch alle Instanzen treiben zu wollen. Sie verschieben so mögliche Verluste weit in den Zukunft.
Alle Analysten, die sich mit dem Thema beschäftigen, räumen ein, dass das Ausmaß der Verluste für die Banken extrem schwer einzuschätzen ist. Auch ist die Zahl der Klagen noch unklar. So vertritt allein der texanische Anwalt Talcott Franklin mehrere Investoren, die rund ein Drittel des 1,5 Billionen Dollar schweren Marktes für Hypothekenanleihen auf sich vereinigen. In einem Brief an die Banken drohen sie mit Gerichtsverfahren, falls die Institute die Papiere nicht zurücknehmen. Bislang hat diese Gruppe noch kein Gericht angerufen.
Deutsche Bank
Das Institut: Die Deutsche Bank ist das größte deutsche Geldhaus. International gehört sie aber nicht mehr zur Spitzengruppe, gemessen an der Marktkapitalisierung rangiert sie in Europa nur noch auf Platz acht. International bedrängen die amerikanischen und chinesischen Wettbewerber das Institut.
Quartalsverlust: Die Deutsche Bank wird im dritten Quartal wegen einer Sonderabschreibung in Höhe von 2,3 Milliarden Euro auf ihre Beteiligung an der Postbank einen Verlust ausweisen. Analysten erwarten im Schnitt für das Quartal einen Fehlbetrag von 1,3 Milliarden Euro.
Aus meiner Sicht sind diese Klagen durchaus nicht nur, wie im Artikel festgestellt, "auf den ersten blick" ein Versuch, eigene Fehlinvestitionen auf den Verkäufer abzuwälzen. Sondern hier zeigt sich vielmehr, dass eine hohe Rendite eben auch mit einem hohen Risiko verbunden ist. Man konnte jahrelang mit diesen Papieren gutes Geld verdienen und es wurde gerne eingesteckt. Und so ging es bei den Anlegern eben, getrieben von einer übertrieben ausgeprägten Gier immer weiter, bis das Kartenhaus zusammengebrochen ist.
Natürlich ist der Katzenjammer jetzt groß, aber die Rendite einstecken solange es gut läuft und dann bei einem Verlust rumzujammern und das Geld auch noch wiederhaben zu wollen, halte ich für unredlich und ein Stück weit durchaus auch für unverschämt.
intelligenzkrieg
Ein Geldmensch hat einmal (vor der Krise) gesagt: Er möchte nicht an einem Wettbewerb teilnehmen an dem der mit iQ 160 gegen den mit iQ 130 gewinnt, das wäre für ihn keine seriöse Wertanlage.
im Moment scheint es so zu sein das die Dummen mit iQ 130 die Gerichte bemühen um einen Teil des Schadens den ihnen die Klugen mit iQ 160 verkauft haben wieder zurückzuholen. Pimco, eine Allianz-Tochter, ist nicht unbedingt ein kleiner Laden. Die können durch alle instanzen klagen und dabei gute Anwälte einsetzen. im Nachgang zu Pimco/Allianz hat vielleicht der kleine Mann mit seinen Verlusten durch Finanzkrise auch noch eine Chance - naja man darf doch noch von Gerechtigkeit träumen.
Ach, die Deutsche bank hat Verluste?
Na das dürfte nicht so schlimm sein,die gleicht der deutsche bürger aber doch gerne wieder aus. Da wird schon Frau Merkel für sorgen.
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