
WIEN. "Das Treffen der Krisengewinner" - so empfängt "Die Presse" in Wien die Teilnehmer des wichtigsten Bankentreffens in diesem Sommer. Illustriert wird der Aufmacher mit einem großformatigen Foto von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der "gut lachen habe" angesichts von Milliardengewinnen und Boni. Offenbar halten auch die Medien in der Alpenrepublik an den gewohnten Feindbildern fest. Anlass für die kritische Seite Eins des Blatts ist das Treffen der internationalen Elite der Branche in der Wiener Hofburg mit ihrem pompösen Charme.
Obwohl strahlendes Kaiserwetter herrscht über dem "Heldenplatz" vor dem Eingang des IIF will am Eröffnungstag keine rechte Laune aufkommen, die Moll-Töne überwiegen. "Die Stimmung ist schlecht, es gibt keine Chance auf eine Neuordnung der Finanzmärkte durch die Politik", sagt ein Bankenexperte, der lieber anonym bleiben möchte. Die Koordinierung habe bei den keynesianischen Programmen zur Konjunkturrettung gut funktioniert, es fehle aber ganz einfach eine Theorie zur Lösung der Bankenkrise" sagt Martin Hüfner, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Assenagon Asset Management.
Drinnen im Festsaal mit den voluminösen Kristallleuchtern stehen die Flügeltüren offen, die Luft ist leicht stickig, die Themen eher deprimierend. Pessimistische Einschätzungen über neue Belastungen für die Banken, die Nachhaltigkeit der konjunkturellen Erholung und Skepsis bezüglich des Abbaus der Haushaltsdefizite bestimmen die Vorträge und Diskussionen. Die teilweise Erholung der Finanzmärkte stehe auf keiner gesunden Grundlage, damit fehle ein solides Fundament für den wirtschaftlichen Aufschwung in den Industrieländern, sagt beispielsweise Jiang Jianqing, Vorstandschef der Industrial and Commercial Bank of China. Die Schuldenkrise in Europa könne dazu führen, dass sich die wirtschaftliche Erholung umkehrt. Auch für Gavin Bingham von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist "die Zukunft der öffentlichen Verschuldung finster."
Bankmanager hegen auf der Veranstaltung die Befürchtung, die Probleme der Staatsschulden könnten die Kreditinstitute weltweit wieder in schwere Bedrängnis bringen. Der Kollaps einer großen Bank wie der zusammengebrochenen US-Investmentbank Lehman Brothers könne sich wiederholen, Es sei endlich Zeit zu handeln, es reiche nicht aus, Dinge nur zu diskutieren. "Man muss auch aktiv werden", mahnte Timothy Adams von der US Lindsey Group-Beratungsgesellschaft an. Francis Rozario, CEO der amerikanischen Fullerton Financial Holdings, gibt auch wenig Anlass zur Hoffnung: "Die G-20-Finanzminister haben bei ihrem jüngsten Treffen in Korea die Bedeutung der Finanzbranche nicht erkannt." Dass kein gemeinsames Vorgehen in Sachen Finanzmarktregulierung eingeleitet worden sei, werde auf Dauer gravierende Auswirkungen für die gesamten Volkswirtschaften haben. Alle mahnen "execution" an - also Handeln statt weiterer Ankündigungen.
Finde gut, dass das ungelehrige Auditorium den Worten des Hr. Jiang Jing von der iCbC aufmerksam folgen. Zumal er aus einem Land stammt, wo man für geringere Dinge die Rübe abgehauen bekommt, als deren sich mancher in diesem Saal rühmen könnte. Auch das ein ehemaliger Staatssekretär nationale Regelungen als "noch ineffizienter" bezeichnet, zumal er aus der Politk kommend doch weiß wie Gülle riecht, die den berg herabrollt, ist ein Eingeständnis des bestehenden ineffizienten bankenwesens dieser Welt.
Soviel Heurigen konnten anschließend die Herrschaften gar nicht trinken, um die Übelkeit der globalen öffentlichen Meinung zu übertünchen.
"Es fehlt eine Theorie zur Loesung der bankenkrise", so Martin Huefner. Solche Unverfrorenheiten werden uns am laufenden band aufgetischt, damit ja alles beim alten bleibt. Mises und Hayek haben eine in sich schluessige und unverzueglich anwendbare Konjunkturtheorie schon vor 80 Jahren geschrieben. Aber die wird totgeschwiegen, weil dabei die Macht der banken drastisch beschnitten wuerde. Die Politiker schweigen sie ebenso tot, weil die erste Massnahme eine schmerzhafte, aber notwendige und letztlich ohnehin unausweichliche Rezession bedeutete. Alle Vertreter der Oesterreichischen Schule haben sich die aktuelle Krise schon seit Jahren an den fuenf Fingern abgezaehlt. Man lese dazu nur einmal das buch von Roland baader "Geld, Gold und Gottspieler" von 2004. Oder die 8-Minuten Version: siehe Hugh Hendry im interview bei "Newsnight" (bbC) am 26. Mai.
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