
HB/mm LONDON. Irlands Bad Bank hat Immobilienkredite von heimischen Banken mit einem Nominalwert von rund 71 Milliarden Euro gekauft. Der staatliche Rettungsfonds NAMA habe die Kredite mit deutlichen Preisabschlägen von knapp 60 Prozent erworben, sagte Bad-Bank-Chef Frank Daly dem Rundfunksender RTE am Montag.
Für die 11 000 Kredite von Allied Irish Banks, Anglo Irish Bank, Bank of Ireland und den Bausparkassen EBS und Irish Nationwide habe die Bad Bank 30 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. NAMA wolle im Rahmen des Rettungspakets von Europäischer Union (EU) und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) für das Euroland weitere 16 Milliarden Euro an Krediten von der Allied Irish Banks und Bank of Ireland übernehmen.
Irland will mit dem Ankauf fauler Immobilienkredite von inländischen Großbanken die Sanierung des krisengeschüttelten Finanzsektors vorantreiben. EU und IWF hatten kürzlich für Irland ein Rettungspaket von 85 Milliarden Euro geschnürt, 35 Milliarden Euro sind davon für den angeschlagenen Bankensektor vorgesehen.
Doch ist das genug? Für Irland vielleicht. Den Sog aber, mit dem Irland auch seine Nachbarländer nach unten zieht, kann der Rettungsschirm nicht aufhalten. Der Internationale Währungsfonds weist bereits mit dem Finger auf Deutschland. Nach seinen Zahlen sind vor allem deutsche Banken mit Krediten in Irland engagiert, von denen sie jetzt einiges abschreiben müssen.
Wie das aussehen kann, machte zum Wochenende die britische Großbank Lloyds schon einmal vor. Sie musste einräumen, dass ihr aus ihrem Irland-Geschäft deutlich höhere Schäden drohen als bislang erwartet. Im schlimmsten Fall könnte sich dadurch der erwartete Jahresgewinn des teilverstaatlichten Instituts halbieren. Lloyds steht mit diesem Problem in Großbritannien nicht allein da. Analysten fürchten, dass auf die Royal Bank of Scotland(RBS) weitere hohe Abschreibungen in Irland zukommen.
Die Bank of England hat die britischen Institute bereits aufgefordert, ihre Gewinne in diesem Jahr lieber zur Abfederung der massiven Folgen der Euro-Krise zu verwenden, als sie als Boni an ihre Mitarbeiter oder als Dividende an ihre Aktionäre auszuschütten. Die Notenbank fürchtet offenbar die Ansteckungsgefahr der Euro-Krise.
"Die britischen Banken haben Forderungen von 300 Milliarden Euro gegenüber Frankreich und Deutschland, deren Bankensysteme höheren Risiken in den am meisten gefährdeten Volkswirtschaften ausgesetzt sind", heißt es im jüngsten Stabilitätsbericht der Bank of England.
@ b. Trug
Genau. Alle Regierungen retten fleißig unverantwortliche Großbanken auf Kosten der Steuerzahler und lassen sie dann im Wesentlichen so weiter machen wie bisher. Das war im Falle Griechenland so, das ist auch in irland der Fall. Nur nennen sie das jetzt eben "Euro-Krise".
Aller prahlerischen Selbstbeweihräucherung zum Trotz haben sie es auch nach drei Jahren nicht geschafft, sich von den Finanzmärkten zu emanzipieren. Das Thema "Too big Too Fail" ist nach wie vor aktuell - nur redet kein Politiker mehr davon (siehe http://stefanleichnersblog.blogspot.com/2010/11/irland-krise-regierungen-bleiben-eine.html).
Mit dem ständigen Einknicken vor den Märkten werden sie die Krise definitiv nicht in den Griff bekommen können. Und ohne neues europäisches Wachstumskonzept auch nicht. Das nennt man dann wohl "Politikversagen".
Deutschland hat auch bereits 300 Milliarden für die HRE-Rettung auf Sonderkonto "bad bank" gebucht, damit sie nicht in den offiziell veröffentlichten "Staatsschulden" erscheinen, aber Staatsschulden sind es trotzdem.
Die Regierungen haben die banken nach der Lehman-Pleite auf Staatskosten gerettet und der Welt die frohe botschaft verkauft, die Finanzkrise bewältigt zu haben. Was wir jetzt sehen, ist: Die Lasten wurden auf die tapferen Retter verlagert, auf die Staaten. Die bürger zahlen jetzt die Schulden ab und die Finanzkrise kocht wieder hoch und wieder lässt man die bürger für die banken bluten – nur nennt man es jetzt „Euro-Krise“.
Es sei an diesem Punkt nur am Rande auch einmal an die beiden größten bad banks für immobilienkredite in den USA erinnert, für die die US-Regierung bereits die Rettung in unbegrenzter Höhe beschlossen hat, nachdem ihr selbst eine Summe von 400 Milliarden US-Dollar als noch zu gering erschien: Fannie Mae und Freddie Mac – und die garantieren Hypotheken in Höhe von für 5.000 Milliarden US-Dollar. Es lohnt sich, auf dieses kleine Problem der USA nochmals einen kurzen blick zu werfen: http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:agenda-blankoscheck-fuer-fannie-und-freddie/50071996.html
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