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Immobilienfinanzierer: Commerzbank-Tochter Eurohypo steht vor der Abwicklung

Die Commerzbank soll der EU-Kommission angeboten haben, die Eurohypo abzuwickeln. Die kriselnde Tochter wäre dann Geschichte. Doch bei Wettbewerbskommissar Almunia stößt das Vorhaben offenbar auf wenig Gegenliebe.

Die Eurohypo, hier die Zentrale in Eschborn, soll abgewickelt werden. Quelle: dpa
Die Eurohypo, hier die Zentrale in Eschborn, soll abgewickelt werden. Quelle: dpa

FrankfurtDie Commerzbank will mit einer Abwicklung ihrer Krisentochter Eurohypo den größten Klotz am Bein so schnell wie möglich loswerden. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus habe EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia angeboten, die gewerbliche Immobilienfinanzierung der Eurohypo um mehr als die Hälfte auf ein Volumen von nur noch 25 bis 30 Milliarden Euro einzudampfen, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. „Das ist das einzige Szenario, das derzeit noch diskutiert wird“, erklärte einer der Insider. Der verbleibende kleine Kern solle vollständig im Konzern aufgehen, die eigenständige Marke Eurohypo wäre Geschichte. Von den verbliebenen gut 1000 Mitarbeitern des Spezialinstituts müssten wohl weitere 300 gehen, verlautete aus den Kreisen.

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Die EU-Kommission hatte im Gegenzug für die Genehmigung der Milliarden-Staatshilfen für die Commerzbank 2008/09 eigentlich einen Verkauf der Eurohypo bis 2014 gefordert - sie müsste einer Abwicklung als Alternativplan daher zustimmen. Almunia, der schon bei den deutschen Landesbanken keine Milde walten ließ, lässt sich bislang nicht in die Karten schauen. Aus der Bundesregierung, dem ungeliebten Großaktionär, wurde bislang kein Widerstand gegen das interne Abwicklungsszenario laut. Weder die Commerzbank noch die EU-Kommission wollten sich zur Sache äußern.

Aufstieg und Fall der Eurohypo

  • Die Grundsteinlegung - 6. November 2001

    Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank geben bekannt, ihre Hypothekentöchter Eurohypo, Deutsche Hyp und Rheinhyp zur neuen Eurohypo AG zu verschmelzen. Die gemeinsame Bilanzsumme liegt bei über 240 Milliarden Euro. Ziel ist es, den größten Immobilienfinanzierer in Deutschland und Europa zu schmieden und in Nordamerika zu expandieren. Dirk Wilhelm Schuh, Vorstandssprecher Deutsche Hyp: „Die neue Eurohypo wird für uns alle Chancen eröffnen, die sich keines der Vorgängerinstitute allein hätte erschließen können.“

  • 13. August 2002

    Die neue Eurohypo AG wird ins Handelsregister eingetragen. Sie bietet Immobilienfinanzierung, Immobilien-Investmentbanking (Verbriefungen, Syndizierungen) und Staatsfinanzierung an. Der Vorstandsvorsitzende Karsten von Köller gibt die Marschrichtung vor: „Die neue Eurohypo stellt sich als eine führende europäische Spezialbank mit internationalem Anspruch auf.“

  • Die Expansion - 1. Januar 2004

    Bernd Knobloch übernimmt den Chefposten bei der Eurohypo. Er baut das internationale Geschäft aus und macht die Eurohypo zu einer Verbriefungsplattform. 2004 verdient sie vor Steuern gut 600 Millionen Euro - fast doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Das Neugeschäft in der Immobilienfinanzierung liegt bei 17 Milliarden Euro. Spätestens seit Anfang 2005 schmiedet Knobloch Insidern zufolge Pläne für einen Börsengang.

  • 15. November 2005

    Die Commerzbank durchkreuzt die IPO-Pläne und kündigt an, der Deutschen Bank und der Dresdner Bank deren Anteile (66,2 Prozent) für 4,56 Milliarden Euro abzukaufen - die größte Akquisition für die Commerzbank in den letzten 50 Jahren. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller spricht später von einem „Quantensprung“. 2006 wird zum besten Jahr der Eurohypo überhaupt: Sie verdient vor Steuern fast 700 Millionen Euro. Von den 35 Milliarden Euro Neugeschäft in der Immobilienfinanzierung bleiben nur 20 Milliarden auf den eigenen Büchern, der Rest wird verbrieft und weiterverkauft.

  • 31. Januar 2008

    Die Commerzbank will ihre Hypothekenbank in Essen (EssenHyp) mit der Eurohypo verschmelzen, um in der Staatsfinanzierung ein noch größeres Rad zu drehen. „Wir greifen an und streben künftig einen Platz unter den Top 2 der europäischen Staatsfinanzierer an“, erklärt Commerzbank-Vorstand Michael Reuther.

  • 1. Oktober 2008

    Knobloch legt den Chefposten bei der Eurohypo Ende September 2008 auf eigenen Wunsch nieder, weil ihm das Commerzbank-Korsett zu eng wird. Sein Nachfolger wird zum 1. Oktober Frank Pörschke.

  • Die Krise - 3. November 2008

    Die Commerzbank kommt ohne staatliche Hilfe nicht durch die Finanzkrise. Der Hauptgrund laut Finanzkreisen: die Eurohypo und ihre Refinanzierungs-Praxis. Als erste deutsche Bank bekommt die Commerzbank Kapital vom Bankenrettungsfonds SoFFin: 8,2 Milliarden Euro. Dazu kommen 15 Milliarden Euro Garantien. Wenig später wächst die Kapitalspritze auf 18,2 Milliarden Euro.

  • 18. Februar 2009

    Die Krise am US-Immobilienmarkt hat tiefe Spuren bei der Eurohypo hinterlassen. Pörschke präsentiert für 2008 wegen drastischer Abschreibungen auf das amerikanische Subprime-Portfolio einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro, die Risikovorsorge ist erdrückend. Der neue Chef stellt die Ausrichtung der Eurohypo auf den Prüfstand.

  • 7. Mai 2009

    Die EU-Kommission winkt die Staatshilfen für die Commerzbank durch, fordert vom neuen Commerzbank-Chef Martin Blessing dafür aber den Verkauf der Eurohypo bis 2014. Die Bilanzsumme der defizitären Tochter liegt wenige Monate zuvor noch bei fast 300 Milliarden Euro.

  • 11. Mai 2009

    Pörschke setzt bei der Eurohypo auf Drängen der Commerzbank die Axt an und kürzt die Bilanz. Die Immobilienfinanzierung wird auf zehn Kernmärkte beschränkt, das Portfolio soll bis Ende 2012 auf 60 Milliarden von 79 Milliarden Euro heruntergefahren werden. „Durch die Neupositionierung richten wir uns darauf aus, langfristig stabile Erträge bei geringerem Risiko zu erzielen“, heißt es nun.

  • 25. Februar 2010

    Die Sanierung zeigt erste Erfolge. Die Eurohypo kann ihren Vorsteuerverlust 2009 deutlich zurückfahren auf gut 500 Millionen Euro. Pörschke ist zuversichtlich, „im Jahr 2011 zur Profitabilität zurückzukehren“.

  • 23.-24. Februar 2011

    Die Euro-Schuldenkrise schlägt zu. Commerzbank-Chef Blessing muss auf die Eurohypo fast zwei Milliarden Euro abschreiben. Die unliebsam gewordene Tochter schreibt in der Staatsfinanzierung rote Zahlen und weitet ihren Vorsteuerverlust 2010 auf fast 800 Millionen Euro aus. Die Staatsfinanzierung wird eingestellt. Das Neugeschäft in der Immobilienfinanzierung liegt 2010 nur noch bei fünf Milliarden Euro und wird weiter gedrosselt. Blessing räumt ein, dass die Eurohypo im aktuellen Zustand unverkäuflich ist. Eine Abwicklung schließt der Commerzbank-Chef noch aus.

  • 28. Juli 2011

    Pörschke wirft hin. Nachfolger wird sein Vorstandskollege Thomas Köntgen, der die Sanierung fortsetzen soll.

  • 10. August 2011

    Die Eurohypo schreibt im ersten Halbjahr einen Verlust von fast 900 Millionen Euro. „Kein Analyst hält die Bank für verkaufbar“, sagt Commerzbank-Finanzvorstand Eric Strutz. Er deutet an, mit der EU möglicherweise neu verhandeln zu müssen.

  • 4. November 2011

    Blessing verordnet dem Konzern eine Gewaltkur, wozu auch die vorübergehende Einstellung des Neugeschäfts bei der Eurohypo gehört. Damit ist sie de facto am Immobilienfinanzierungsmarkt nicht mehr aktiv, sondern verwaltet nur noch Altbestände.

  • 16. Dezember 2011

    Laut Finanzkreisen spielt die Commerzbank eine Auslagerung der Eurohypo in eine staatliche „Bad Bank“ durch, um sich des Problems schneller zu entledigen. Vor allem die Staatsanleihen wolle sie damit loswerden.

     

  • 17. Januar 2012

    Blessing gibt den Plan einer externen „Bad Bank“ auf. Nun soll der gesunde Kern der Immobilienfinanzierung integriert werden, der Rest soll auslaufen. Das heißt: Die Eurohypo ist bald Geschichte.

Die Eurohypo mit einer Bilanzsumme von immer noch gut 200 Milliarden Euro ist das große Sorgenkind im Konzern. Analysten betonen unisono, so lange dieses Problem nicht gelöst sei, werde sich der abgestürzte Aktienkurs der Commerzbank nicht erholen. Am Dienstag notierte das Papier gegen den Markttrend mit zwei Prozent im Plus. „Eine Lösung für die Eurohypo wäre ein Riesenschritt nach vorne“, beschrieb ein großer Investor den Optimismus.

Schon in den vergangenen zwei Jahren wurde die Eurohypo geschrumpft. Sie ist aber noch lange nicht klein genug, um einen Käufer anzulocken, der die Refinanzierung stemmen könnte. Zudem schreibt sie tiefrote Zahlen. In den Büchern lagern nicht nur etliche toxische Hypothekenpapiere. Auch in der Staatsfinanzierung war das Institut jahrelang ganz groß im Geschäft, was sich nun in der Euro-Schuldenkrise rächt und zu herben Abschreibungen geführt hat. Allein aus den angezählten Ländern am Rande der Euro-Zone (PIIGS) hielt die Eurohypo zuletzt Anleihen im Volumen von 13,5 Milliarden Euro.

  • 22.02.2012, 18:00 UhrAnonymer Benutzer: Hartmut.Rast

    Lone Star verhandelt hinter den Kulissen sicherlich schon über eine Übernahme.

    Man kennt das Procedere ja bereits durch den Kauf der IKB die man für rd € 130 Millionen mit dem Geld der Gewerkschaften gekauft hat. Für die Übernahme der AHBR, jetzt COREALCREDIT BANK AG, hat man seinerzeit 871 Millionen Euro erhalten um die Bank zu sanieren.

    Wie dumm, daß die Gewerkschaftler nicht selbst darauf gekommen sind, daß man das Kreditgeschäft doch einfach zu einer Tochtergesellschaft als sog. Service Provider verlagern kann wie der Lone Star-Tochter Hudson Advisors Germany GmbH, die rd. 70 Milliarden Euro Darlehen der AHBR zügig durch teilweise rechtwidrige Zwangsvollstreckungsmaßnahmen versilbert und dann steuerfrei über Dublin weiter auf die Bermudas überweist.

    Lone Star als global player mit weit verzweigtem und undurchsichtigem Beteiligungsnetz bietet sich doch optimal zur Rettung der EUROHYPO an, um deutschen Steuergeldern einen internationalen Durchfluß zu verschaffen.

    So wird die Commerzbank ihr Sorgenkind los und steigende Aktienkurse lassen unseren Finanzminister wieder für
    ne Woche vom großen return-on-investment träumen. Schließlich hat der Mann nach den ganzen Nachtschichten zur Rettung Griechenlands nun auch mal ein bischen Schlaf verdient.

    Ach wie gut, dass es den einsamen Stern am Himmel gibt zu dem wir alle aufschauen können.

  • 10.02.2012, 11:02 UhrAnonymer Benutzer: Banker


    Gier frist Hirn, der alte Spruch passt wieder mal.
    Somit werden 16 alte deutsche Hypothekenbanken, die über Jahrzehnte Geld verdient haben, platt gemacht.

  • 07.02.2012, 17:12 UhrFlashGordon

    Du Komiker. Solche Leute wie dich, würde ich mit " Moskau-Inkasso " besuchen kommen !

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