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Incentive-Reise: Wüstenrot-Revision prüft Besuch in brasilianischem Nachtclub

exklusiv Die Bausparkasse Wüstenrot wurde 1921 von einem methodistischen Laienprediger gegründet. Heute ist sie die Nummer Zwei in Deutschland. Doch ist es mit den moralischen Ansprüchen nicht mehr weit her.

Touristenattraktion Barbarella: In diesen Nachtclub kehrten rund 20 Wüstenrot-Vertreter während ihrer Incentive-Reise ein. Quelle: HB
Touristenattraktion Barbarella: In diesen Nachtclub kehrten rund 20 Wüstenrot-Vertreter während ihrer Incentive-Reise ein. Quelle: HB

StuttgartDie traditionsreiche Bausparkasse Wüstenrot bemüht sich fieberhaft um Aufklärung einer Incentive-Reise nach Brasilien. Wie der Konzern auf Anfrage des Handelsblattes bestätigte, drehen sich die Nachforschungen um einen 203.000 Euro teuren Ausflug der besten freien Handelsvertreter der Bausparkasse nach Rio de Janeiro. Im Rahmen dieser Reise im April 2010 fuhr der Reisebus der Truppe auch zum Nachtclub „Barbarella“. Hierbei handelt es sich um ein so genanntes „Boate“, einen Kontakthof für käuflichen Sex.

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"Die Bustüren gingen auf und etwa die halbe Gruppe stieg aus, inklusive Bereichsleiter und Gebietsdirektoren“, berichtet ein Teilnehmer im Handelsblatt. „Ich habe nur gedacht: Das kann ja wohl nicht sein, dass uns die Wüstenrot hier zum Puff kutschiert."

Auch an den Folgetagen kam es nach Schilderung von Teilnehmern zu Exzessen. „Auf den Hotelfluren war ein munteres Treiben“, erzählt ein Teilnehmer der Rio-Reise. „Die brasilianische Polizei griff einen unserer Direktoren nachts im Beisein einer Prostituierten am Strand auf.“

Der baden-württembergische Konzern schaltete nach der Anfrage des Handelsblattes umgehend die eigene Revision ein. Nach bisherigen Erkenntnissen der Wüstenrot-Revision kehrten zwischen 14 und 20 der freien Handelsvertreter im Barbarella ein. Mindestens drei Außendienstler, darunter Führungskräfte, nahmen sich Prostituierte mit aufs Zimmer.

Für Wüstenrot ist das Ergebnis der Revision ernüchternd. Mehrere Vertreter versuchten, schlüpfrige Details aus Rio zu verschleiern und Informationen zurückzuhalten, die das Ansehen von Wüstenrot schwer schädigen können. Sie unterschrieben hierzu sogar eidesstattliche Versicherungen.

Wüstenrot will nun Konsequenzen ziehen. „Wir unterstützen, organisieren oder finanzieren keine Aktivitäten, die gegen unseren Verhaltenskodex verstoßen“, sagt Bernd Hertweck, Vorstand der Wüstenrot Bausparkasse AG dem Handelsblatt. „Dies haben wir auch bei der Incentive-Reise nach Rio de Janeiro nicht getan. Wir nehmen die Sache allerdings sehr ernst. Eindeutige Ausschweifungen im Rahmen einer Dienstreise verstoßen selbstverständlich gegen unsere Verhaltensrichtlinien. In diesen Fällen werden wir, wenn es angemessen und rechtlich möglich ist, personelle Konsequenzen ziehen. Sollte dies nicht möglich sein, werden wir zumindest disziplinarische Maßnahmen ergreifen.“

  • 16.12.2011, 15:44 UhrAnonymer Benutzer: shl

    bei dem puffbesuch in rio handelt es sich um eine privatangelegenheit, die von wüstenrot auch nicht finanziert wurde. anders als bei ergo in 2007. ob ich in rio oder in pforzheim ins puff gehe ist auch egak. trotzdem: wenn ich eine solche reise gewinne, benehme ich mich und ziehe das unternehmen nicht in den schmutz.wichtiger wäre,das provisionssystem zu ändern, z.b. provisionen erst auszuzahlen, wenn der vertrag eingelöst wird. ich kenne einige mitarbeiter, die in den monaten sept. bis dez. auf friedhöfen nach namen und geb.-daten von "frischverstorbenen" suchen, um dann "luftverträge" abzuschließen. schließlich gibt es bereits provisionen für den vertragabschluß, ohne das dieser eingelöst wird. und das wird von ganz oben" geduldet, gefordert und gefördert.

  • 13.12.2011, 15:22 UhrAnonymer Benutzer: UlrichKlee

    ...das garantiert aber nicht, dass die Verkäufer (meist Banken ö.ä.) nicht auch solche Reisen "gewinnen" können - und dann auf Pfaden der HMI und der Wüstenrot wandeln.

    Ulrich Klee

  • 13.12.2011, 14:42 UhrAnonymer Benutzer: Fred_Kirchheimer

    Bertram123, willkommen in der Realität. Die Medien sehen die Lösung ihrer Absatzprobleme darin, daß sie niedrigste Instikte ansprechen und dazu gehört eben auch das Denunziantentum. Irgend eine moralisch abgewirtschaftete Zeitung findet sich immer, einem Denunzianten Gehör zu verschaffen, zumal wenn dessen Anschuldigungen noch einen bekannten Namen treffen. (Niemand hätte auch nur eine Zeile darüber geschrieben, wenn die Vertreter einer lokalen Versicherungsagentur ins Puff gegangen wären.) Und nachdem alle Zeitungen von einander abschreiben landet das eben auch hier.
    Ich warte eigentlich mal darauf, daß einer 'ne Story darüber schreibt, wie Journalisten Zuwendungen von Firmen bekommen um dann positiv darüber zu schreiben. Stichworte: Sportveranstaltungen, Autotest, Bücherempfehlungen, Hinweis auf die eine oder andere Spezialkanzlei ... Und da es diese Geschichten nicht gibt, stürzt man sich eben auf Ausweichgeschichten. Die Stasivorwürfe sind sowieso lächerlich, denn über das Treiben der Herrschaften in Pullach wird komischerweise nie geschrieben. Das nennt man dann wohl Heuchelei.
    NB: Können Sie mir sagen, wer z.B. die Flüge und Hotelkosten all der Journalisten bezahlt hat, die jüngst aus Durban berichteten? Zahlen die Journalisten, die immer bei den Politikern mitreisen oder zecken die auf Kosten der Steuerzahler? Entsprechend distanzlos sind dann ja auch immer die Berichte.
    Bertram123, ich habe damals bei der Wiedervereinigung meinen Verwandten gesagt, daß man im Westen es sehr gut versteht, allem einen Pseudoglanz zu verleihen. Und das haben die dann auch lernen müssen.

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