
„Die Kontrollen, die den Betrug hätten aufdecken können, fehlten“, heißt es einem Zwischenbericht des bankinternen Prüfausschusses, den die Großbank gestern abend veröffentlichte. Damit widerspricht der Ausschuss, der vom ehemaligen Peugeot-Chef und Bank-Verwaltungsrat Jean-Martin Folz geleitet wird, zum Teil der offiziellen Darstellung der Bank. Demnach hätten alle internen Kontrollen stets korrekt funktioniert. Betrugshändler Kerviel sei es lediglich gelungen, sie geschickt zu umgehen, hieß es bislang.
Der Prüfausschuss schreibt zwar: „Die Versagens-Fälle bei der Ausübung der Kontrollen waren rar.“ Die Prüfer bemängeln vor allem, dass die zuständigen Back-Office-Mitarbeiter Kerviels „keine vertieften Prüfungen oberhalb des vorgeschriebenen Prozeduren“ vorgenommen haben. So hat Kerviel mit seinen Geschäften innerhalb des Jahres 2007 sechs Mal Alarm ausgelöst, ohne letztlich erwischt zu werden. Denn die Back-Office-Leute hätten den Erklärungen Kerviels ohne Nachzuforschen Glauben geschenkt.
Ende Januar hatte die Société Générale einen Verlust von 4,9 Mrd. Euro auf Grund betrügerischer Index-Geschäfte gemeldet. Der Derivate-Händler Jérôme Kerviel hatte Anfang des Jahres unerlaubt Wetten im Volumen von 50 Mrd. Euro auf steigende Aktienindizes auf das Konto der Bank abgeschlossen. Kerviel konnte seine unerlaubten Wetten lange mit fiktiven Gegengeschäften verbergen.
Der Prüfausschuss nimmt nun unter die Lupe, ob die Bank bei der Darstellung der Fälle die Wahrheit gesagt hat und wie genau der Skandal möglich war. In dem Zwischenbericht bestätigen die internen Ermittler die Darstellung der Bank in Bezug auf den Ablauf des Betruges. Ferner haben die internen Ermittler bisher keinen Hinweis auf Komplizen Kerviels gefunden. Allerdings hatten die Prüfer noch keine Gelegenheit, ausführlich die internen Chats zwischen Kerviel und dem Makler Bakir zu prüfen. Darin finden sich Hinweise, dass Bakir zumindest von den unerlaubten Geschäften gewusst hat.
Der Zwischenbericht listet ferner die fehlenden Kontrollen bei der Société Générale auf: So würden gelöschte Transaktionen nicht nachgehalten. Das ist wichtig, denn Kerviel hat seine wahren Positionen lange dadurch verstecken können, indem er fiktive Warrant-Käufe buchte, diese Geschäfte aber stets annulierte, bevor die Bestätigung der Käufe fällig wurde. Oft bediente sich Kerviel dabei der Bank-Tochter Clickoptions, wo überhaupt keine Bestätigungen solcher Käufe notwendig seien.