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Interview mit: Eckart Woertz: „Nicht immun gegen die Krise“

Auch in der Golf-Region ist der Staat eingesprungen. Eckart Woertz, Chef-Ökonom des Gulf Research Centers in Dubai, nimmt im Handelsblatt-Interview Stellung zu den Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf die Banken am persischen Golf.

Herr Woertz, wie hat sich die globale Finanzkrise auf die Banken am Persischen Golf ausgewirkt?

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Die direkten Vermögensverluste bei den Banken waren überschaubar, da ihre Anlagen-Richtlinien meist keine Investitionen in riskante Subprime-Produkte erlaubten. Eine gewisse konservative Behäbigkeit ist den Golf-Banken also durchaus entgegengekommen. Wesentlich wichtiger sind aber die indirekten Effekte: Vielfach haben sich Geld-Institute und private Unternehmen am internationalen Kapitalmarkt refinanziert. Diese Refinanzierung ist nun erheblich teurer und schwieriger.

Welche Konsequenzen haben die Golf-Banken aus den Liquiditäts-Engpässen gezogen?

Wie überall sind die Regeln verschärft worden. Für Immobilien-Finanzierungen wird mehr Eigenkapital gefordert, Kreditkarten-Limits werden herabgesetzt. Und manche Banken in Dubai geben keine Darlehen mehr an Angestellte im Immobiliensektor, der gerade eine Korrektur-Phase durchmacht.

Reicht das aus?

In vielen Fällen nicht. Wie in anderen Teilen der Welt ist der Staat auch in der Golf-Region eingesprungen. In Katar hat er sich an Banken beteiligt. Und in Dubai sind die Hypotheken-Finanzierer Tamweel und Amlak unter dem schützenden Dach der staatlichen Real Estate Bank fusioniert worden.

Ist der exzessiven Kreditvergabe-Praxis im Immobiliensektor nun ein Riegel vorgeschoben?

Das Kind ist in überhitzten Märkten wie Dubai wohl schon in den Brunnen gefallen. In einer solchen Situation kann die Kredit-Bremse auch kritisch gesehen werden, da sie auf der Makro-Ebene rezessive Tendenzen verstärkt. Zinssenkungen der Zentralbanken erreichen so nicht den Endverbraucher.

In welchem Ausmaß wird der Immobilienmarkt belastet?

Man muss hier klar unterscheiden zwischen Dubai und anderen Märkten, wo die Übertreibungen geringer ausgefallen sind. Dubai hat sich stark auf spekulative Nachfrage gegründet, häufig durch reiche Privatpersonen aus den angrenzenden Öl-Staaten, aber auch aus Russland, Indien oder Großbritannien. Dieser Bedarf bricht jetzt weg, und es könnte leicht zu härteren Korrekturen kommen. In anderen Golf-Staaten hat der Immobilien-Bereich nicht diese gesamtwirtschaftliche Bedeutung und beruht mehr auf der lokalen Nachfrage einer stark wachsenden Bevölkerung.

Welchen Spielraum haben die Golf-Institute angesichts der globalen Finanzkrise?

Die Golf-Staaten sind in einer privilegierten Position, weil sie in den vergangenen Jahren aufgrund hoher Ölpreise gute Kapitalpolster angehäuft haben. Auch wenn sich diese Reserven bei den Staatsfonds seit Sommer 2008 erheblich reduziert haben, stehen genügend Mittel für nachhaltige Stützungs-Maßnahmen zur Verfügung.

Welche Hürden müssen die Golf-Banken 2009 nehmen?

Niedrige Preise für Export-Artikel wie Erdöl, petrochemische Produkte und Aluminium sowie die Abkühlung lokaler Immobilien-Märkte werden den Golf-Staaten weiter zu schaffen machen. Sie sind nicht immun gegen die globale Krise, wie das noch Anfang 2008 vielfach erhofft wurde.

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