
FRANKFURT/LONDON/NEW YORK. Die Investmentbanker weltweit haben ein Problem. Die Gewinne brechen ein. Grund ist nicht nur die Euro-Krise. Wegen der weltweiten Regulierungswelle bahnen sich tektonische Verschiebungen an, die Eigenkapitalrenditen von deutlich über 20 Prozent zur Ausnahme werden lassen. Die Banken würden in den nächsten vier bis fünf Jahren eher funktionieren wie vor 25 Jahren, wie „Versorger“, urteilte Robert Patten, Analyst bei Morgan Keegan & Co. Damit könnten Renditen von regelmäßig rund 25 Prozent vor Steuern, wie sie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann immer noch vorschweben, der Vergangenheit angehören. Die jüngsten Zahlen der Wall-Street-Flaggschiffe sowie der Schweizer Credit Suisse zeigen, wie die neue Welt der Investmentbanken aussehen könnte.
Jüngster Beleg für den Trend zu fallenden Gewinnen im Investment-Banking, speziell im Handelsgeschäft, ist die Schweizer Großbank Credit Suisse. Sie musste im zweiten Quartal ordentlich Federn lassen. Begründet wurde der Einbruch im Handelsgeschäft wie schon zuvor bei den US-Investmentbanken mit den Auswirkungen der Euro-Krise und der Zurückhaltung der verunsicherten Kunden.
Auch für die übrigen europäischen Investmentbanken, die in den kommenden Tagen und Wochen ihre Ergebnisse vorlegen, sind die Analysten wenig optimistisch. Die Experten von Nomura sagen für Deutsche Bank, BNP, Société Générale und Barclays im Schnitt einen Einbruch der Einnahmen aus dem Investment-Banking von über 35 Prozent voraus. Am härtesten wird es dabei wohl den Handel mit Anleihen, Währungen, Rohstoffen und Derivaten treffen, bislang die Geldmaschine der Banken nach der Finanzkrise.
Viele Experten fürchten, dass für den Rückschlag nicht nur das durch die europäische Schuldenkrise ausgelöste Chaos an den Kapitalmärkten verantwortlich ist, sondern dass sich die Banken an eine neue Realität gewöhnen müssen. Eine Realität, in der Eigenkapitalrenditen (nach Steuern) im hohen zweistelligen Bereich zunehmend illusorisch werden. „Solche Renditevorstellungen sind angesichts der Herausforderungen, die auf die Banken zukommen, extrem aggressiv“, meint Jon Peace von Nomura. Unter „Herausforderungen“ versteht er vor allem den Ehrgeiz der Regulierer, die den Investmentbanken engere Zügel anlegen wollen.
Derzeit arbeitet etwa der Basler Ausschuss der Bankenaufseher an strengeren Kapitalvorgaben für die Bankbranche). Noch ist nicht klar, wie viel mehr Eigenkapital die Geldhäuser demnächst für riskante Geschäfte zurücklegen müssen, „aber Investmentbanken werden die Regeln deutlich härter treffen als große Universalbanken“, so Peace.
Eigenkapitalrenditen sind umso höher, wenn mit geringem EK und hohem Fremdkapital ein großes Rad gedreht wird.
Da die banken durch Fusionen mittlerweile so groß sind, daß sie eine Gefahr für Länder und Volkswirtschaften darstellen, wenn sie kippen (vgl. z.b. Hb 12.7.2010 Etliche banken sind zum Retten zu groß), halte ich eine Regulierung immer noch für das moderateste Mittel.
besser wäre eine Aufspaltung in "normale" regulierte banken und investmentbanken. Die investmentbanken könnten dann auf Duebel komm raus zocken und wenn sie scheitern, gehen sie Pleite, ohne auf Kosten der Allgemeinheit gerettet zu werden, um dann weiterzocken zu können.
@Einanderer:
im Vergleich zu welchem Durchschnitt denn?
im Vergleich mit industrieunternehmen? Klar, dass die Deutsche bank, die im bankenbereich eine der Spitzenpositionen bei der EiGENKAPiTAL-Rendite einnimmt (zumindest im deutschen Vergleich), gerade mal den durchschnittlichen Wert der industrie erreicht, ist völlig überhöht. bankgeschäft darf sich nicht lohnen ...
Oder im Vergleich der banken untereinander? Stimmt schon, da sollten alle gleich schlecht sein, gute (gut wirtschaftende) banken darf es ja nicht geben ...
Wettbewerb? in kaum einer branche ist der härter - weder im Privatkundenbereich noch im investmentbanking. Und das speziell in Deutschland, wo es mehr bankfilialen gibt als Metzger oder bäcker, wo (Privat-)kunden am liebsten jeden Service umsonst bekommen (und manche banken auch so tun, als ob sie den liefern würden).
@Einanderer
EKR > 25 sind nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall. Siemens hatte z.b. vor der Krise > 20%, Viele Mittelständler haben eine EKR > 30%
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