
FRANKFURT. Angesichts der Finanzkrise müssen sich die Investmentbanker der Deutschen Bank auf einen durchschnittlichen Rückgang ihrer Bonuszahlungen um rund 60 Prozent einstellen. Allerdings würden die Abschläge von Bereich zu Bereich unterschiedlich ausfallen, hieß es gestern in Finanzkreisen. „Im Devisen- und Rohstoffhandel ist es auch 2008 relativ gut gelaufen, im Aktiengeschäft dagegen nicht“, sagte gestern ein Investmentbanker. Auch das klassische Investment-Banking – etwa in der Übernahmeberatung – habe die Flaute noch ganz gut wegstecken können. Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern.
Bei der Berechnung der Boni spielen üblicherweise drei Faktoren eine Rolle. Die Situation der Gesamtbank, das Abschneiden des Geschäftsbereichs sowie die individuelle Leistung. Daher können die Abschläge stark variieren, im Fall der Deutschen Bank reicht die Spanne wohl von minus 50 Prozent bis minus 80 Prozent. Insgesamt liege das im Schnitt der Branche, die schweizerische Großbank UBS hatte die Boni vor Wochen um rund 80 Prozent gesenkt, allerdings muss die Bank auch Staatshilfen in Anspruch nehmen, was der deutsche Branchenprimus vehement ablehnt.
Die Deutsche Bank hat die Gesamtvergütung im Bereich „Corporate and Investment Bank (CIB)“ in den ersten drei Quartalen um 38 Prozent gesenkt, im vierten Quartal dürfte keine Besserung eingetreten sein. Da dieser Block auch die fixen Gehaltsbestandteile umfasst, müssen die Boni überproportional gesunken sein.
Die Bonuszahlungen sind vor allem in den USA stark in die Kritik geraten. Der neue Präsident Barack Obama ist verstimmt darüber, dass die Wall-Street-Häuser für 2008 noch gut 18 Mrd. Dollar gezahlt haben, obwohl viele Banken staatliche Stützungsmaßnahmen benötigten. Dies sei der Gipfel der Verantwortungslosigkeit, so Obama. Allerdings weisen Experten darauf hin, dass frühere Boni zu einem Großteil in Aktien gezahlt worden seien, die im Zuge der Finanzkrise stark an Wert verloren haben. „Bei einigen Adressen machte das in der Vergangenheit rund 60 Prozent der Boni aus“, sagte ein Investmentbanker.
Zumindest für die Mitarbeiter der Deutschen Bank könnte sich die Lage auch wieder bessern. Denn die Analysten rechnen in diesem Jahr wieder mit Milliardengewinnen. Nach einem Verlust von knapp vier Mrd. Euro im vergangenen Jahr erwarten die von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Experten für 2009 im Schnitt ein Plus von rund 2,3 Mrd. Euro. Am Donnerstag wird die Bank anlässlich der Bilanzpressekonferenz zur Lage des Instituts weitere Einzelheiten nennen. mm/pk/rob