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Investmentbanking: Deutsche Bank soll Boni um bis zu 20 Prozent kürzen

Die fetten Jahre sind vorbei: Insidern zufolge müssen sich die Investmentbanker der Deutschen Bank auf Bonuskürzungen von bis zu 20 Prozent einstellen. Branchenweit dürften die Prämien noch weiter zurückgehen.

Branchenprimus Deutsche Bank: Weniger Boni an die Investmentbanker. Quelle: dapd
Branchenprimus Deutsche Bank: Weniger Boni an die Investmentbanker. Quelle: dapd

FrankfurtDie Investmentbanker der Deutschen Bank müssen sich Finanzkreisen zufolge auf 15- bis 20-prozentige Bonuskürzungen einstellen. Die genaue Höhe hänge unter anderem vom Konzerngewinn für 2012 ab, der in den nächsten Tagen ermittelt werde, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Beim britischen Rivalen Barclays wird das Minus Kreisen zufolge bei zehn bis 20 Prozent liegen. Branchenweit erwarten Top-Banker einer Reuters-Umfrage zufolge einen Rückgang der Prämien für vergangenes Jahr von bis zu 30 Prozent.

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Der maue Wertpapier-Handel infolge der Euro-Schuldenkrise und Belastungen durch die schärfere Regulierung drücken auf die Gewinne der Institute. „Das bleibt nicht ohne Folgen für die Banker-Gehälter“, sagte einer der Insider. Bei der Deutschen Bank werden die Boni Mitte Februar ausgeschüttet - einige Top-Leute kassieren dann Millionenbeträge. Das größte deutsche Geldhaus wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Die größten Investmentbanken der Welt 2012

  • Rang 10

    Den zehnten Platz erreicht die Bank Rothschild im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen. Das Haus betreute 2012 Unternehmenskäufe und Zusammenschlüsse im Wert von rund 246,5 Milliarden Dollar.

    Quelle: Mergermarket

  • Rang 9

    Den neunten Platz erreichte die Investmentbank-Sparte der UBS. Sie betreute 2012 Transaktionen im Wert von 247,5 Milliarden Dollar.

  • Rang 8

    Bank of America Merill Lynch betreute Deals im Volumen 332,1 Milliarden Dollar.

  • Rang 7

    Die Schweizer Credit Suisse erreichte mit einem Transaktionsvolumen von 362 Milliarden Dollar den siebten Platz weltweit.

  • Rang 6

    Die britische Barclays betreute 2012 Übernahmen und Fusionen im Volumen von 389,8 Milliarden Dollar.

  • Rang 5

    Die Deutsche Bank erreichte immerhin den fünften Rang im weltweiten Übernahmegeschäft. Sie steuerte Deals über 390,6 Milliarden Dollar.

  • Rang 4

    Die US-Bank JP Morgan betreute 2012 Deals im Wert von 422,8 Milliarden Dollar.

  • Rang 3

    Unter die Top-3 kommt die Citigroup mit Deals über 425,1 Milliarde Dollar.

  • Rang 2

    Den zweiten Platz eroberte Morgan Stanley mit Deals über 488,4 Milliarden Dollar.

  • Rang 1

    Den Spitzenplatz erreichte die Investmentbank Goldman Sachs, die Fusionen und Übernahmen mit einem Volumen von 555,9 Milliarden Dollar betreute.

Ein großer Teil der Boni auch bei der Deutschen Bank wird mittlerweile über mindestens drei Jahre gestreckt ausgezahlt und kann gekürzt werden, wenn sich der Erfolg als nicht dauerhaft herausstellt. Zudem ist der in Aktien ausgeschüttete Anteil gestiegen. Die Regulierer weltweit haben nach der Finanzkrise die Bonusregeln verschärft. Vor allem die Ausrichtung der Prämien an kurzfristigen Zielen gilt als eine Ursache der Krise.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin will in diesem Jahr die Gehälter und Boni von etwa zwei Dutzend Geldhäusern genauer unter die Lupe nehmen. Mit diesen Sonderprüfungen will die Behörde untersuchen, ob sich die Institute an die schärferen Vorgaben halten. Die meisten Investmentbanker der Deutschen Bank arbeiten außerhalb Deutschlands, vor allem in London.

Branche unter Druck Banker-Boni werden zur Zitterprämie

Angesichts von Skandalen und Kürzungen kehrt in den Banktürmen Ernüchterung ein.

Zur Kompensation der Bonuskürzungen hatten viele Banken vor einigen Jahren die Fixgehälter der Top-Mitarbeiter erhöht. Das werde dieses Jahr aber nicht wieder passieren, sagte ein Insider. „Weniger Bonus heißt weniger Einkommen.“ Bei der Deutschen Bank werden in die Vergütungspraxis 2012 erstmals auch Empfehlungen der im Oktober eigens ins Leben gerufenen externen Expertenkommission einfließen. Der frühere BASF-Chef Jürgen Hambrecht sitzt dem fünfköpfigen Gremium vorstehen. Die neuen Bankchefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen wollen mit der Einrichtung dieser Kommission ihr Ziel eines grundlegenden Kulturwandels in der Bank unterstreichen.

Experten erwarten, dass in den nächsten Jahren mehr Institute dem Beispiel von Barclays folgen, die bereits für 2011 die in bar ausgezahlten Boni auf umgerechnet weniger als 80.000 Euro gedeckelt hatte. Die Schweizer Credit Suisse wiederum hat die Prämien für rund 5500 Banker an die Entwicklung der riskantesten Vermögenswerte in ihren Büchern geknüpft. In die Bonusrunde 2012 der schweizerischen Bank sollen voraussichtlich weitere Arten riskanter Papiere und Produkte einbezogen werden.

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  • 14.01.2013, 19:07 UhrMazi

    Ein notwendiger Schritt vor dem Hintergrund des Gedankens, was hier alles schief gelaufen ist.

    Aber der Schritt ist nicht vollständig. Gemessen an der Tatsache was in Sachen Politik schief gelaufen ist, haben die Investmentbanker doch viel erfolgreicher gearbeitet.

    Wenn jetzt "A" gesagt wird, dann muss auch "B" gesagt werden. Runter mit Diäten und Pensionen für die Politiker.

    Wer diese Forderung für zu scharf hält, der schaue auf die Politiker im Zusammenhang mit dem Hauptstadt Flughafen (oder wie Frau Slomka zu sagen pflegt: (Fluchhafen") oder den ESM mit seinen Derivaten.

    Dieses Desaster kann wohl auch von einem kleinen Investmentbanker nicht gesteigert werden.

  • 14.01.2013, 20:41 Uhrbabsack69

    "Dieses Desaster kann wohl auch von einem kleinen Investmentbanker nicht gesteigert werden."
    Na,wir wollen mal die "Masters of the universe"nicht kleiner machen als sie sich selbst.Die Politiker bekommen heute von den Banklobbyisten gesagt,wie sie es gerne hätten und nicht umgekehrt.

  • 14.01.2013, 20:54 UhrMazi

    Da haben Sie gewiss recht. Aber wie schwach muss schon einer sein, dass er auch noch darum bittet.

    Schauen Sie sich einmal die Commerzbank an. Ohne das Staatsgeld gäbe es die erst gar nicht mehr. Die Politiker geben vor: Über 500 T€ geht nichts. Und was macht der Aufsichtsrat der Commerzbank mit dem Gehalt von Herrn Blessing?

    Man hat doch das Gefühl, dass lediglich ausgetestet wird, was noch geht. Und genau da verhalten sich die Politiker so, wie man es erwarten muss. Es geht nicht um ihr Geld was in den Sand gesetzt wird, sondern das Geld der kleinen Leute.

    Und geht es dann mal daneben und sie verlieren das Ministeramt, dann tingeln sie mit Vorträgen durch das Land und werden von denen "durchgefüttert", die zuvor "belohnt" haben.

    Da gilt doch das Beispiel mit den Krähen.

    Auch für die Politiker muss es Konsequenzen haben, wenn sie "Mist" bauen.

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