
LONDON. Die Aussicht auf staatliche Kapitalspritzen hat gestern den Kursverfall irischer Banken gestoppt. Die Verhandlungen über konkrete Staatsbeteiligungen an einzelnen Instituten laufen aber noch und auch die Suche nach privaten Investoren geht weiter. Analysten und Oppositionspolitiker äußerten sich enttäuscht, dass die Regierung noch keine konkreten Beteiligungen eingegangen ist.
Finanzminister Brian Lenihan kündigte an, bis zu zehn Mrd. Euro für Beteiligungen an irischen Finanzdienstleistern zur Verfügung zu stellen. Das Geld soll aus den Rentenrücklagen des Staates oder anderen Quellen kommen. Der Staat könne Vorzugsaktien oder Stammaktien kaufen. Der Steuerzahler solle eine angemessene Verzinsung auf das Kapital erhalten. Lenihan kündigte an, er werde nun mit den einzelnen Banken über konkrete Beteiligungen sprechen.
Die irischen Banken haben besonders hohe Anteile von Hypothekenkrediten in ihren Portfolios und leiden daher unter dem Einbruch des Immobilienmarktes. Die Regierung hat als Reaktion auf die Finanzkrise als erste in Europa eine umfassende zweijährige Garantie auf alle Bankeinlagen ausgesprochen. Trotzdem sind die irischen Finanzwerte an der Börse seither weiter abgerutscht. Die Anleger ziehen sich aus ihnen zurück, weil ihnen die Kapitalausstattung im internationalen Vergleich zu gering erscheint. Dem will die Regierung jetzt mit Kapitalspritzen abhelfen.
Besonders stark ist der Aktienkurs der Anglo Irish Bank eingebrochen - um 97 Prozent gegenüber dem Jahreshoch. Sie braucht Analysten zufolge etwa zwei Mrd. Euro an frischem Kapital, um auf eine Kapitalausstattung zu kommen, wie sie die britischen Banken haben. Ähnlich viel Kapital braucht die Bank of Ireland, deren Aktienkurs um 91 Prozent gefallen ist. Sie hat mit verschiedenen Private-Equity-Firmen über einen Einstieg gesprochen.