
TOKIO. Nachdem der künftige neue Präsident des japanischen Kreditinstituts, das zu einen Großteil dem US-Investor J. Christopher Flowers gehört, vor wenigen Tagen bekannt gegeben hat, seine Manager-Mannschaft auszuwechseln, scheinen nun die Tage von Finanzvorstand (CFO) Rahul Gupta (50) gezählt. Er soll unter anderem wegen einer üppigen Vergütung von jährlich 100 Mill. Yen gehen, berichtet die Nachrichten-Agentur „Bloomberg.“ Ein Sprecher der Bank verweigerte den Kommentar zu Gupta, sagte jedoch, dass die Bank dabei sei, ein neues Management zu präsentieren.
Die Shinsei-Bank musste vor kurzem hohe Verluste für das abgelaufene Geschäftsjahr hinnehmen. Es war das zweite verlustreiche Jahr in Folge. 140 Mrd. Yen (knapp 1,3 Mrd. Euro) groß ist das Minus der Bank, die als erste japanische Bank im Jahr 2000 von ausländischen Investoren übernommen wurde. Die Rating-Agentur stufte Shinseis Kreditwürdigkeit im Mai herunter auf „BB+“. „Senior Officers werden zurücktreten, um die Verantwortung für die Verluste zu übernehmen“, hatte daraufhin Shigeki Toma, der designierte neue Chef, verkündet. Wer gehen muss, ließ er nicht verlauten.
Nun meldet Bloomberg, dass Gupta einer der ersten ist, der die Bank verlässt - angeblich wegen Druck der Finanzaufsicht. Ihm werde vorgeworfen, exzessiv viel Geld zu verdienen. Es soll sich um einen Betrag handeln, der 100 Mill. Yen übersteigt. Zuvor hatte der erst vor wenigen Tagen zurückgetretene, damalige Minister für das Finanzwesen, Shizuka Kamei, öffentlich jährliche Kompensationen für nicht-japanische Manager von mehr als 100 Mill. Yen als „exorbitant“ gebrandmarkt.
Damit scheint der neue Chef Toma noch vor seinem offiziellen Amtsantritt am 23. Juni klare Verhältnisse schaffen zu wollen. Toma übernimmt das Ruder von Masamoto Yashiro und will innerhalb von zwei Jahren zurück in die schwarzen Zahlen.
Außerdem will Toma noch einmal das Abenteuer eines Zusammenschlusses wagen. Wen er sich als Partner vorstellt, hat er bisher offen gelassen. „Zuerst müssen wir unsere Stärke wiederfinden, um auf eigenen Füssen zu stehen“, sagte Toma. „Und erst von diesem Punkt aus, will ich verhandeln.“
Die Shinsei-Bank ist ein gebranntes Kind. Vor kurzem war der Deal mit der Aozora-Bank geplatzt, die dem Private-Equity-Unternehmen Cerberus Capital Management gehört. Die beiden Banken konnten sich am Ende nicht darauf einigen, wer der Stärkere wird in der Partnerschaft, es gab zu große Unterschiede in Eigenkapitalquote und Strategie.
Toma will die Geschäfte seiner Bank nun vor allem auf Kredite für kleine und mittelgroße Unternehmen fokussieren. Außerdem werden derzeit Pläne geschmiedet für eine mögliche Kapitalaufstockung durch Ausgabe neuer Aktien. Analysten sind gleichwohl noch skeptisch. „Shinseis Existenzberechtigung ist in Frage gestellt“, sagte vor wenigen Tagen Shinichi Iimura von der Bank of America. „Die Säuberung der Bilanzen scheint noch nicht vorbei.“