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Japan: Ermittlungen gegen Deutsche-Bank-Mitarbeiter

Die Deutsche Bank unter Verdacht: Japanische Aufsichtsbehörden ermitteln offenbar, ob Angestellte des Kreditinstituts den Managern von Pensionsfonds überzogene Unterhaltungsangebote gemacht haben.

Schlittert die Deutsche Bank in Tokio in die nächste Affäre? Mitarbeiter des Kreditinstituts stehen unter Verdacht, Managern von Pensionsfonds überzogene Unterhaltungsangebote gemacht zu haben. Quelle: Reuters
Schlittert die Deutsche Bank in Tokio in die nächste Affäre? Mitarbeiter des Kreditinstituts stehen unter Verdacht, Managern von Pensionsfonds überzogene Unterhaltungsangebote gemacht zu haben. Quelle: Reuters

TokioDie Deutsche Bank ist wegen verdächtiger Spesenabrechnungen ins Visier der japanischen Aufsichtsbehörden geraten. Mehrere Insider sagten der Nachrichtenagentur Reuters, es werde ermittelt, ob Angestellte von Deutschlands größtem Geldhaus Pensionsfonds-Managern überzogene Unterhaltungsangebote gemacht hätten. Die Wertpapier- und Börsenaufsichtskommission SESC habe Hinweise auf Verstöße gegen Regulierungsvorschriften gefunden. Betroffen ist die Investmentbank-Sparte des Kreditinstituts in Tokio.

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Details zu den möglichen Verfehlungen waren zunächst nicht klar, etwa die Höhe der Spesen-Aufwendungen oder die Identität der Personen, die in den Fall verstrickt sind. Es gehe um etwa fünf Mitarbeiter, die Pensionsfonds Produkte verkauften, so die Insider. Oft werden in Japan hohe Summen für gutes Essen und Wein ausgegeben, um Geschäftskontakte zu vertiefen. Nach einigen Skandalen in der Vergangenheit soll nun härter durchgegriffen werden. Weil japanische Pensionsfonds-Manager als Staatsbedienstete gelten, unterliegen sie besonders strengen Anti-Korruptionsregeln – schließlich legen sie riesige Summen an, die für die Altersvorsorge vorgesehen sind.

Die größten Risiken und Probleme der Deutschen Bank

  • Viele Herausforderungen

    Trotz aller Veränderungen in ihrem ersten Amtsjahr: Auf die Deutsche-Bank-Doppelspitze Jürgen Fitschen und Anshu Jain warten noch zahlreiche Herausforderungen. Ein Überblick.

  • Libor-Skandal

    Über Jahre versuchten internationale Großbanken den Referenzzins zu manipulieren, um höhere Gewinne zu erzielen. Daran waren auch Beschäftigte des Dax-Konzerns beteiligt. Mehrere Investmentbanker der Deutschen Bank mussten gehen. Das Institut schließt nach internen Untersuchungen aber aus, dass das höhere Management an Manipulationen beteiligt war. In die Kritik geraten war auch Jain, der seit Jahren das Investment-Banking verantwortet. Die drei Konkurrenten Barclays, Royal Bank of Scotland und UBS mussten bereits hohe Strafen zahlen. Das droht auch der Deutschen Bank.

  • Kirch-Prozess

    Im Dauerclinch um die Pleite des Medienimperiums des inzwischen gestorbenen Leo Kirch wurde die Bank vom Münchner Oberlandesgericht grundsätzlich zu Schadensersatz verurteilt. Die Höhe steht noch nicht fest. Die Bank wehrt sich vor dem Bundesgerichtshof (BGH) gegen den Schuldspruch, bildete in diesem Fall aber auch erstmals Rückstellungen. Die Kirch-Seite macht die Bank für die Pleite der Medienunternehmens 2002 verantwortlich und fordert gut zwei Milliarden Euro Schadensersatz. Einen Vergleich lehnte die Deutsche Bank bislang ab. Im April sah sich das Institut zu einer außerordentlichen Hauptversammlung gezwungen, weil Kläger aus dem Kirch-Lager erfolgreich Beschlüsse des letzten regulären Aktionärstreffens im Mai 2012 angefochten hatten.

  • USA

    Das Land ist einer der wichtigsten Märkte für die Deutsche Bank. Die Politik dort will nun die Kapitalregeln für Auslandsbanken verschärfen. Das würde die Deutsche Bank besonders zu spüren bekommen. Zudem kämpft das Institut wegen Geschäften aus den Zeiten vor der Finanzkrise 2007/08 mit zahlreichen Klagen. Oft geht es um Hypothekengeschäfte.

  • Abbausparte

    Der Bereich wird auch als „Bad Bank“ der Deutschen Bank bezeichnet. In der Sparte hat sie alle Geschäfte und Anlagen geparkt, von denen sie sich trennen möchte. Dazu gehören auch einige verlustreiche Ladenhüter wie das einst von der Bank finanzierte Kasino Cosmopolitan in Las Vegas und der US-Hafenbetreiber Maher, die schon seit Jahren auf einen Verkauf warten. Der eigentlich schon vereinbarte Verkauf der Frankfurter BHF-Bank an die Finanzgruppe RHJ stockt seit Monaten, weil die Finanzaufsicht kein grünes Licht gab.

  • Vermögensverwaltung

    Gern hätte das Institut im vergangenen Jahr einen Großteil dieses Geschäfts verkauft. Die Verhandlungen verliefen aber im Sande, da die Gebote zu niedrig waren. Nun will die Bank die Sparte selbst weiterentwickeln. Doch die Konkurrenz wird größer. Immer mehr Institute buhlen um reiche Kunden in aller Welt, da dieses Geschäft als vergleichsweise stabil gilt. Die Deutsche Bank findet sich international in der Vermögensverwaltung bislang nur auf einem der hinteren Plätze.

Die Deutsche Bank wollte sich nicht zur Sache äußern. Den Insidern zufolge hat das Finanzinstitut bereits seit längerem eine interne Untersuchung eingeleitet. Der Umgang mit Pensionsfonds-Managern sei bereits neu geregelt worden. Wie die Bank selbst auf den Fall reagiert, dürfte in den nächsten Wochen ausschlaggebend für das Urteil der Aufsichtsbehörde werden. Sie könnte der Deutschen Bank ins Stammbuch schreiben, ihre sogenannten Compliance-Regeln zu verschärfen. Härtere Strafen sind ebenfalls denkbar.

Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs wird den Kreisen zufolge im Rahmen einer Untersuchung genau unter die Lupe genommen. Auch hier geht es um Ausgaben für Pensionsfonds-Manager. Goldman und die SESC wollten sich nicht äußern.

Korruptionsexperten wie Tomoki Debari warnen davor, Rechnungen für japanische Pensionsfonds-Manager zu übernehmen. „Meine Empfehlung wäre: nicht am selben Tisch abends speisen. Es sei denn, die Rechnung wird geteilt.“ Anders sei dies bei größeren Empfängen, bei denen es keine besondere Behandlung für einzelne Personen gebe.

Mehrere Skandale haben in Japan zu einer Veränderung der Praxis geführt. 1998 wurden Vertreter des Finanzministeriums verhaftet, weil sie Zuwendungen von Banken – meist teure Abendessen – angenommen haben, die sie überwachten. Seitdem haben die Banken ihre internen Richtlinien verschärft. Zuletzt stand vor allem der Tokioter Geldfonds AIJ Investment Advisors in den Schlagzeilen und wurde nach Betrugsfällen geschlossen.

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