Zum Beispiel Shinseis Bankencafe. Im angesagten Einkaufszentrum Omotesando Hills gleich neben dem Weinrestaurant kann der Kunde beim Sonntagseinkaufsbummel dort sein Konto eröffnen. Links eine ganz normale Kaffeetheke und ein paar kleine weiße Tische. Wer ein Konto eröffnet, bekommt zur Belohnung gleich einen Kaffeegutschein. Ansonsten wirbt Shinsei trotz schwachen Filialnetzes erfolgreich mit kostenloser Abhebung an Geldautomaten anderer japanischer Institute, einem fortgeschrittenen Internetbanking-System und einer Geldkarte, deren Farbe sich der Kunde aussuchen kann – von kirschblütenrosa bis teegrün. Shinsei, 2000 nach dem Verkauf an Investoren um den Ripplewood Fonds aus der Longterm Credit Bank hervorgegangen, heimst derzeit Titel für sein Retail-Banking nur so ein.
Der Anreiz zu einem solchen Schritt ist klar: Über nicht weniger als zehn Billionen Euro (1,5 Trillionen Yen) an Finanzvermögen verfügen die japanischen Haushalte laut Notenbank. Mehr als die Hälfte davon auf Fremdwährungs-, Spar-, und Girokonten. Aktien und Investmentfonds machen weniger als 15 Prozent aus (s. „Geld sucht Anlage“). Das wollen die Banken nun ändern. „Von den Ersparnissen zu Investitionen“ lautet ihr Schlagwort – und ihr Ziel ist, dass Kommissionsgeschäft kräftig auszubauen.
Denn mit dem Ende des Trennbankensystems wird auch die Masse der Privatkunden für die Banken attraktiv. Seit Ende 1998 dürfen Geschäftsbanken ihren Kunden auch Investmentfonds verkaufen. Ende 2002 folgten Rentenversicherungen; seit Ende 2004 dürfen sie als Vermittler auch Aktien vertreiben. Ende kommendes Jahr folgen alle weiteren Versicherungsprodukte.
Noch jedoch kommt die Anlageberatung kaum über den Verkauf von Fertiglösungen heraus. Ein Test in einer Filiale der weltgrößten Bank Mitsubishi UFJ im Tokioter Stadtteil Iidabashi. „Wir haben diese Inlandsinvestmentfonds oder diesen globalen Anleihefonds hier. Der schüttet monatlich aus.“ Die junge Bankangestellte in der Bankuniform legt ein Prospekt nach dem anderen auf den Tresen. Davor sitzen die Kunden im Abstand von einem guten Meter nebeneinander wie die Hühner auf der Stange. Selbst wenn die Angestellte eine Anlageberatung anbieten würde – hier würde niemand seine Vermögensverhältnisse besprechen.