
DüsseldorfMartin Blessing hat diesen Tag lange herbeigesehnt. Endlich werde man wieder „eine ganz normale Bank“, frohlockte der Vorstandschef der Commerzbank schon vor Wochen. Damals hatte er die milliardenschwere Kapitalerhöhung angekündigt, die heute nach Börsenschluss über die Bühne gehen soll. Mit dem Geld, das er sich am Kapitalmarkt besorgt, will er den Staat loswerden. Damit bestimmt Blessing künftig wieder allein über die Geschicke der Bank. Doch der Preis dafür ist hoch - zahlen müssen ihn die Anteilseigner.
Der Staat gibt seine Stille Einlage in Höhe von 1,6 Milliarden Euro und damit seine Sperrminorität ab. Er bleibt dem Institut aber als Aktionär treu. Der Rettungsfonds Soffin tauscht das Geld, dass er für die Stille Einlage erhält, in Aktien. Nach der Kapitalerhöhung der Commerzbank wird der Soffin mit einem Anteil von mehr als einem Sechstel der Aktien größter Anteilseigner. Niemals geht man also so ganz.
Am Mittwoch beginnt die Bezugsfrist, in der die Commerzbank-Aktionäre die neuen Papiere zeichnen können. Für je 21 Aktien haben sie das Recht, 20 neue zum Preis von 4,50 Euro zu kaufen. Die Frist läuft zwei Wochen, bis zum 28. Mai. Wer keine neuen Aktien kaufen will, kann sein Bezugsrecht bis zum 24. Mai auch an der Börse verkaufen. Rechnerisch ist diese Art von Rabattgutschein 2,65 Euro wert. Begleitet wird die Kapitalerhöhung von der Deutschen Bank, Citi und HSBC - und von der Commerzbank selbst.
Gleich zu Beginn der Bezugsfrist - womöglich schon in der Nacht zum Mittwoch - wirft der SoFFin Commerzbank-Aktien für 625 Millionen Euro aus seinem Bestand auf den Markt. Ihr Preis dürfte knapp unter dem um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Aktienkurses liegen. Wer diese Papiere kauft, erhält allerdings kein Bezugsrecht für die Kapitalerhöhung. Mit dem Erlös der Platzierung beteiligt sich der SoFFin an der Kapitalerhöhung, so muss er kein frisches Geld in die Hand nehmen.
Der SoFFin tauscht bei der Kapitalerhöhung Stille Einlagen im Wert von 625 Millionen Euro in neue Commerzbank-Aktien. Bei einem Verkaufspreis von 7,10 Euro wären das rund 88 Millionen Aktien - rund 15 Prozent des Commerzbank-Kapitals. Seine Beteiligung an der Commerzbank sinkt durch die Platzierung und den Tausch von 25 auf gut 17 Prozent. Die restliche Stille Einlage - rund eine Milliarde Euro - zahlt die Commerzbank mit den Einnahmen aus der Kapitalerhöhung zurück.
Der Preis für die neuen Aktien liegt 38 Prozent unter dem um den Wert der Bezugsrechte bereinigten Kurs. Im Vergleich zum Schlusskurs vom Montag ist das ein Abschlag von 55 Prozent. Damit muss die Commerzbank ihr Grundkapital fast verdoppeln, um die benötigten 2,5 Milliarden Euro einzunehmen. Mit dem Verkauf von 555,6 Millionen Aktien nimmt die Bank 1,875 Milliarden ein. 750 Millionen Euro davon gehen an die Allianz.
Zu welchem Preis sich die Bezugsrechte verkaufen lassen, das bestimmen Angebot und Nachfrage. Aktien und Bezugsrechte werden ab dem heutigen Mittwoch getrennt voneinander gehandelt. Sobald das geschieht, verringert sich der Aktienkurs in um den Wert der Bezugsrechte.
Wenn ein Alt-Aktionär an der Kapitalerhöhung teilnimmt, dann bleibt ihr Anteil am Grundkapital der Commerzbank stabil. Zieht er nicht mit, wird sein Anteil „verwässert“, das heißt, sein relativer Anteil an der Bank schrumpft, weil es insgesamt mehr Aktien gibt. Das spielt dann eine Rolle, wenn die Bank in den nächsten Jahren wieder einmal eine Dividende ausschütten sollte. Die wird über alle Aktien gleichmäßig verteilt.
Aus eigener Kraft hätte die Bank die Finanzkrise nicht überlebt. Blessing musste notgedrungen beim Staat um Hilfe bitten. Ein Makel, den der Commerzbanker so schnell wie möglich wieder loswerden wollte. „Ich gehe da nicht nochmal hin“, erklärte er einst. Dafür schröpfte er dann die Aktionäre. Die mussten in den vergangenen Jahren eine Kapitalerhöhung nach der anderen über sich ergehen lassen – und damit eine Verwässerung ihrer Anteile.
Der Aktienkurs fiel seit 2007 um 97 Prozent. Allein in diesem Jahr verlor die Aktie mehr als 30 Prozent. Das ist laut Bloomberg die schlechteste Entwicklung unter den 148 wichtigsten Banken der Welt.
| Kapitalerhöhungen der Commerzbank | |||
| Datum | Volumen (in Mio. Euro) | Angebotspreis (in Euro) | Abschlag (in Prozent) |
| 28.06.2012 | 163 | 1,27 | 7,1 |
| 06.06.2011 | 9.578 | 2,18 | 44,5 |
| 13.01.2011 | 626 | 5,30 | 1,2 |
| 05.06.2009 | 1.193 | 2,60 | 48,2 |
| 08.09.2008 | 1.112 | 17,00 | 7,3 |
| Quelle: Thomson Reuters |
Jetzt bittet die Commerzbank ihre Anteilseigner erneut um Geld. Die Bank will neue Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Euro verkaufen – und damit ihr Kapital fast verdoppeln. Insgesamt wird sie 555,6 Millionen neue Aktien zu je 4,50 Euro an den Mann bringen. „Es wird eine Herausforderung sein, drastische Auswirkungen auf den Aktienkurs zu vermeiden“, sagte Christian Hamann, Bankenanalyst der Hamburger Sparkasse. „Es sieht nach einem großen Discount aus.“
Die Aktionäre können die neuen Aktien von Mittwoch an zeichnen, für je 21 alte Anteilsscheine gibt es 20 neue. Bis zum 28. Mai müssen sie entschieden haben, ob sie bei der Kapitalerhöhung mitmachen wollen oder nicht. Machen sie mit, müssen sie ihrer Bank mitteilen, dass sie ihr Bezugsrecht ausüben wollen. Entscheiden sie sich dagegen, können sie ihre Bezugsrechte an der Börse verkaufen. Die Bezugsrechte haben - vergleichbar mit einem Gutschein - einen Wert von 2,65 Euro.
Um die Anleger zu locken, muss Blessing einen Abschlag auf den aktuellen Börsenkurs bieten. Dieser fällt etwas höher aus als noch zuletzt erwartet. „Das könnte ein Zeichen für eine geringere Nachfrage sein, die einen höheren Abschlag erforderte“, schrieb Andreas Pläsier von MM Warburg.
Am Montag waren die Commerzbank-Papiere mit 9,94 Euro aus dem Handel gegangen, am Dienstag fielen sie um sechs Prozent auf 9,31 Euro. Der Preis der neuen Aktien dürfte sich - ohne Bezugsrecht - nach dem Start der Kapitalerhöhung bei mehr als sieben Euro einpendeln.

Banken haben nichts begriffen. Die handelnden Personen in den Banken aber schon. Dass sie sich selbst absichern, bei ihren Aktionen auf jeden Fall Profit zu haben: vor dem Zock die Provision, wenn der Zock funktioniert, die Beteiligung, und wenn er in die Hose geht, dann eine vorher vereinbarte Abfindung. Auf keinen Fall eine Haftung. Diese Spielregeln haben sich die Zocker selber geben können, und wir alle haben dabei weggesehen.

eine Etage tiefer agieren die Sparkassen etc. Dazwischen gibbet keine Sparte. Aber wissen Sie wer der größte Kunde der Sparkasse Walldorf ist? SAP und diese Sparkasse hat als Existenzgründer der SAP gewirkt. Keine Bank AG wollte das Risiko tragen. Bis auf diese kleine Dorfsparkasse. Auch ohne international aktiv zu sein - es reicht der richtig gute Riecher. Auch ganz unten und viel kleiner als alle unsere Banken.
Mitleid mit den KleinZockern, die jetzt ihr Geld verlieren habe ich nicht. Dieses Risiko ist allen die an der Börse spekulieren bekannt. Die Steuerverluste verdanken wir Merkel. Und die haben die Steuerzahler gewählt. Selber schuld, wenn man einer roten Socke das Vertrauen schenkt

Meine Einschätzung ist eine andere:
Blessing wurde vom Staat gelockt, die Dreba zu übernehmen. Andernfalls hätte die Allianz die Bank abgewickelt, denn die Allianz hat(te) die Kapitalkraft dazu. Die Allianz wusste auch um die "Qualität" der Dreba und des Managements dort.
Die Politik wollte eine Massenentlassung mitten in der Krise verhindern. Und man wollte wohl auch eine private Alternative zur Deutschen Bank in DE behalten.
Und was hat Blessing dazu "verführt" ? Die schiere Lust an der Größe, die Gier ? Heute egal.
Er muss auch die Fehler seines Vorgängers mit ausbaden, der eine Aufarbeitung immer noch verhindert.
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