
TOKIO/FRANKFURT. Während weltweit die Anleger mit Sorge auf die Entwicklung an den Märkten blicken, peilen Asiens Großbanken Kapitalerhöhungen in Milliardenhöhe an. In Japan will sich die Bank Mizuho Financial mit der Ausgabe von Stammaktien angeblich frisches Kapital in Höhe von einer Billion Yen (8,6 Mrd. Euro) besorgen. In China bereitet die Agricultural Bank of China den größten Börsengang der Welt vor - mit einem Doppellisting in Schanghai und Hongkong sollen im Juli rund 22 Mrd. Dollar (17 Mrd. Euro) in die Kasse gespült werden. In beiden Ländern planen weitere Banken ähnliche Schritte.
Hintergrund ist, dass die Banken in den beiden Wirtschaftsnationen plötzlich unter Druck stehen und dringend frisches Geld benötigen. Die japanischen Banken sind besonders hart von den Plänen der G20-Staaten für strengere Kapitalmarktregeln betroffen. Bisher konnten sie in ihr Eigenkapital die Werte ihrer Softwarepakete, Überkreuzbeteiligungen und künftige Steuererstattungen einrechnen. Nach den Plänen der Regulierer müssen diese Positionen nun aus dem Eigenkapital verschwinden. Allein diese "deffered tax deposits" machen laut Martin Schulz vom Fujitsu Research Institut in Tokio bislang rund ein Prozent der Eigenkapitaldecke aus.
Chinas Banken müssen ihr Eigenkapital auffüllen, nachdem sie im vergangenen Jahr im Zuge des staatlichen Konjunkturprogramms ein Rekordvolumen von rund einer Billionen Euro an Krediten vergeben haben. Allein die vier größten börsennotierten Staatsbanken benötigen 480 Mrd. Yuan (54 Mrd. Euro), um ihre Kassen in Einklang mit den Anforderungen der Aufsichtsbehörden zu bringen. Diese Zahl nannte zumindest vor kurzem einer, der es wissen muss: Yang Kaisheng, Präsident der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC).
Die chinesische Bankenaufsicht verlangt nun bei den staatlichen Banken eine Mindest-Kapitalausstattung von 11,5 Prozent. Die meisten Banken können diese Quote aber auf Dauer nicht halten, einige liegen schon jetzt darunter. Und die Kreditvergabe in China werde in den kommenden fünf Jahren um 15 Billionen Yuan weiter wachsen, schätzt Bankchef Yang. Durch die schärferen Regeln werde so der Kapital-Engpass der Branche in China nur noch verschlimmert.