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Klagewelle befürchtet: US-Hypothekenkrise kommt mit Macht zurück

Bei Anleihepapieren und Zwangsversteigerungen haben die Banken geschlampt. Jetzt droht ihnen eine riesige Klagewelle. Die Institute könnten gezwungen werden, Papiere im Wert von mehr als einer Billion Dollar mit Verlusten zurückzunehmen.

Hypothekenpapiere werden für die Banken zum Boomerang. Quelle: ap
Hypothekenpapiere werden für die Banken zum Boomerang. Quelle: ap

NEW YORK. Der Skandal um unrechtmäßige Zwangsversteigerungen von Häusern durch US-Banken zieht immer weitere Kreise. Am Wochenende hat Medienberichten zufolge die US-Finanzmarktaufsicht SEC mit Ermittlungen begonnen. Gleichzeitig rechnen Experten damit, dass durch den Skandal mehr Investoren als bisher gegen die Banken klagen könnten, von denen sie im Boom schlampig zusammengezimmerte Hypothekenanleihen gekauft haben. Die Institute könnten gezwungen werden, Papiere im Wert von mehr als einer Billion Dollar mit Verlusten zurückzunehmen. "Wenn die Gerichte diese Klagen zulassen, würde sich die Lage anfühlen wie 2008", sagte Joshua Rosner, Managing Director bei Unabhängigen Analysehaus Graham Fisher. Bei den Papieren handelt es sich um just jene Finanzinstrumente, deren Wertverfall die Finanzkrise 2007 bis 2009 ausgelöst hat. Die SEC wollte sich zu den Berichten über Ermittlungen nicht äußern.

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Seit einer guten Woche erschüttert ein Skandal die Wall Street, dessen Wurzeln in die Boomzeit des US-Immobilienmarktes zurückgehen. Hintergrund sind Klagen von Hausbesitzern, sie seien von den Banken zu unrecht aus ihren Häusern vertrieben worden. Die Institute hatten geltend gemacht, die Hypothekenschuldner hätten die Kredite nicht mehr bedient, daher hätten sie das Recht, das beliehene Haus zu verkaufen. Staatsanwälten in den USA zufolge war dies aber in Hunderttausenden von Fällen nicht rechtens. Manchmal waren die Hausbesitzer gar nicht im Rückstand mit der Tilgung, in anderen Fällen konnte die Bank nicht beweisen, dass sie im Falle der Insolvenz des Kunden tatsächlich Besitzerin des Hauses ist. Die Institute hatten im Boom bis 2007 die Hypotheken so hektisch vergeben, dass sie die Unterlagen teilweise nicht richtig archiviert hatten. Zudem gehen sie nun bei der Dokumentation ihrer Anträge auf Zwangsvollstreckung so schlampig vor, dass auch solvente Kunden davon betroffen sind. Sie sollen Bäcker und Friseure angestellt haben, um die Unterlagen zusammenzustellen.

Politiker und Staatsanwälte machen nun seit Tagen gegen die Banken Front und fordern ein Moratorium für Zwangsvollstreckungen. Die vor allem betroffenen Großbanken JP Morgan und Bank of America haben daraufhin von sich aus Zwangsvollstreckungen gestoppt, um die Vorgänge zu überprüfen. Je länger dieses Moratorium aber dauert, desto größer wird der Überschuss an Häusern, die irgendwann völlig zu Recht in die Zwangsversteigerung gehen. Wenn diese Gebäude am Ende auf den Markt kommen, könnte dies erneut einen Crash am Immobilienmarkt verursachen, schrieb Laurie Goodman, Analystin bei Amherst Securities zuletzt in einer Studie.

Die betroffenen Banken halten das alles für übertrieben. "Wir vertreiben niemandem aus seinem Haus, der es verdient, darin zu bleiben", sagte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon. Die Sache werde bald geklärt sein. Die Kapitalmärkte sahen das anders. Die Aktien der US-Großbanken gingen Ende der Woche massiv auf Talfahrt.

Die jüngsten Aufdeckungen könnten es Investoren erleichtern, die Banken auf Rücknahme gebündelter Hypothekenanleihen (CDOs) zu verklagen. Zuletzt hatte etwa die deutsche Landesbank Baden-Württemberg, Goldman Sachs auf Rücknahme von Papieren im Wert von 37 Mio. Dollar verklagt. Rosner rechnet damit, dass Papiere aus der Boomzeit von vor 2007 im damaligen Wert von 1,34 Billionen Dollar von solchen Klagen betroffen sein könnten. Weil diese aber heute weitaus weniger wert sind, würden die Banken bei der Rücknahme gewaltige Verluste verbuchen. Dabei müssen die Kläger Anwälten zufolge noch nicht einmal nachweisen, dass sie betrogen worden seien. "Es reicht, wenn wir nachweisen, dass die Dokumentation des Papiers fehlerhaft war, dann muss die Bank das Finanzinstrument zum Ausgangswert zurücknehmen", sagte David Grais, Partner bei Grais & Ellsworth.

Allerdings waren Kläger bislang noch nicht sehr erfolgreich. Hintergrund ist ein Gesetz, wonach 25 Prozent der Anteilseigner einer solchen Anleihe klagen müssen. So wies etwa vergangene Woche ein New Yorker Gericht die Klage des Hedge-Fonds Greenwich Financial gegen Bank of America ab, weil der Fonds nicht ausreichend viele Anteilseigner an der betroffenen Anleihe hinter sich geschart hatte. "Der Skandal könnte aber nun helfen, dass sich mehr Investoren trauen, zu klagen", sagte Grais. JP Morgan hat sicherheitshalber schon einmal 1,3 Mrd. Dollar für Anwaltskosten zurückgestellt.

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