Banken

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Kommentar: Für Applaus für die Commerzbank ist es noch zu früh

Mit ihrem Kapitalplan hat die Commerzbank für eine Überraschung gesorgt - und Respekt verdient. Denn immerhin will sie eine milliardengroße Kapitallücke aus eigener Kraft schließen. Doch ist der Optimismus realistisch?

Yasmin Osman ist Handelsblatt-Korrespondentin in Frankfurt. Quelle: Pablo Castagnola
Yasmin Osman ist Handelsblatt-Korrespondentin in Frankfurt. Quelle: Pablo Castagnola

FrankfurtDie Commerzbank wäre nicht die Commerzbank, wenn sie nicht immer wieder für eine Überraschung sorgen würde. Dass Bankchef Martin Blessing einen Kapitalplan vorlegt, wie er die Vorgaben der Europäischen Bankenaufsicht Eba ohne Staatshilfen sogar übererfüllen will, hatte kaum jemand erwartet. Das verdient erst einmal Respekt, denn schließlich geht es bei der Commerzbank um eine Kapitallücke von immerhin 5,3 Milliarden Euro. Den Applaus sollte man sich allerdings besser für einen späteren Zeitpunkt aufheben. Denn in der Vergangenheit hat die Commerzbank auch immer wieder bewiesen, dass sie zu einem Optimismus neigt, mit dem die Realität nicht unbedingt Schritt halten kann.

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Das beginnt mit der Übernahme der Dresdner Bank vor mehr als drei Jahren. Die bezeichneten einige Kassandras schon frühzeitig als knapp finanziert. Diese Warnungen ertönten zum Zeitpunkt der Ankündigung, also zwei Wochen vor der folgenschweren Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Leider haben diese frühen Skeptiker ziemlich bald darauf recht bekommen. Die Commerzbank musste mit 18,2 Milliarden Euro vom Steuerzahler gerettet werden.

Commerzbank-Aktie „Eines Dax-Konzerns unwürdig“

  • Commerzbank-Aktie: „Eines Dax-Konzerns unwürdig“
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Auch die gigantische Rückführung der Staatshilfen aus dem vergangenen Sommer fällt in die Kategorie „auf Kante genäht“. Denn die Commerzbank nutzt nicht nur die Erlöse aus ihrer gigantischen Kapitalerhöhung, um den Staat auszulösen, sie legte noch rund drei Milliarden Euro oben drauf, die sie aus vermeintlich überschüssigem Eigenkapital berappte. Das war zu diesem Zeitpunkt, als die europäische Staatsschuldenkrise noch einmal Fahrt aufnahm, mutig. Zumal dieses Geld der Bank einen Stresstest später nun wieder fehlt.

Und auch das Kapitalkonzept der Bank hat augenscheinlich kein Pessimist verfasst. Das gilt zum Beispiel für die Gewinnschätzungen der Bank. Sie will im ersten Halbjahr etwa 1,2 Milliarden Euro verdienen, obwohl sich auch in Deutschland eine Konjunkturabkühlung abzeichnet und die Bank die meisten Gewinne in ihrem Mittelstandsgeschäft erzielt. Auf den ersten Blick klingen 1,2 Milliarden Euro natürlich nicht viel, immerhin hat die Bank auch im vierten Quartal so viel verdient. Doch zumindest im Schlussquartal halfen ihr dabei in erster Linie einige Sondereffekte. Lässt man die unberücksichtigt, bleiben etwa 300 Millionen Euro übrig.

Noch unklar ist außerdem, wie sich neue Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen auf die Kapitalpläne auswirken würden. Französische Banken wurden angeblich schon darauf vorbereitet, dass sie wohl eher 70 statt 50 Prozent auf ihre griechischen Engagements abschreiben sollten. Übertragen auf die Commerzbank würde das zu einer weiteren Belastung von 500 Millionen Euro führen. Ob die Banken diese Belastungen wohl mit dem Segen der Eba mit den Kapitalpuffern verrechnen dürfen, die sie im Stresstest genau für diesen Fall gebildet haben? Das wäre zwar logisch, doch Logik war nicht immer eine Stärke der Eba.

Was das für das Kapitalkonzept für die Commerzbank bedeutet? Die Papierform stimmt. Blessings Masterplan kann aufgehen. Muss er aber nicht. Und einige Voraussetzungen dafür – kein übermäßiger Konjunktureinbruch, keine eskalierende Schuldenkrise, die Eba – hat er nicht selbst in der Hand. Der Praxistest steht also noch aus.

Die Autorin ist Korrespondentin in Frankfurt. Sie erreichen sie unter: osman@handelsblatt.com

  • 20.01.2012, 21:31 UhrKenner

    Gefällt mir ausgesprochen gut, dieser Kommentar, entzaubert er doch die sogenannten "Kenner" der Szene aus Presse/Analystensicht, die lediglich schreiben über Dinge die sie nicht bewerten können. Leider reiht sich auch das Handelsblatt in diese unseriöse Berichterstattung.

  • 20.01.2012, 10:25 UhrEddie

    Ueber jede gute Nachricht muss da ein Schreiberling sofort "(s)ein Ei drueber braten"... Ist da jemand short oder hat da jemand den (billigen) Einstand verpasst? Diese nett laechelnde Dame hat es jedenfalls nicht so mit der Mathematik: 1.200 Mio EUR Geinn im Q4 abzueglich 700 Mio EUR Sondereffekt (Hybridanleihen) = 500 Mio EUR, nicht 300. Ausserdem Sondereffekte, die den Gewinn reduzierten, wurden seitens der Commerzbank noch nicht genannt. Fakten: Gewinn Q1 2010: 716 Mio EUR, Gewinn Q1 2011: 1.009 Mio EUR, Gewinn Q2 2010: 352 Mio EUR, Gewinn Q2 2011: 53 Mio EUR nach 760 Mio Abschreibungen auf Griechen-Bonds... Sind also 1,2 Milliarden Euro Gewinn in 2 Quartalen zu optimistisch? Dann darf natuerlich auch die Spekulation auf noch hoehere Abschreibungen auf Griechen-Bonds in einem unsachlichen Kommentar nicht fehlen. Fakt ist jedoch, das sich zur Zeit Glaeubiger und Schuldner treffen, um die Konditionen des Schuldenschnittes auszuhandeln (Laufzeit und Verzinsung der neuen Bonds)... Jedenfalls lassen sich die Anleger nicht so leicht
    verschaukeln: Kurs aktuel: EUR 1.72 +0.10 (+6.23%)...

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