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Kommentar: Warten auf den Wandel bei der UBS

Die Aufräumarbeiten bei der UBS kommen voran. Aber hat die Schweizer Großbank schon einen Kulturwandel hinbekommen? Daran gibt es noch berechtigte Zweifel.

Wenig erfreuliche Neuigkeiten: Das UBS-Geschäft mit der Vermögensverwaltung schwächelt. Quelle: dpa
Wenig erfreuliche Neuigkeiten: Das UBS-Geschäft mit der Vermögensverwaltung schwächelt. Quelle: dpa

ZürichDer Milliardenverlust der UBS ist ein Resultat der Aufräumarbeiten, die sich das neue Führungsduo aus CEO Sergio Ermotti und Verwaltungsratspräsident Axel Weber verschrieben haben. Unter dem Strich fällt das Minus im vierten Quartal mit knapp 1,9 Milliarden Franken sogar geringer aus, als von Analysten befürchtet. Doch wie schon bei der Deutschen Bank gibt es Skepsis, wie es um den Kulturwandel wirklich bestellt ist.

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Der größte Belastungsblock waren wie bei der Deutschen Bank Rückstellungen für die Sünden der Vergangenheit, sprich für Rechtsfälle. Allein die Strafe im Zinsmanipulationsskandal (Libor) kostete UBS 1,4 Milliarden Franken. Im Unterschied zur Konkurrenz in Frankfurt haben Weber und Ermotti das Libor-Thema aber schon hinter sich.

Als Zeichen der Zuversicht schlagen sie jetzt eine Erhöhung der Dividende um 50 Prozent auf symbolische 15 Rappen je Aktie vor. Das soll Investoren signalisieren: Der Umbau kommt voran. Bekanntlich will sich UBS von großen Teilen des Investmentbankings trennen und sich auf die Kernkompetenz der Vermögensverwaltung konzentrieren. Auch UBS verspricht also nach einer nicht enden wollenden Serie von Skandalen eine Art Kulturwandel.

Handelsblatt Holger Alich

Holger Alich arbeitet seit 2011 als Korrespondent in der Schweiz

Handelsblatt: Holger Alich

Doch die Zahlen lassen zumindest Fragen aufkommen. So enttäuscht wie schon bei der Deutschen Bank, dass der Bonus-Topf nur um sieben Prozent auf 2,5 Milliarden Franken sinken soll. Das scheint UBS selbst etwas peinlich zu sein, denn die Bank rechnet in ihrer Presse-Mitteilung vor, dass der Bonustopf um 42 Prozent gegenüber dem Jahr 2010 gesunken sei. Noch stärker sind allerdings die Gewinne gefallen.

Es bestätigt sich einmal mehr die Banker-Weisheit, dass es profitabler ist, für eine Investmentbank zu arbeiten, als sie zu besitzen. Daran ändert auch nichts, dass UBS ein neues Vergütungsmodell mit längeren Aufschubfristen einführen will.

Schweizer Bankgeheimnis

  • Was war, was ist und was kommen wird

    Bis zur Finanzkrise konnten sich Steuerflüchtige sicher sein, dass ihr Schweizer Konto geheim blieb. Doch inzwischen hält das Bankgeheimnis nicht mehr, Deutschland und die Schweiz liegen im Steuerstreit. Das angedachte Abkommen ist noch wackelig. Selbst wenn es die SPD scheitern lässt: Eine Einigung mit der Schweiz wird bald kommen.

  • Waigels Wut

    In den 1990er-Jahren war das diskrete Schweizer Schwarzkonto noch Partygespräch bei Vermögenden: "Das hat man doch ab einem gewissen Einkommen, nicht wahr?" hieß es augenzwinkernd. Der Einkommensteuer-Spitzensatz lag bei 53 Prozent, das Schweizer Bankgeheimnis war intakt, ein Schuldbewusstsein nicht vorhanden. Der damalige Finanzminister Theo Waigel (CSU) erzählt noch heute voller Wut, dass es bei manchen Bankfilialen in Deutschland unter der Hand Überweisungsformulare gab, die man unter dem Kürzel "OTW" anfordern konnte - "ohne Theo Waigel".

  • Hort für Drogengeld

    Die Schweiz differenzierte fein säuberlich zwischen "Steuerbetrug" und "einfacher Steuerhinterziehung". Dabei zählte zum Steuerbetrug Geld, das aus kriminellen Geschäften stammte. Als sicherer Hort etwa für gewaschenes Drogengeld wollte sich die Schweiz auch damals nicht zur Verfügung stellen. Das diskrete Verschweigen von Kapitalerträgen gegenüber Behörden außerhalb der Schweiz - die "einfache Steuerhinterziehung" also - war jedoch nach Schweizer Recht kein Grund, das Bankgeheimnis aufzuheben.

  • Als unfair gebrandmarkt

    An der Lage änderte auch die Steueramnestie nichts, mit der 2004 der damalige Finanzminister Hans Eichel (SPD) versuchte, Steuerhinterzieher zur Rückkehr in die Steuerehrlichkeit zu bewegen. Mit 1,39 Milliarden Euro nahm der deutsche Fiskus gerade mal ein Viertel der erwarteten fünf Milliarden Euro von Reumütigen ein. Selbst die Regierungsparteien SPD und Grüne trugen das Gesetz wegen des Schnäppchen-Steuersatzes von 25 Prozent nur widerwillig mit. Union und FDP brandmarkten die Amnestie als unfair gegenüber ehrlichen Steuerzahlern.

  • Steuer-CDs und Selbstanzeigen

    Mit der Finanzkrise änderte sich 2008 das Klima drastisch. Peer Steinbrück (SPD), Finanzminister der Großen Koalition, setzte durch, dass die Industrieländerorganisation OECD ihren Kampf gegen Steuerhinterziehung verschärfte und alle Länder, die Steuerhinterzieher schützten, auf eine graue Liste setzte.

  • Zumwinkel-Affäre

    Als durch eine gestohlene CD mit Daten Liechtensteiner Bankkunden Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel als Steuersünder aufflog, motivierte dies auch Bankmitarbeiter in der Schweiz, dem deutschen Fiskus Kontendaten anzubieten: Bund und Länder kauften die CDs gerne - und der Druck zeigte Wirkung in der Schweiz. Zwar erfülle das Land im Kampf gegen Steuerhinterzieher noch immer nicht alle Anforderungen zum Informationsaustausch, aber es arbeite daran, heißt es bei der OECD.

  • Steuerabkommen ausgehandelt

    Die Regierung in Bern und Steinbrücks Nachfolger Wolfgang Schäuble (CDU) handelten schließlich ein Steuerabkommen aus, das für deutsche Steuerhinterzieher die Anonymität wahrt, aber die Steuerzahlung an den deutschen Fiskus sichert. Die SPD läuft dagegen Sturm und droht, die Ratifizierung im Bundesrat scheitern zu lassen. Im Bundestag wurde das Abkommen inzwischen gebilligt.

  • Steuerhinterzieher verunsichert

    Vor allem Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) setzt ganz auf die Strategie, weiter Steuer-CDs zu kaufen und dies publik zu machen: Verunsicherte Steuerhinterzieher strömten daraufhin jedes Mal zum Finanzamt, um per Selbstanzeige der Strafverfolgung zu entgehen und das Vermögen - bei saftigen Steuernachzahlungen - zu legalisieren. Die SPD verlangt ein Ende der Anonymität und höhere Strafsteuersätze als das Abkommen vorsieht. Doch weder die Schweiz noch die Bundesregierung wollen nachverhandeln.

  • Das Ende einer Steueroase

    Die Schweiz will keine Steueroase mehr sein. Worauf das Land allerdings Wert legt, ist, dass für die Vergangenheit das Bankgeheimnis nicht aufgehoben wird. Das deutsch-schweizerische Abkommen, dem bis Weihnachten Bundestag und Bundesrat zustimmen sollen, sieht daher für Altvermögen eine pauschale Nachversteuerung vor: Die Schweizer Banken leiten zwischen 21 und 41 Prozent des Altvermögens - abhängig unter anderem von der Anlagedauer - über den Schweizer an den deutschen Fiskus - außer der Kontoinhaber legt eine Steuererklärung bei der Bank vor.

  • Banken liefern Daten

    Mit mindestens zehn Milliarden Euro Nachzahlungen rechnet 2013 das Bundesfinanzministerium für Bund und Länder. Ab 2013 gilt dann die deutsche Abgeltungsteuer auch für Kapitalerträge in der Schweiz. Außerdem erteilen die Schweizer Behörden in einer begrenzten Zahl von Fällen Auskunft über Steuerhinterzieher.

  • Schäuble hofft auf Zustimmung

    Parallel allerdings will die Schweiz die neuen OECD-Regeln zum Informationsaustausch ab Januar 2013 umsetzen: Die Beamten und die Banken helfen dann, wenn nach typischen Hinterziehungsmustern international gefahndet wird. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hofft, dass er drei bis vier Bundesländer mit SPD-Regierungsbeteiligung mit Blick auf die Einnahmen noch zur Zustimmung überzeugen kann.

  • Plan B

    Sollte das Abkommen scheitern, ist es wahrscheinlich, dass in der nächsten Legislaturperiode ein neuer Anlauf gestartet wird: Denn dass nur entdeckte Steuerhinterzieher auffliegen, sehen auch viele im rot-grünen Lager mit Unbehagen. Nach dem Wahlkampf ist deshalb vor der Steuereinigung.

Auch in Sachen neues Geschäftsmodell enthalten die Zahlen wenig Erfreuliches. Denn ausgerechnet die Kernsparte Vermögensverwaltung, auf die sich UBS stärker konzentrieren will, schwächelt. Im vierten Quartal flossen hier der Bank gerade mal netto 2,4 Milliarden Franken zu, das ist 50 Prozent weniger, als Analysten erwartet hatten. Laut UBS haben Kunden aus Westeuropa ihre Gelder abgezogen.

Die Bruttomarge ging um vier Punkte auf 85 Basispunkte zurück. Auch hier hatten Analysten mit mehr gerechnet, denn im vierten Quartal liefen die Finanzmärkte sehr gut und Julius Bär berichtete zum Beispiel, dass der Monat Dezember der beste im ganzen Jahr gewesen sei.

Schon im Oktober warnte UBS-Präsident Axel Weber, dass der Bank-Umbau längere Zeit brauchen wird. Die ersten Jahresergebnisse, die er als Präsident der Bank zu verantworten hat, geben ihm in diesem Punkt uneingeschränkt Recht.

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