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Kommissar Michel Barnier: EU bremst Hochfrequenzhandel

EU-Kommissar Michel Barnier will neue Handelspraktiken und Finanzprodukte regulieren, die Finanzmarktrichtlinie Mifid ist bereits veraltet. Betroffen sind außerbörsliche Geschäfte, Blitzhandel und Rohstoff-Derivate. Die neuen Vorschriften im Überblick.

EU-Kommissar Michel Barnier Quelle: dpa
EU-Kommissar Michel Barnier Quelle: dpa

BRÜSSEL. Sie gilt gerademal drei Jahre - und doch ist sie schon veraltet: Die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid. Banken, Börsen und Fonds entwickeln in einer derartigen Geschwindigkeit neue Finanzprodukte und Handelspraktiken, dass der Gesetzgeber kaum hinterherkommt. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will jetzt Gas geben und kündigte gestern eine Novelle der "Markets in Financial Instruments Directive" an. "Wir wollen die Effizienz der Märkte steigern, gleichzeitig aber auch die Transparenz und den Anlegerschutz verbessern", betonte Barnier. Mitte Mai 2011 will Barnier konkrete Gesetzesvorschläge vorlegen. Auf die Finanzmärkte kommen in folgenden Bereichen neue Vorschriften zu:

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Hochfrequenzhandel: Der superschnelle vollautomatisierte Wertpapierhandel versucht, marginale Gewinnchancen über Schnelligkeit zu nutzen. Experten fürchten, dass er Kurse in Sekundenschnelle zum Absturz bringen kann und erhebliche Risiken für die Stabilität der Finanzmärkte birgt. Deshalb will die Kommission die im Blitzhandel üblichen Praktiken und Akteure (darunter kleine Investment-Boutiquen) strikter überwachen. So sollen etwa Computer, die eine Kursentwicklung selbst provozieren, diese nicht gleichzeitig ausnutzen können. Die Investoren müssten Risikomanagement-Systeme und Stresstests einführen.

Rohstoffderivate: Die EU-Kommission reagiert auf den drastischen Preisanstieg bei Agrargütern wie Getreide und anderen Rohstoffen. Es gebe hier einen "klaren Bedarf für schärfere Vorschriften", schreibt die Brüsseler Behörde. Derivatehändler sollen künftig systematisch über ihre Handelspositionen berichten, damit exzessive Spekulation frühzeitig aufgedeckt werden kann. Zugleich sollen die Behörden ermächtigt werden, in jedem Stadium in die Handelsaktivitäten einzugreifen.

Preistransparenz: Eine Offenlegung der Handelsdaten vor und nach dem Abschluss des Geschäfts ist bisher nur für Aktien vorgeschrieben. Künftig sollen diese Standards auch bei Anleihen, zentral verrechneten Derivaten, strukturierten Produkten, Fonds sowie Zertifikaten gelten. Bisher von der Transparenzpflicht ausgenommene Handelsplattformen für anonyme Geschäfte, sogenannte Dark Pools, müssen zwar auch in Zukunft nicht über Handelsteilnehmer oder Preise informieren. Doch will Kommissar Barnier klarer als bisher geregelt wissen, wer diese Ausnahme nutzen kann.

  • 09.12.2010, 12:34 Uhrlinsenspaeller

    Hochfrequenzhandel gibt es nicht wegen der Effizienz der Märkte, sondern weil die Masse der Teilnehmer, die eben nicht so schnell agieren können, sich dadurch ausnutzen und ausbeuten läßt. Komplizierte Derivate (oder auch einfache wie cfd`s) gibt es, damit nicht jeder aufsichthabende Fachmann und schon gar nicht jeder Laie den Weg versteht, auf dem der Gewinn für den Emittenten erzielt wird. ich weigere mich, zu verstehen, warum die Gesetze dagegen ebenso indirekt, behutsam und kompliziert sein sollen. Die Konfusion wird dadurch bloß vergrößert und die Grauzonen des seriösen Wirtschaftens werden verbreitert. Das läßt den Verdacht aufkommen, daß hier die Lobbyisten nicht nur die besseren Leute haben, sondern auch am längeren Hebel sitzen.

  • 08.12.2010, 22:12 UhrKronecker

    Die Experten haben keinen blassen Dunst davon, wie sie die Effizienz eines Finanzmarktes überhaupt bestimmen sollen, deswegen postulieren einfach, Märkte seien effizient; die selben Experten wollen aber die Effizienz durch Massnahmen steigern. Das ist lächerlich. Als Einführung empfehle ich den Experten, sich erst einmal mit dem Prozess der Kursfeststellung professionell zu befassen. Sonst bleibt alles nur Stochern im Nebel.

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