
bas/cü/fmd/hgn/mm FRANKFURT/LONDON. In der Nacht zum Monat wurde klar: Die viertgrößte US-Investmentbank Lehmann Brothers meldet Insolvenz an. "Das, was eigentlich nicht sein darf", "ein einzigartiges Event in der Geschichte von Banken" und ähnlich urteilten Analysten und Banker. Eine Wall Street-Ikone mit 158 Jahren Geschichte am Ende. Selbst Lehman Brothers mit fast 640 Mrd. Dollar an Vermögenswerten und rund 26 000 Beschäftigten ist nicht zu groß zum Umfallen.
In ihrem am Montag für die Holding eingereichten Insolvenzantrag beziffert die von deutschen Einwanderern gegründete traditionsreiche Bank ihre Verbindlichkeiten mit 613 Mrd. US-Dollar. Die ohnehin gebeutelte Aktie stürzte gestern nach Handelsbeginn an der Wall Street um mehr als 90 Prozent in den Keller.
In Europa ordnete die britische Finanzaufsicht FSA gleich gestern die "ordnungsgemäße Abwicklung" der Londoner Lehman-Aktivitäten an. Die Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers wurden zum Insolvenzverwalter bestellt. In Deutschland stellte die Finanzaufsichtsbehörde BaFin die Lehman Brothers Bankhaus AG unter ein Moratorium. Dem deutschen Institut mit 14,3 Mrd. Euro an Verbindlichkeiten drohe die Zahlungsunfähigkeit, begründete das die BaFin.
Die Insolvenz war nötig geworden, weil sich Regierung und Notenbank am Wochenende nicht zu umfangreichen Rettungsschritten wie im Fall der Investmentbank Bear Stearns bereit zeigten. Zuvor hatte Lehman wochenlang vergeblich versucht, sich frisches Kapital zu beschaffen. An dem Plan, seine Vermögensverwaltung und das Handelsgeschäft zu verkaufen, will Lehman Brothers trotz Insolvenz festhalten.
Weltweit geht es jetzt darum, die Folgen einer Bankpleite zu bewältigen, die vor wenigen Wochen noch als undenkbar galt. Betroffen sind die Aktionäre von Lehman, die Investoren in Anleihen der Investmentbank, Institute, die Interbankenkredite gegeben haben - hier sind japanische Institute ganz vorne dabei - und die Investoren in Kreditausfallversicherungen von Lehman (Credit Default Swaps, CDS). "Lehmans Insolvenz wird in einem Chaos enden", urteilten die Analysten von Exane BNP Paribas.