
FRANKFURT. Stefan Jütte, Dietrich Voigtländer, Jan Sinclair, Peter Knopp und Wilhelm von Haller haben eines gemeinsam: Sie wissen nicht, ob sie morgen noch Vorstandschef sind. Ihre Banken stehen zum Verkauf. Während die Postbank mit Top-Manager Jütte über kurz oder lang bei der Deutschen Bank landen wird, ist das Schicksal der anderen noch offen: WestLB, SEB, Westdeutsche Immobilienbank (Westimmo) und BHF sind noch auf Brautschau.
Doch schon bald steht die Entscheidung für das Privatkundengeschäft der SEB in Deutschland an. Die Schweden hatten lange versucht, Gewinne zu erwirtschaften - vergeblich. Jetzt sind sie es leid. Die Suche nach einem Bieter ist weit fortgeschritten. Es gehe eher um Tage als um Wochen, berichten Insider. Noch liefern sich die spanische Santander und die HVB als Tochter der italienischen Unicredit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit leichten Vorteilen für die Spanier. Der Preis für die Bank liege über 500 Mio. Euro, sagen Insider.
Für die HVB hätte der Deal einen großen Vorteil. Die Münchener deckten durch die Übernahme ihren weißen Fleck in der Mitte Deutschlands ab. An Kapital zur Finanzierung des Zukaufs mangelt es nicht, die Unicredit-Tochter hat davon reichlich. Konzernpräsident Dieter Rampl will es auch bei der HVB belassen, sollte der Kauf der SEB scheitern: "Wer weiß, was sich noch für Gelegenheiten in Deutschland auftun beim Privatkundengeschäft."
Nachholbedarf bei Konsolidierung
Gelegenheiten gibt es in rauen Mengen. Erst vor wenigen Tagen hat die belgische Bank KBC die 140 Jahre alte Münchener Privatbank Merck Finck an die indische Investmentgesellschaft Hinduja Group verkauft. Ein Milliardendeal. Die Bewegung im Bankenmarkt kommt nicht von ungefähr: "Deutschland hat großen Nachholbedarf bei der Konsolidierung", sagt Simon Samuels, Managing Director bei Barclays Capital. Hier habe die Nummer eins gerade einmal einen Marktanteil von drei bis vier Prozent. "Im europäischen Vergleich ist das nichts", sagt er. Normalerweise liege der Anteil bei 15 bis 20 Prozent. Auch führe die Krise dazu, dass schwächere Banken aussortiert würden, ergänzt Klaus Riehmer, Partner bei der Kanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton.
1 Kommentar
Alle Kommentare lesen