
Käufer für die Commerzbank-Tochter ist LGT, die Bank des Fürstenhauses Liechtenstein. Sie steht unter Druck, nachdem vor einem Jahr ein früherer Mitarbeiter Kundendaten an den deutschen Fiskus ausgehändigt hatte. In der Folge war es zu zahlreichen Anzeigen wegen Steuervergehen gekommen. Der prominenteste Fall war der des Post-Chefs Klaus Zumwinkel, den die Affäre seinen Job kostete.
Mit dem Kauf der Dresdner Bank Schweiz verdoppelt die LGT ihr verwaltetes Vermögen nahezu auf knapp 20 Mrd. Schweizer Franken (rund 13 Mrd. Euro). Die Commerzbank-Tochter betreute Ende vergangenen Jahres mit 311 Mitarbeitern 9,4 Mrd. Franken. Ein Kaufpreis für die Bank wurde nicht genannt. In Finanzkreisen werden Preise in Höhe von ein bis zwei Prozent der verwalteten Vermögen für realistisch gehalten. Er läge damit im zweistelligen Millionenbereich.
Die LGT denkt über weitere Zukäufe im Asset-Management und anderen Geschäftszweigen nach, sagte der Chef des größten Bankhauses des Fürstentums, Prinz Max von und zu Liechtenstein, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Weitere Übernahmen im Private-Banking-Geschäft seien dagegen in den nächsten zwölf Monaten nicht geplant.
Für die Commerzbank ist der Verkauf ein weiterer Schritt bei der Konzentration auf das Kerngeschäft. Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus hatte sich mit der Übernahme der Dresdner verhoben und musste vom Staat mit gut 18 Mrd. Euro gestützt werden. Die EU-Kommission hatte im Gegenzug für die Rettungshilfen den Verkauf mehrerer Töchter und Beteiligungen vorgeschrieben. Die größte davon ist der Immobilienfinanzierer Eurohypo. Im Vergleich dazu ist die Schweizer Dresdner-Dependance sehr klein. Schon vor dem Veto aus Brüssel hatte die Commerzbank das Geschäft zusammen mit rund 20 anderen Randbereichen auf den Prüfstand gestellt.
Die Commerzbank dürfte in den kommenden Monaten nicht die einzige deutsche Bank sein, die ihre Schweiz-Tochter verkauft. Zur Disposition steht auch die gemeinsame Tochter der Bayerischen Landesbank und der Helaba, die Swiss LB. Die deutschen Banken stellen mit 23 Töchtern die größte Gruppe unter den Auslandsbanken in der Schweiz dar. Sie alle erleben im Kleinen mit, was die UBS im großen Stil verarbeiten muss: Auf Druck der internationalen Steuerbehörden weicht das Bankgeheimnis immer weiter auf. Und die Institute, die stark im Private Banking mit Auslandskunden waren, bekommen ein Problem. „Es gibt Auslandsbanken in der Schweiz, die auf andere Dienstleistungen als das Private Banking setzten, etwa das Fondsgeschäft oder die Handelsfinanzierung“, sagt Roul Würgler, stellvertretender Chef des Verbands der Auslandsbanken in der Schweiz.
Richard Manger, Generaldirektor der DZ-Bank-Tochter Cosba spricht mit Blick auf die in der Schweiz tätigen Auslandsbanken von einer „neuen Zeitrechnung“. „Die Zeiten“, sagt er, „der strikten Trennung von Onshore und Offshore-Banking sind vorbei.“
Am Bankgeheimnis hängt das Geschäft
Altes Muster: Bislang setzten die 154 Auslandsbanken in der Schweiz vor allem auf das Geschäftsfeld Private Banking. Dies gerät jedoch unter Druck, seit sowohl von den USA als auch von der EU, insbesondere Deutschland, der Druck auf die Schweiz wächst, kein Schwarzgeld zu verwalten.
Neue Tugenden: Vor diesem Hintergrund ändern die Auslandsbanken ihr Geschäftsmodell und besinnen sich auf andere Tugenden, wie etwa die Finanzierung von Rohstoffgeschäften, die vor allem in Genf eine gefragte Dienstleistung ist.