
bas/ben/pk/hgn/tor/mm NEW YORK/FRANKFURT/LONDON/ZÜRICH. Die globale Bankenbranche sendet nach einem desaströsen Jahresabschluss 2008 wieder zaghafte Lebenszeichen. Eine Erholung im Handelsgeschäft, besserer Kapitalmarktzugang und vorübergehend niedrigere Abschreibungen sind Lichtblicke, die auf positive Schlagzeilen in der bevorstehenden Berichtssaison hoffen lassen. Flagschiffe wie Goldman Sachs, das nächste Woche den Zahlenreigen zum ersten Quartal eröffnet, und die Deutsche Bank dürften in die Gewinnzone zurückkehren. „Das erste Quartal wird das Beste in diesem Jahr sein“, sagte Bankenanalyst Carsten Werle von Sal. Oppenheim. Dem Zwischenhoch würden wohl nach Abschreibungen auf klassische Kredite negative Schlagzeilen folgen.
Eine Wiederbelebung des operativen Geschäfts nach dem Beinahestillstand der Branche infolge des Zusammenbruchs der Investmentbank Lehman Brothers im September macht derzeit wieder Mut. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und sein Citigroup-Pendant Vikram Pandit verkündeten zu Jahresbeginn schwarze Zahlen im täglichen Geschäft der ersten beiden Monate. Vor allem der Handel mit Rohstoffen und Devisen, sowie der Absicherungsbedarf der Industrie gegen Kapitalmarktschwankungen halfen den Banken. Commerzbank-Finanzchef Eric Strutz sprach von einem starken Zinsüberschuss zum Jahresstart und in der Schweiz vermeldete der dortige Branchenprimus UBS zunächst ein anziehendes Vermögensverwaltungsgeschäft. Allerdings ruderten nicht wenige bald wieder zurück. So räumte UBS-Chef Oswald Grübel ein, dass die Vermögensverwaltung von immer noch schwierigen Märkten geprägt sei. Und in den USA brummte Ken Lewis, Chief Executive Officer der Bank of Amerika (BoA), zuletzt etwas von einem „schwierigen Handelsgeschäft“ im März. Kein Wunder, dass sich die Kurse der Bankenaktien nach einer Erholung im März wieder auf dem Rückzug befinden.
Ein Grund für relativ gute Branchenergebnisse dürfte nach Ansicht der Analysten von Keefe, Bruyette & Woods der Rückgang der Abschreibungen auf Immobilienkredite sein. Diese hatten die Branche im vierten Quartal fast in den Abgrund gerissen. Bücher, die nur periodisch zur Überprüfung anstünden, würden die Institute im ersten Quartal aus Angst vor weiteren Abschreibungen und in Hoffnung auf steigende Preise nicht öffnen, so KBW-Experte Brian Klock. Zudem gebe die jüngste Lockerung der Marktbewertungsregeln in den USA den Instituten Spielraum. Offen ist, ob Verluste aus diesen Immobilienpapieren die US-Banken noch treffen werden, oder ob staatlich gestützte Aufkaufprogramme sie von den Papieren befreien.
Einig sind sich die Experten jedoch, dass der rezessionsbedingte Anstieg von Kreditausfällen die Banken im Laufe des Jahres hart treffen wird. „Verluste im traditionellen Kreditgeschäft schlagen sich zumeist erst mit einer Zeitverzögerung nieder“, sagte Stefan Best, Bankenexperte bei Standard & Poor’s. In den USA zeichnet sich eine Verschlechterung der Kreditbücher bereits deutlich ab, von der auch Europa nicht verschont bleiben wird. So rechnen die Experten von JPMorgan für die britischen Großbanken Barclays, RBS und Lloyds in diesem Abschwung mit Abschreibungen von 250 Mrd. Pfund, was rund einem Fünftel der britischen Wirtschaftsleistung entspricht. Erst die Hälfte davon hätten die Institute realisiert.