
STUTGART/FRANKFURT. Es ist längst dunkel, als Männer in blauen Anoraks die letzten Kisten erst aus Raum 3.02 und dann aus dem Gebäude tragen und sie in Kleinbusse verfrachten. Die Kollegen vom Landeskriminalamt und von der Polizei haben zuvor alles registriert, jede Kiste aufgeführt, nichts soll verlorengehen, denn der Inhalt der Kisten ist brisant.
Drinnen im Gebäude ist es still. Die Ermittler stehen neben den Telefonen, nur eine dürre Mitteilung darf nach außen dringen: dass die Bank die Aufklärung unterstützt.
Zu diesem Zeitpunkt ist in den Nachrichtenredaktionen im ganzen Land schon bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart einem schwerwiegenden Verdacht nachgeht: dass Manager der Landesbank Baden-Württemberg, kurz LBBW, noch dann riskante Geschäfte abgeschlossen oder zumindest geduldet hatten, als sie schon hätten wissen müssen, dass der US-Immobilienmarkt kurz vor dem Zusammenbruch stand.
Insgesamt 200 Ermittler haben seit dem Morgen die Zentrale der LBBW unweit des Stuttgarter Hauptbahnhofs durchsucht und auch zehn Privatwohnungen. Sie haben Umzugskisten voller Unterlagen beschlagnahmt. Zu den Beschuldigten gehört dem Vernehmen nach auch der frühere LBBW-Chef Siegfried Jaschinski.
Es gab keine Anzeige. Woher kamen die Informationen?
Solch ein Vorwurf gegen ranghohe Manager einer öffentlich-rechtlichen Bank alleine reichte schon aus, um ein mittleres Beben auszulösen, das weit über die Finanzbranche hinausreicht. Doch weil es um die LBBW geht, die größte deutsche Landesbank und lange eine Art Musterbeispiel, wirft der Fall die Frage auf, ob die Landesbanken überhaupt eine Zukunft haben und, falls ja, welche.
Fast alle kämpfen um ihr Überleben, nicht nur wegen der Krise. Und die Stuttgarter Vorstandsbüros sind nicht die ersten in einer Landesbank, für die sich Staatsanwaltschaft und Polizei interessieren. Vor ein paar Wochen erst, an einem Mittwoch im Oktober, rückten um 8.30 Uhr etwa 100 Fahnder in die Münchener Zentrale der BayernLB ein. Und gut 700 Kilometer nördlich gibt es schon den nächsten Kandidaten. Seit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg mit einer zehnköpfigen Sonderkommission bei der HSH Nordbank. Es besteht der Anfangsverdacht der schweren Untreue und Bilanzfälschung gegen sechs aktive und ehemalige Vorstandsmitglieder. Und doch ist im Fall der LBBW alles anders. Sie wirkte wie der Beweis, dass es auch anders geht, dass Landesbanken verschmolzen werden können.
Der Dienstag, der Tag nach der Durchsuchung, ist der Tag der Fragen, vor allem in Stuttgart.
Hmmmm... - lasst mich raten -
Staatsanwaltschaftliche Ermittlung bei der LbbW - das bedeutet:
1) baldige Auflösung der ermittelnden Abteilung in Verbindung einer Versetzung einiger beamter nach Lummerland.
2) Medienwirksamer Show-Prozess um die brodelnde Wut der bevölkerung zu beruhigen. Man spielt auf zeit, alles wird nach einigem Hin- und Her wegen Mangels an beweisen gegen ein kleines "Ordnungsgeld" eingestellt.
3) Soweit "Übeltäter" nicht eh schon im Ruhestand, Trennung zwischen LbbW und den beschuldigten - natürlich mit Erklärung des tiefsten gegenseitigen bedauerns - gegen Zahlung einer geringfügigen Abfindung im unteren zweistelligen Millionenbereich.
Wer hält die Wette...?
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