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Leerverkaufs-Verbot: Reformen jagen Bankern Angst ein

Investoren fürchten eine neue Bankenkrise. Doch dieses Mal beklagen sie keine zu hohen Risiken, sondern hadern mit einem Regulierungschaos. Das Leerverkauf-Verbot der BaFin erwischte viele Banken auf dem falschen Fuß.

Börse in London. Die Händler der Deutschen Bank in der City verwirrte das Leerverkaufsverbot der BaFin. Quelle: dpa
Börse in London. Die Händler der Deutschen Bank in der City verwirrte das Leerverkaufsverbot der BaFin. Quelle: dpa

LONDON. Als die Kreditderivate-Händler der Deutschen Bank am Dienstagmorgen an ihrem Arbeitsplatz in der Londoner City erschienen, wartete eine unangenehme Überraschung auf sie. Völlig unerwartet hatte die deutsche Finanzaufsicht über Nacht ungedeckte Leerverkäufe von Finanzaktien, Schuldtiteln der Euro-Zone und Kreditausfallversicherungen auf Verbindlichkeiten eines Euro-Staates verboten.

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Die Märkte spielten verrückt, aber die Trader der Deutschen Bank konnten nicht eingreifen. Von sieben Uhr bis neun Uhr morgens blieb der Desk für europäische Credit Default Swaps geschlossen, weil die Bank erst einmal klären musste, ob das deutsche Verbot auch für ihre Londoner Niederlassung galt oder nicht.

Nicht nur die Deutsche Bank erwischte der deutsche Alleingang auf dem falschen Fuß. Bei den Anwaltskanzleien in der Londoner City liefen Dienstagfrüh die Drähte heiß, weil die Banker dringend Hilfe bei der Interpretation des deutschen Verbots brauchten. Zunächst wusste keiner so genau, wen und welche Produkte der Bann wirklich treffen sollte.

Milliardenkosten drohen

"Extrem unverantwortlich", "eine Verzweiflungstat", mit solchen Ausbrüchen reagierten die Analysten gestern auf die Berliner Aktion. Die ungewöhnlich harschen Töne zeigen, dass viele europäische Banker das Ringen der EU und der nationalen Regierungen um eine Reform der Finanzmärkte inzwischen als ernstes Risiko für ihre Branche sehen. Aber nicht nur die Banker, auch die Anleger fürchten die Folgen unkoordinierter Regulierung.

Eine Umfrage der Ratingagentur Fitch unter Großinvestoren an den Anleihemärkten kommt zu dem Schluss, dass das Regulierungsrisiko die größte Gefahr für die Banken darstellt. 83 Prozent der Befragten sehen darin eine ernste Gefahr für die Bonität der Geldhäuser in den kommenden zwölf Monaten. Damit liegt das Regulierungsrisiko noch vor gesamtwirtschaftlichen Gefahren wie der europäischen Schuldenkrise. "Es fehlt der Konsens über die richtigen Reformen nach der Finanzkrise, das sorgt für Unsicherheit, und die ist niemals hilfreich für die Finanzmärkte", sagt Fitch-Analyst Gerry Rawcliffe.

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