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Lehman-Pleite: Der letzte Kampf des Gorillas

New York, vor einem Jahr: Während Lehman-Chef Fuld in seinem Büro um sein Leben telefoniert, um noch einen Käufer für seine marode Bank zu finden, wollen ein paar Kilometer weiter die Chefs der mächtigsten US-Banken den Zusammenbruch aufhalten - um sich selbst zu retten. Die Geschichte eines Wochenendes, das die Welt veränderte.

Richard Fuld Anfang Oktober nach einer Anhörung im Kongress. Quelle: ap
Richard Fuld Anfang Oktober nach einer Anhörung im Kongress. Quelle: ap

NEW YORK. Es ist ein Freitagnachmittag im Spätsommer 2008, als sich der Gorilla ein letztes Mal aufbäumt. Regenwolken liegen über den Bankentürmen von Manhattan, als nähmen sie das Unheil vorweg. Richard Fuld, Spitzname Gorilla, Chef der Investmentbank Lehman Brothers, sitzt in seinem Büro im 31. Stock und ahnt, dass seine marode Firma dieses Wochenende nicht überleben wird. Es sei denn, er findet einen Käufer oder die Regierung springt ein.

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Und so telefoniert sich Fuld durch die Mächtigen in Politik und Banken, er telefoniert um sein Leben. Mal klingelt es bei US-Finanzminister Henry Paulson, mal bei Jamie Dimon, dem Chef der Großbank JP Morgan Chase. Fuld meldet sich auch bei Kenneth Lewis von der Bank of America und bietet seine Bank an wie saueres Bier. Doch niemand scheint den alten Gorilla noch ernst zu nehmen. "Ein ums andere Mal erhielt er ein kaltes ,no' als Antwort", sagt später ein Vertrauer.

Dabei müsste sich Fuld nur zur New Yorker Notenbank Fed fahren lassen. Dort sind ab Freitag, dem 12. September, all die versammelt, die er so dringlich sprechen will. Doch Fuld ist hier nicht erwünscht. Ziel des Treffens ist es, Lehman zu retten. Und sollte das nicht gelingen: Rette sich wer kann.

Am Ende dieses schicksalhaften Wochenendes, das sich nun zum ersten Mal jährt, wird die Wall Street nicht mehr dieselbe sein wie vorher. Wird die Finanzkrise, die sich bis dahin vor allem in Bankcomputern ausgetobt hatte, auf die reale Wirtschaft überschlagen. Als schlimmste Rezession seit den 30er Jahren, mit Massenentlassungen von Detroit über London bis nach Peking. Die Finanzkrise hat mehrere Ursachen, die Kreditblase, undurchsichtige Finanzprodukte, niedrige Zinsen und laxe Vorschriften, euphorische Ratings und nicht zuletzt: die Gier. Und alle, die sich da in der festungsähnlichen Fed versammelt haben, hängen mit drin.

Freitagnachmittag, noch ist alles möglich: Vor der Fed spucken dunkle Limousinen nacheinander die mächtigsten Bankchefs Amerikas und eine Lehman-Abordnung aus. Paulson und New Yorks Zentralbankchef Timothy Geithner hatten die Runde einbestellt - und gleich eine klare Botschaft erteilt: Es wird keine staatliche Rettung für Lehman geben.

Die Regierung unter Präsident George W. Bush hatte der Investmentbank Bear Stearns geholfen und die Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac verstaatlicht. Doch nun ist Schluss, keine Steuergelder mehr für angeschlagene Banken. "Macht das unter Euch aus", schnarrt Paulson in Richtung von Lewis, Dimon, Lloyd Blankfein (Goldman sachs), Vikram Pandit (Citigroup) und John Thain (Merrill Lynch).

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