
KAPSTADT. Ein Indiz dafür liefert eine Rangliste des World Economic Forums zu den Ländern mit dem gesündesten Bankensystem. Südafrika rangiert darin unter 134 Staaten auf Platz 15 - noch vor der Schweiz (16), Deutschland (39) und den USA (40). Ein weiteres Zeichen für die Stabilität des Finanzsektors am Kap sind die Jahreszahlen seiner vier Großbanken, die einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent haben. Zusammen haben sie 2008 einen Gewinn von 62 Mrd. Rand (umgerechnet 5,5 Mrd. Euro) erzielt, womit sie nur drei Prozent unter den Zahlen des Vorjahres lagen. Ganz oben stand die Standard Bank mit einem Vorsteuerertrag von fast 23 Mrd. Rand.
Natürlich haben sich auch Südafrikas Banken nicht gänzlich der ersten Rezession am Kap seit 17 Jahren entziehen können. Einige leiden unter den vielen Stornierungen von Bergbauprojekten, andere unter der Abkühlung des Immobilienmarktes und der Zunahme fauler Kredite. Allerdings sind die Banken nach einer Studie der Zentralbank in Pretoria ausreichend kapitalisiert und profitabel.
Ein Grund dafür liegt darin, dass Südafrika die Vorschläge der internationalen Regulierer ernst genommen und die im "Basel 2-Abkommen" gesetzten Vorgaben bereits im Januar 2008 umgesetzt hat. So wurde das Eigenkapital der Banken deutlich gestärkt. Iraj Abedian, Chef von Pan African Holdings, weist darauf hin, dass die Auflagen bei der Vergabe von Krediten und Wagniskapital im Vergleich zur internationalen Konkurrenz äußerst strikt sind.
Zudem hat ein nationales Kreditgesetz die Banken schon vor Ausbruch der Krise gezwungen, die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden genau zu prüfen. Wenn eine Bank wider besseres Wissen einen Kredit an überschuldete Individuen vergibt, muss sie dafür am Ende selber aufkommen.
Und ausgerechnet die aus Apartheid-Zeiten übriggebliebenen Devisenkontrollen haben Südafrikas banken vor einem Überspringen der Krise geschützt. Johann Rupert, Chef des Luxusgüterkonzerns Richemont und Südafrikas bekanntester Geschäftsmann, formuliert das so: "Glaubt wirklich jemand, dass unsere genialen Banker der Subprime-Party ferngeblieben wären, wenn sie die Möglichkeit gehabt hätten, dabei zu sein?"
Die Unvorhersehbarkeit der wirtschaftlichen Entwicklung in einer kleinen Wirtschaft wie Südafrika begrenzt aber auch die Bereitschaft der Banken, allzu große Risiken einzugehen. Anders als die internationale Konkurrenz stützen sie sich vor allem auf zinsunabhängige Einkünfte wie Bankgebühren und Kommissionen. Während US-Banken zum Beispiel auf Girokonten nur minimale Gebühren erheben, stellen die Banken am Kap selbst kleinste Transaktionen in Rechnung. Zwar rufen die hohen Preise gelegentlich die Kartellbehörde auf den Plan. Allerdings scheint es so, als ob die Bankgebühren ein Stabilitätsfaktor im Bankensektor sind.
Dennoch wäre es verfehlt, am Kap bereits Entwarnung zu geben. Sorgen bereitet den Banken vor allem der jüngste Anstieg fauler Kredite. Die strikten Devisenkontrollen haben zwar dazu geführt, dass Südafrikas Banken ihre Kredite fast ausschließlich an einheimische Konzerne vergeben. Entsprechend groß ist aber deshalb auch die Angst vor einer größeren Unternehmenspleite.