
Es war kurz nach halb neun Uhr morgens am 30. November 1989, als eine Explosion die Menschen in Bad Homburg rund um den Seedammweg aus ihrer Ruhe riss. Eine Bombe hatte Alfred Herrhausen, den Chef der Deutschen Bank, auf dem Weg ins Büro in den Tod gerissen. Nur wenige Stunden später stand Tanja Langer, damals Neumann, in der Anzeigenabteilung der Berliner "taz" und gab eine Anzeige auf: "In tiefer Trauer um einen unersetzbaren, wundervollen Freund." Alfred Herrhausen war tot.
Der Mann, der das Bild des modernen Bankers wohl mehr prägte als jeder andere Bankchef zu dieser Zeit. Der sich für Transparenz und Ehrlichkeit einsetzte und das begründete mit Sätzen wie: "Weil die Zeiten demokratischer geworden sind, weil die Leute jede Form von Autorität infrage stellen, weil sie die Macht, die wir als Banken haben, kritisieren. Wir müssen ihnen offenlegen, welche Interessen wir verfolgen." Eine, die ihn zu solchen Ansätzen inspirierte, war Tanja Langer.
Jetzt, knapp 23 Jahre danach, hat sie ein Buch über ihre ungewöhnliche Beziehung geschrieben. Ein Buch über Tanja und Alfred, die in "Der Tag ist hell, ich schreibe dir" Helen und Julius heißen. Als Helen ihm das erste Mal begegnete, war sie neunzehn. "Ich trug mein helles Haar lockig und die Röcke kurz, ich stand kurz vorm Abitur und konnte es kaum erwarten, mein Elternhaus und die Stadt zu verlassen." Ihre Strumpfhose war petrolgrün an diesem Abend, sie trug einen Minilederrock und einen Schlabberpulli.
Julius dagegen, 52, hatte gut geschnittenes, braunes Haar, ein weißes Tuch in der Brust-Tasche und trug als Einziger auch eine Weste. Es war das Jahr 1982. Sie, Schülerin, politisch links orientiert, arbeitete nebenbei in einer Ökobäckerei. Er, ein Spitzenbanker. Helen und Julius, zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Und doch war dieses erste Aufeinandertreffen der Beginn einer ungewöhnlichen, bemerkenswerten Freundschaft. Lange hatte Langer versucht zu verdrängen. Erst durch den Besuch eines Journalisten, der zum 15. Todestag Herrhausens mit ihr sprechen wollte, holte sie ihre Erinnerung wieder hervor, auch das Päckchen Briefe, das Herrhausens Frau ihr aus dem Nachlass gegeben hatte.
Langer traf Angehörige, Schulkameraden, sprach mit Journalisten, sichtete Stasiakten. Bis sie die Briefe las, das "sollte noch eine ganze Weile dauern, bevor ich sie wirklich las, drei Jahre fast, bis ich anfing, sie zeitlich in meinem Gedächtnis einzureihen, und als wollte ich gegen die zerstörte Limousine, die in allen Zeitungen noch einmal abgebildet worden war, als wollte ich gegen dieses Bild des Todes angehen". So schreibt sie in dem Buch, das zum Teil aus ihrer Perspektive erzählt, zum Teil in Briefform gehalten ist. Ein Brief an ihren Freund Alfred Herrhausen respektive Julius Turnseck. Briefe waren es, die sie verbanden.

+++ Beitrag von der Redaktion entfernt +++ Bitte bleiben Sie sachlich.

Schade um die Zeit dieses komische Buch mit Selbstbeweihräucherung zu lesen.
Lest lieber das:
http://www.amazon.de/Das-RAF-Phantom-Gerhard-Wisnewski/dp/3426781352/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1350202633&sr=8-1
Wieso mußten Herrhausen und Rohwedder sterben?
Der Staat hält sich eine Terrororganisation.

Alfred Herrhausen, ist wie kein zweiter in seiner Branche, der Zeit weit voraus gewesen. Er war ihr enteilt und war schon so weit in der Zukunft, dass es kein Zurück mehr gab.
Auch noch Jahre nach seinem plötzlichen Tod vermisse ich ihn, als Chef, als Lenker und Ideengeber. Er hat es durchaus verstanden konventionelle Wege und Ansichten in Frage zu stellen, um sich über neue Ansätze Gedanken zu machen und neue Möglichkeiten aufzuzeigen. Das er dabei Usancen gebrochen hat und von seinesgleichen nicht verstanden wurde, schmerzt umso mehr. In seinen letzten Wochen ist einsam um ihn herum geworden (siehe auch BlackboxBRD), dennoch war und ist er ein Vorbild für mich.
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