
LONDON. Anjool Malde starb mit einem Glas Champagner in der Hand. Am Sonntag, dem 5. Juli zog sich der junge Sales-Händler der Deutschen Bank seinen besten Anzug an und machte sich auf den Weg in Richtung "Coq d?Argent", einem der beliebtesten Restaurants im Herzen der Londoner City. An der Bar kaufte sich Malde ein Glas Champagner, dann kletterte er über die Balustrade der Dachterrasse und sprang in den Tod.
Ein tragischer Fall, der seit Wochen für Schlagzeilen in der britischen Presse sorgt. Malde fürchtete offenbar, dass er seinen Job verlieren würde, wie so viele in diesen Tagen. Es wäre der erste Rückschlag für den 24-Jährigen gewesen, der erste hässliche Kratzer einer ansonsten so makellosen Karriere, der erste Riss in der glamourösen Fassade eines Banker-Lebens.
Maldes Lebenslauf ist typisch für so viele der ehrgeizigen jungen Erfolgsmenschen, die ihr Glück in der City suchen, und deren Traum von Ruhm und schnellem Geld von den Verwerfungen der Finanzkrise zerstört wurde. Mit 17 das erstklassige Abitur, mit 20 den Studienabschluss der Eliteuni Oxford in der Tasche, mit 21 der Einstieg in den Aktienhandel.
Weil das alles noch nicht reicht, zieht Malde mit ein paar Freunden die Firma "Alphaparties" auf, die schicke Feiern im noblen Londoner Westend organisiert. Für seinen 25. Geburtstag hatte der Sohn eines Psychologen und einer Lehrerin seine Freunde bereits in die Champagner Bar "Amuse Bouche" im Vergnügungsviertel Soho eingeladen. Aber die Aussicht, ihnen dort gestehen zu müssen, dass er gerade seinen Job bei der Deutschen Bank verloren hat, war offenbar zu viel für den erfolgsverwöhnten Aufsteiger.
Die Selbstmordrate in der Finanzbranche ist seit jeher hoch, und die Finanzkrise hat die Zahl der tragischen Fälle noch einmal in die Höhe schnellen lassen. Vor allem die Angst vor dem Verlust ihrer prestigeträchtigen und lukrativen Jobs treibt immer mehr Banker in die Verzweiflung. Zum Glück gehen die wenigsten so weit wie der junge Händler der Deutschen Bank. Aber Psychologen und Therapeuten haben so viel Zulauf von Kunden aus der Finanzindustrie wie noch niemals zuvor.