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Ludwig Poullain: „Das endet mit dem großen Knall“

Ludwig Poullain war als Chef der West LB einer der letzten echten Bankiers in Deutschland. Was seine Nachfolger in der Finanzindustrie anstellen, schockiert den Pensionär – und er findet klare Worte.

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Ludwig Poullain, Ex-West-LB-Chef. Quelle: Dominik Asbach
Ludwig Poullain, Ex-West-LB-Chef. Quelle: Dominik Asbach

Handelsblatt: Es scheint, als sei die Welt für die Politik und für Vorstände noch nie so komplex gewesen, wie in diesen Tagen. Wir haben eine Bankenkrise, von der wir nicht wissen, ob es in Wirklichkeit nicht eine Staatskrise ist und eine Staatskrise, von der wir nicht wissen, ob es nicht doch eine Bankenkrise ist. Währungen fahren auf und ab, Volkswirtschaften drohen Pleite zu gehen, Sicherheiten werden zu Unsicherheiten. Verstehen Sie das noch?

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Poullain: Um es einmal in der Sprache der Segler auszudrücken: Es ist schwer, derzeit einen Anker zu finden. Es gibt ja keine Vorgänger für diese Gemengelage, keine Schubladen, aus denen man Lösungen ziehen könnte.

Vieles in der Diskussion um die Rolle der Banken der vergangenen Tage erinnert stark an die Situation rund um den Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008. Wenn Sie auf die Situation an den Märkten schauen: Haben uns die Banken an den Rand eines erneuten Desasters getrieben, oder haben die Staaten mit ihrer überbordenden Schuldenpolitik erst die nächste Bankenkrise heraufbeschworen?

Sollten wir nicht lieber darüber reden, wofür überhaupt wir Banken brauchen. Das ist doch die entscheidende Frage. Oder noch deutlicher gefragt:  Brauchen wir Banken überhaupt noch?

 

Brauchen wir sie noch?

Zunächst mal stellen wir fest, dass sie ihre Aufgabe innerhalb der Wirtschaft völlig verändert haben. Aus Dienstleistern, die produzierende Unternehmen mit Geld versorgen, sind Produzenten geworden.

Wir müssen lernen, dass Geld nicht gleich Geld ist. Man muss zwischen konkretem und abstraktem Geld unterscheiden.

 

Zum Beispiel?

Ich bin mal ganz einfach: Für das Geschäftsjahr 2010 haben die Deutsche Bank und Daimler in etwa einen ähnlichen Bruttogewinn. Sie zahlen beide die gleichen Steuern und Dividenden. Was aber machen Sie mit dem Rest des Gewinns? Daimler investiert in Forschung und Entwicklung und verbessert seine Produktionsabläufe. Die Deutsche Bank legt das Geld zur Seite um damit neues Geld zu produzieren.

Daimler verwendet das Geld im produktiven Sinne für die Volkswirtschaft, das Geld der Deutschen Bank aber wird abstrakt verwenden, es hat keinen produktiven Sinn für die Gesellschaft.

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57 Kommentare

  • 14.09.2011, 17:34 Uhrkdrust

    Vielen Dank für den Hinweis auf diese nicht gehaltene Rede. Ich erinnere mich als Poullain zurücktrat, war die Nachricht wie ein Erdbeben.
    Sein Nachfolger Friedel N. hat die weichen für die WestLB so gestellt, dass sie vor den Baum fahren musste. Es ist immer das Gleiche die Politik (H. Rau) suchte sich damals -wie auch heute - einen bequemen, politisch wendigen und glattgeschliffenen nach dem MUnd redenden Banker. Auch so kann man dafür sorgen, dass Unternehmen langfristig vor die Wand fahren. Genauso machen die Politiker es auch mit dem Gemeinwesen und sie finden immer wieder Leute die dabei behilflich sind: siehe Ms. Trichet

  • 14.09.2011, 17:05 Uhrkdrust

    Puollain hat leider Recht; in der Beurteilung: der Situation, der Funktion der Banken, der handelnden Banker und insbesondere mit seinem Urteil über die handelnden Politiker

  • 14.09.2011, 16:58 UhrAnonymer Benutzer: hologramm

    Der Kapitalismus hat Krebs.
    In welchem Stadium? Wird die Zukunft erweisen. Soll heißen: heilbar oder unheilbar? - Ist unbestimmt!
    Nach Marx nicht so sehr heilbar, obwohl auch Marx hat nicht von bestimmten Zeiträumen gesprochen.

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