Wenn ich Ihnen so zuhöre, gerate ich in Untergangsstimmung? Die Banker skrupellos, die Politiker überfordert.
Wir müssen die Ursache-Wirkungsfolge einhalten. Es liegt nicht an der Regierung, dass die Banken das Spiel so treiben, wie vor dem ersten Höhepunkt der Finanzkrise. Guido Westerwelle hat ja mal dieses Zitat der Dekadenz der deutschen Unterschicht geliefert. Das Zitat passte im Grundsatz, es unterstreicht nur sein fehlendes Geschichtsbewusstsein, dass er das mit dem Plebs in Verbindung brachte, und nicht mit der Elite. In Rom waren es schon die Eliten, die dekadent wurden – und heute sind es die Bankenvorstände. Und deswegen ist Besserung erstmal nicht in Sicht.
Die Analyse würde weniger apokalyptisch wirken, wenn Sie einen Ausweg wüssten…
Damals bei der Sparkasse Recklinghausen, wo ich anfing, durften wir Geld der Kunden annehmen und damit Hypotheken oder Kredite gewähren. Mehr nicht. Heute schau ich auf einen Marktführer in Deutschland, der mit einem Slogan wirbt: „Leistung aus Leidenschaft“. Der funktioniert doch allenfalls noch als Satire. Welche Leistung? Und welchem Banker trauen Sie Leidenschaft zu? 80 Prozent des Geschäfts besorgt dieser Herr aus Indien mit Geschäften, die für die Volkswirtschaft überflüssig sind. Die anderen 20 Prozent sind Feigenblatt.
Damit wären wir wieder am Ausgangspunkt. Brauchen wir überhaupt Banken?
Unsere Volkswirtschaft braucht die Banken mit dem Geschäft, das Sparkassen, Genossenschaftsbanken und die 20 Prozent der Geschäftsbanken ausüben, die sich mit echten Kunden befassen. Es würde reichen, die Banken auf ihre Ursprungsaufgabe zurückzuführen: Sie sollten Mediatoren sein.
Es gibt auch Geschäftsbanken, die in der Krise gute Geschäfte gemacht haben.
Dann gehen wir doch mal durch, wer die großen Geschäftsbanken braucht. Wir haben vier Kundengruppen: Großkonzerne, Mittelständler, Vermögende und Privatkunden.
Die Dax-Konzerne brauchen keine Geschäftsbanken mehr, die versorgen sich ja mittlerweile selbst am Kapitalmarkt. Bleibt das Geschäft mit den Mittelständlern. Die Geschäftsbanken aber haben das abgeschafft, zentralisiert, zu weit vom Kunden weg organisiert. Hier in Münster bestimmt die Sparkasse dieses Geschäft. Das sehe ich bei jeder Kontonummer auf Rechnungen von Unternehmen. Und der wohlhabenste Teil der Gesellschaft hat sich ja von den Geschäftsbanken ohnehin verabschiedet und geht zu den Privatbankiers. Die normale Kundschaft, die hat längst gelernt, dass sie bei den Geschäftsbanken nicht willkommen ist und ist an Sparkassen und Genossen verloren.
Da bleibt nicht viel für die Geschäftsbanken. Von alleine werden sie das aber nicht einsehen. Und um sie einfach abseitig weiterarbeiten zu lassen, sind sie zu groß. Der Ausweg aus der Lage ist mit nicht klar.
Ich glaube mittlerweile an den Knall. Meine Lebenserfahrung spricht dagegen, dass sich vorher etwas ändert.
Vielen Dank für den Hinweis auf diese nicht gehaltene Rede. Ich erinnere mich als Poullain zurücktrat, war die Nachricht wie ein Erdbeben.
Sein Nachfolger Friedel N. hat die weichen für die WestLB so gestellt, dass sie vor den Baum fahren musste. Es ist immer das Gleiche die Politik (H. Rau) suchte sich damals -wie auch heute - einen bequemen, politisch wendigen und glattgeschliffenen nach dem MUnd redenden Banker. Auch so kann man dafür sorgen, dass Unternehmen langfristig vor die Wand fahren. Genauso machen die Politiker es auch mit dem Gemeinwesen und sie finden immer wieder Leute die dabei behilflich sind: siehe Ms. Trichet
Puollain hat leider Recht; in der Beurteilung: der Situation, der Funktion der Banken, der handelnden Banker und insbesondere mit seinem Urteil über die handelnden Politiker
Der Kapitalismus hat Krebs.
In welchem Stadium? Wird die Zukunft erweisen. Soll heißen: heilbar oder unheilbar? - Ist unbestimmt!
Nach Marx nicht so sehr heilbar, obwohl auch Marx hat nicht von bestimmten Zeiträumen gesprochen.
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