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Lustreisen: Mit der WestLB um die Welt

exklusivDie abgewickelte WestLB hat Sparkassen-Chefs, Stadtwerker und Beamte auf Weltreise geschickt. Der Vorgang hätte ein Fall für den Staatsanwalt werden können, wenn die Bank nicht eine stille Lösung bevorzugt hätte.

Die WestLB ist Geschichte – aber längst sind nicht alle Geschichten der ehemaligen Landesbank ans Tageslicht gekommen. Quelle: dpa
Die WestLB ist Geschichte – aber längst sind nicht alle Geschichten der ehemaligen Landesbank ans Tageslicht gekommen. Quelle: dpa

DüsseldorfEigentlich existiert die WestLB nur noch in Geschichtsbüchern. Am 30. Juni 2012 wurde die einst drittgrößte Bank Deutschlands abgewickelt. Doch Totgesagte haben oft ein langes Leben. Das gilt für eine Landesbank, die eng in das Geflecht von Politik und Wirtschaft verwoben ist. Und das gilt besonders für jene Teile der West LB, die heute unter neuem Namen ein zweites Leben führen.

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Einer dieser Bereiche nennt sich heute WestLB Mellon Asset Management. In der Zeit, in der diese Geschichte spielt - in den Jahren 2002 bis 2005 - trug sie noch nicht den Namen der New Yorker Bank Mellon in ihrer Bezeichnung.

So wurde die WestLB zerschlagen

  • Zerschlagung

    Die WestLB ist seit dem 30. Juni 2012 Geschichte. Das Geldhaus, das auf die 1832 in Münster gegründete Westfälische Provinzial-Hülfskasse zurückgeht, wurde in drei Teile zerschlagen.

  • Verbundbank I

    Sie umfasst das Sparkassengeschäft der WestLB - und wurde von der Frankfurter Helaba übernommen. 451 Mitarbeiter der WestLB wechselten dabei den Arbeitgeber. Die Helaba übernahm nach langem Poker mit den WestLB-Eignern - dem Land NRW und den beiden örtlichen Sparkassenverbänden - sowie der bundesweiten Sparkassenorganisation Geschäfte mit einer Bilanzsumme von rund 40 Milliarden Euro.

  • Verbundbank II

    Eine Milliarde Euro erhielt die Verbundbank als Mitgift – die beiden NRW-Sparkassenverbände polsterten die Kapitaldecke der Verbundbank mit 500 Millionen Euro auf, weitere 500 Millionen Euro steuerten die Sicherungseinrichtungen der Sparkassen-Finanzgruppe bei. Diese wurden im Gegenzug an der Helaba beteiligt. Die vor allem in Hessen und Thüringen aktive Helaba kann damit nach Nordrhein-Westfalen expandieren.

  • Erste Abwicklungsanstalt I

    Die EAA ist die Bad Bank der WestLB - sie soll bis voraussichtlich 2027 die unverkäuflichen Überbleibsel der Bank abwickeln. Die Resterampe der Landesbank wurde im Dezember 2009 aus der Taufe gehoben. Die beiden Vorstände Markus Bolder und Matthias Wargers begannen danach, Käufer für Risikopapiere und Geschäftsbereiche der WestLB mit einem Volumen von rund 77,5 Milliarden Euro zu suchen. Mitte 2012 standen davon noch rund 45 Milliarden Euro in den Büchern der EAA.

  • Erste Abwicklungsanstalt II

    Auf Bolder und Wargers kommt nun aber neue Arbeit zu: Portfolios mit einem Volumen von rund 100 Milliarden Euro, darunter auch der Immobilien-Finanzierer WestImmo, landeten aus der Erbmasse der WestLB bei der EAA. Die Übertragung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Für Verluste aus der Abwicklung stehen Steuerzahler und Sparkassen gerade. Allein für das mit besonders risikoreichen Papieren bestückte, „Phoenix“-Portfolio haben Land und Sparkassen Garantien in einer Höhe von fünf Milliarden Euro gegeben.

  • Portigon I

    Am 1. Juli 2012 ging das neue Serviceinstitut an den Start. Rund 3500 Mitarbeiter sollte Portigon zunächst haben, bis Jahresende sollen es dann weniger als 2700 Menschen sein – und die Zahl der Beschäftigten soll in Zukunft weiter schrumpfen, bis Ende 2016 soll das Service-Geschäft verkauft sein.

  • Portigon II

    Die Portigon-Mitarbeiter werden sich zunächst vor allem mit gut bekannten Geschäftsvorgängen beschäftigen: Sie sollen die EAA bei der Abwicklung ihrer Milliarden-Portfolien unterstützen. Diese strebt selbst einen Personalstand von rund 100 Mitarbeitern an. Auch Portigon wurde mit einer Finanzspritze auf den Weg geschickt: Das Land Nordrhein-Westfalen gab eine Milliarde Euro – es ist nun auch alleiniger Eigner von Portigon.

Die WestLB Asset Management war damals dazu da, das Geld von 500 institutionellen Kunden – Stadtwerken, Sparkassen Bürgermeistern und Regierungsbehörden – gewinnbringend anzulegen. Es geht um 40 Milliarden Euro. Die Asset Management-Firma aus Düsseldorf ist Anfang des Jahrtausends eine der größten in der Republik. Ihr Chef heißt Rupert Hengster. Er stammt aus dem Investmentbanking der WestLB und wechselte im Jahr 2001 zu der vielversprechenden Tochter. Die Bank selbst ist bestens vernetzt. Schon von Amts wegen sitzt der damalige NRW-Finanzminister und spätere Ministerpräsident Peer Steinbrück im Verwaltungsrat der Bank.

Fernsehkritik Kriminelles Stelldichein bei WestLB

Eine TV-Dokumentation im WDR arbeitet den Niedergang der WestLB chronologisch auf.

Die enge Verflechtung von Wirtschaft und Würdenträgern nahm allerdings bei der WestLB-Tochter Züge an, die sie in ein zweifelhaftes Licht stellt. Das belegen Unterlagen die dem Handelsblatt vorliegen.

Danach ist die muntere Asset Management-Tochter deutlich über die Stränge geschlagen. Eine Konzernbetriebsprüferin, die erst vor zwei Jahren die Bücher der WestLB Asset Management unter die Lupe nahm, entdeckte jedenfalls Kundenreisen, die alles andere als einem inhaltlichen Zweck dienten: Eine Reise nach Dallas war dabei im Wert von 5600 Euro pro Person. Eine Reise nach Madrid ließ sich die Bank 1900 Euro pro Kunde kosten. Beide Male standen sportliche Ereignisse wie Fußball oder die Qualifizierung zum Superbowl-Finale im Mittelpunkt der Ausflüge.

Nach Angaben aus dem Umfeld der Bank gehörten diese Reisen noch zu den harmloseren, bei denen das Geldanlegen in den Hintergrund rückte. Insgesamt ließ die Bank knapp eine halbe Millionen Euro im fraglichen Zeitraum für zweifelhafte Kundenevents springen.

  • 27.11.2012, 09:35 Uhralibori

    @Ulrich
    Sie sollten sich mal den SPD-Parteischaum vom Munde wischen

  • 27.11.2012, 09:21 Uhralibori

    Unsauberkeiten dürfen bei Ihnen wohl nur angeprangert werden,wenn sie rechts passieren. Diese verquere Ansicht quillt aus jedem Buchstaben Ihrer Beiträge.

  • 27.11.2012, 09:17 Uhralibori

    Ein Anfangsverdacht der Vorteilsannahme ist gegeben.Ebenso der Anfangsverdacht der versuchten Strafvereitelung im Amt durch den leitenden Oberstaatsanwalt der StA Düsseldorf,wenn es stimmen sollte,daß kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde.Wenn das so ist, was unterscheidet eigentlich die Justiz in NRW von der in Griechenland oder Sizilien?Parteisoldaten statt unbabhängige 3. Gewalt.

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