
HAMBURG. Auf deutsche Schiffsbanken kommen riesige Belastungen zu, weil sie binnen drei Jahren eine Flut von Schiffsneubauten bezahlen müssen. Einige dieser Neubauten werden mangels Ladung gar nicht Fahrt aufnehmen, also auch keine Einnahmen erzielen, so dass die Eigner Zins und Tilgung schuldig bleiben. In dieser Situation wurde auf dem Schiffsfinanziererkongress Hansa-Forum am Wochenende in Hamburg Hilfe vom Staat gefordert.
Deutsche Institute sind die größten Schiffsfinanzierer der Welt
Analysten zufolge arbeiten die Werften weltweit gegenwärtig 1 200 Aufträge aus Deutschland ab für Handelsschiffe im Bestellwert von 57 Mrd. Dollar. 400 bis 480 davon sind Containerfrachter, wovon rund 60 Prozent noch keine Charterverträge abgeschlossen haben, so dass die Eigner, wenn es dabei bleibt, keine Einnahmen haben werden. Da deutsche Banken den Weltmarkt für Schiffsfinanzierungen dominieren, dürfte auch ein großer Teil der für diese Aufträge vergebenen Kredite auf sie entfallen. Allein die HSH Nordbank, der weltgrößte Schiffsfinanzierer, hat Kredite über 7,4 Mrd. Euro (Stand 30. Juni 2009) zugesagt, wie in Hamburg bekannt wurde.
Auf dem Kongress plädierte Claus-Peter Offen, Inhaber einer der größten deutschen Reedereien, für einen staatlichen Schutzschirm über die Branche. "Damit bekennt die Branche, dass sie ohne großzügige Staatshilfe nicht auskommt", fasste Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert die Situation von Emissionshäusern, Reedern und Schiffsbanken zusammen. In welcher Form die Branche gestützt werden soll, blieb unklar. Einigkeit herrschte allerdings, dass die Beihilfen für einzelne geschlossene Schiffsfonds, die aus KfW-Mitteln gewährt wurden, nicht ausreichen werden.
Dabei tragen die Fonds gravierend zu den Problemen der Banken bei. Auf ihre Rechnung gehen Bestellungen bei Werften, deren Wert nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen acht und 15 Mrd. Euro liegt. Banker gehen davon aus, dass die Fondsemittenten mehr als fünf Mrd. Euro einwerben müssten, um das Eigenkapital für die bestellten Schiffe bereitzustellen.
Das dürfte den Emissionshäusern nicht gelingen. Die Schiffsbanken trifft dies schwer, weil sie seit einiger Zeit das Eigenkapital der Schiffsfonds gegen Garantien der Emissionshäuser vorfinanzieren. Bis Mitte 2007 war es kein Problem, Kapital für Schiffsfonds bei Privatanlegern einzusammeln. Häufig beteiligen sich die Reeder in geringem Umfang am Eigenkapital der Fonds. Doch seit Ausbruch der Finanzkrise investieren die Anleger nicht mehr in Schiffe.
Soso, die Herren Reeder sind selbst "von der Pleite" bedroht. Wer´s glaubt, wird selig, aber andere kommen auch in den Himmel. Dank der Schröder´schen "Tonnage-Tax" zahlen deutsche Reeder - was einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt ist - seit 1998 so gut wie keine Steuern mehr und haben in der boom-Phase gigantische Gewinne eingesackt. Der zitierte Herr Offen ist in der internationalen Segel-Szene gut bekannt und wirft mit Geld nur so um sich - wie wäre es, wenn er ein paar von den privat abgesahnten Milliarden reinvestieren würde, statt nach Steuergeld zu krähen? Schließlich ist unter Fachleuten längst bekannt, dass die Reeder (auch ohne Krise) schlicht viel zu viele Schiffe bestellt haben, sich ergo ihren Markt selbst kaputtgemacht haben. Die nun überfällige Marktbereinigung mit Steuergeldern hinauszuschieben wäre pure Verschwendung, die entsprechende Forderung ist schlichtweg eine Unverschämtheit!
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