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Martin Sorg: "Es gibt persönliche Feindschaften"

Martin Sorg ist Wirtschaftsprüfer und Partner in der Anwaltssozietät Binz & Partner. Sie hatte mit einer Strafanzeige den Mannesmann-Prozess ins Rollen gebracht. Ein Interview über Josef Ackermann.

Der Medienunternehmer Leo Kirch (l.) und der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer, sitzen sich im März 2011 vor Gericht gegenüber. Quelle: dapd
Der Medienunternehmer Leo Kirch (l.) und der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer, sitzen sich im März 2011 vor Gericht gegenüber. Quelle: dapd

Martin Sorg ist Wirtschaftsprüfer und Partner in der Anwaltssozietät Binz & Partner. Sie hatte mit einer Strafanzeige den Mannesmann-Prozess ins Rollen gebracht. Im Rechtsstreit zwischen der Deutschen Bank und Kirch vertritt die Kanzlei keine Partei. Über die jüngsten Entwicklungen sprach mit ihm Handelsblatt-Redakteurin Nicole Bastian.

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Handelsblatt: Sie haben als Unbeteiligter in der Causa Kirch/Deutsche Bank den Parteien schon vor Jahren zu Vergleichsverhandlungen geraten. Warum?

Martin Sorg: Weil der Sachverhalt extrem kompliziert ist und mit der Klage rechtliches Neuland beschritten wurde. Der Zusammenhang zwischen der Aussage Breuers und der Insolvenz Kirchs ist nicht eindeutig. Aber die Aussage betraf das Vertrauensverhältnis Kunde-Bank, und das ist ein sehr zartes Pflänzchen.

Handelsblatt: Warum haben die Parteien keinen Vergleich geschlossen?

Sorg: Es gibt extreme Emotionen in dem Verfahren. Da haben sich persönliche Feindschaften herausgebildet. Und die Positionen gehen völlig auseinander.

Handelsblatt: Gibt es da überhaupt noch die Chance auf einen Vergleich? Wie sähe die aus?

Sorg: Ich kann nicht konkret über den Fall sprechen. Aber wenn die Positionen allgemein so festgefahren sind, muss sich für einen Vergleich normalerweise etwas an den Rahmenbedingungen ändern - dann kann jede Seite das Gesicht wahren. Solche Änderungen können ein Urteil einer unteren Instanz sein oder wie hier ein Todesfall einer der Parteien. Auch die Durchsuchungen jetzt könnten ein solcher Auslöser sein oder der bevorstehende planmäßige Wechsel an der Spitze der Deutschen Bank.

Handelsblatt: Die Deutsche Bank hat mitgeteilt, dass Vorstandschef Josef Ackermann nicht mehr als Kandidat für den Aufsichtsrat zur Verfügung steht. Sehen Sie einen Zusammenhang?

Sorg: Jedes Ermittlungsverfahren ist prinzipiell eine Belastung. Aber Josef Ackermann hat sich eigentlich als belastbar erwiesen. Er hat das Mannesmann-Verfahren durchgestanden. Eigentlich hatte er ja mit dem Kirch-Breuer-Streit bisher nichts zu tun. Aber die jetzt bekannt gewordene Information dürfte kein Zufall sein.

Handelsblatt: Die Deutsche Bank hat einen Befangenheitsantrag gegen den Richter im Zivilverfahren vor dem Münchener Oberlandesgericht gestellt. Ein kluger Schachzug?

Sorg: Befangenheitsanträge sind generell sehr problematisch. Das macht man nur, wenn man sehr, sehr gute Gründe hat. Wenn man die allerdings hat, muss man es auch tun. Lassen Sie uns abwarten, was die Deutsche Bank da noch präsentiert.

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