
NEW YORK. So schmolz der Quartalsgewinn im Vergleich zum Vorjahr um 83 Prozent auf 453 Mio. Dollar zusammen. "Das zeigt uns, dass Goldman wie jeder andere von der Lage betroffen ist", sagte Chris Whalen, Geschäftsführer bei Institutional Risk Analytics. Auch Goldman könne sich den Kapitalmarktturbulenzen und dem sich eintrübenden Bild für die US-Wirtschaft nicht entziehen. Die Aktien des Wall-Street-Primus gaben in Reaktion auf die Zahlen deutlich nach.
Vor allem die Verunsicherung der Märkte im Zuge der Griechenland-Krise traf Goldman mit voller Wucht. "Das Marktumfeld wurde im zweiten Quartal immer schwieriger, und in der Folge hielten sich die Kunden zurück", erklärte Bank-Chef Lloyd Blankfein. So brachen die Einnahmen im Handelsgeschäft, das den Löwenanteil der Gewinne generiert, um 39 Prozent ein. Insbesondere das Geschäft mit Aktien und Aktienderivaten litt unter den wilden Schwankungen der Märkte nach dem Blitz-Crash vom 6. Mai, als der Dow-Jones-Index binnen kurzer Zeit um fast 1 000 Punkte fiel.
Finanzvorstand David Viniar räumte bei Vorstellung der Zahlen ein, der Derivatehandel der Bank sei im zweiten Quartal auf dem falschen Fuß erwischt worden. Man habe auf fallende und nicht steigende Kursschwankungen gesetzt, und das habe Geld gekostet. Viniar deutete an, dass sich die Märkte auch zu Beginn des dritten Quartals nicht zugunsten der Bank gedreht hätten. Am Markt bewege sich immer noch wenig, auch wenn sich das schnell ändern könne.
Zwei Sonderfaktoren drückten den Gewinn von Goldman zusätzlich. So buchte das Institut 600 Mio. Dollar für die britische Bonussteuer und 550 Mio. Dollar für einen Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC. Mit dieser Rekordgeldbuße hatte die Bank vergangene Woche ein Verfahren der SEC beenden können, in dem ihr Betrug an Kunden vorgeworfen worden war. Goldman geht davon aus, dass das Thema damit für die Bank selbst erledigt ist. Allerdings steht ihr Angestellter Fabrice Tourre noch im Kreuzfeuer der Behörde.