
FRANKFURT. "Das deutsche Geschäft mit Firmenkunden läuft sehr gut, im bisherigen Jahresverlauf haben wir einen zweistelligen prozentualen Zuwachs bei den Einnahmen. Außerdem schreiben wir schwarze Zahlen", sagte Vorstandsmitglied Werner Taiber dem Handelsblatt. Auch bei der Anzahl der Firmenkunden verzeichne die Bank "leichte Zuwächse", in Deutschland seien es insgesamt 1 300 Firmenkunden im Bestand, im Ausland rund 1 100 Adressen.
Die Kernbank soll nach den Vorstellungen des Managements die "gesunden Bereiche" der WestLB umfassen, dagegen sollen toxische Wertpapiere und nicht-strategische Geschäftsfelder in eine neue Abwicklungsbank ausgelagert werden. Dafür soll das "Bad-Bank-Modell" des Rettungsfonds Soffin genutzt werden. Gegenwärtig verhandelt der Bund darüber, ob er sich mit bis zu drei Mrd. Euro an der Kernbank beteiligen soll, was ein Novum in der Geschichte der öffentlich-rechtlichen Institute wäre, weil die Landesbanken bisher Ländersache waren. Die Kapitalspritze wird notwendig, weil die Abwicklungsbank die erwarteten zukünftigen Verluste tragen muss und dafür von der Kernbank mit Kapital ausgestattet wird.
Operativ schwarze Zahlen
Die Kernbank soll bis Ende 2011 verkauft oder mit einer anderen Landesbank fusioniert werden. Aus heutiger Sicht würde sich der Bund an einem Institut beteiligen, das im operativen Geschäft schwarze Zahlen schreibt. Im Segment Firmenkunden und Strukturierte Finanzierungen stieg das Vorsteuerergebnis in den ersten neun Monaten 2009 auf 158 Mio. Euro nach 63 Mio. Euro in der Vergleichszeit 2008. Das Kapitalmarktgeschäft steuerte sogar 489 (26) Mio. Euro bei. Beide Segmente blieben auch im dritten Quartal in den schwarzen Zahlen.
Klassisches Kreditgeschäft der Landesbank stagniert
"Das Kreditvolumen ist insgesamt nicht gestiegen. Bezogen auf die Erträge entfallen aber nur noch rund 40 Prozent auf das klassische Kreditgeschäft, den Löwenanteil steuern heute Produkte aus dem Bereich Corporate Finance bei, darunter Anleihen und Schuldscheine", sagte Taiber. Bei Schuldscheinen habe man ein Plus von 20 Prozent im Jahresverlauf erreicht, bei syndizierten Krediten sieht sich die Bank als Nummer fünf im deutschen Markt.
"Der deutsche Markt braucht die Kreditfinanzierung, aber zukünftig nimmt die Bedeutung von Kapitalmarktlösungen deutlich zu", ergänzt Taiber.
Auch auf der Risikoseite wird die Bank inzwischen konservativ gesteuert. "Die für die Refinanzierung relevanten Assets haben wir im Konzern von 250 Mrd. auf 200 Mrd. Euro reduziert", sagte Kapitalmarktvorstand Klemens Breuer. Nach der weitgehenden Einstellung des Eigenhandels konzentriert sich die WestLB auf das kundennahe Kapitalmarktgeschäft, dazu zählt beispielsweise das Absichern von Zinsänderungsrisiken.
Die Bank muss für die Gewährung von milliardenschweren Beihilfen ihrer Eigentümer - dem Land NRW und den Sparkassenverbänden im Rheinland und in Westfalen- Lippe - harte Auflagen der EU-Kommission befolgen. Unter anderem sind Einschnitte in das Auslandsnetz der Bank umzusetzen. Trotzdem werde die Kernbank zukünftig einen Handel rund um die Uhr bieten können. "Auch nach den Standortschließungen sind wir an den Kapitalmärkten mit den Niederlassungen in New York, London, Hongkong und Düsseldorf über alle Zeitzonen hinweg tätig", sagt Breuer.
Neben dem Firmenkunden- und Kapitalmarktgeschäft soll die Projektfinanzierung ein Schwerpunkt bleiben. Hier ist die Skepsis der Sparkassen als Eigentümer weit verbreitet, weil es sich meist um großvolumige Finanzierungen weit weg vom Heimatmarkt handelt. "In der Projektfinanzierung rechnen wir für 2010 mit leichtem Volumenwachstum insbesondere in unseren Kernsektoren Infrastruktur und Energie", sagt Taiber. Im kommenden Jahr sehe man Wachstumsimpulse im Bereich Infrastruktur in verschiedenen Regionen der Welt, so zum Beispiel in Brasilien. Hier werden demnächst Großprojekte für die Fußball-WM und die Olympiade ausgeschrieben.
Spannungsfeld
Die Eigentümer Die Sparkassenverbände und das Land NRW wollen möglichst wenig frisches Kapital in die Bank fließen lassen. Sie hoffen auf einen Einstieg des Bundes über den Rettungsfonds Soffin. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat aber schon klargemacht, dass er eine Beteiligung der Alteigentümer an den Lasten wünscht.
Der Vorstand Das Management der WestLB will eine möglichst attraktive Kernbank erhalten, um im Konsolidierungsprozess unter den Landesbanken noch eine Rolle spielen zu können. Eine Beschränkung auf die reine Zentralbank- und Verbundfunktion für die Sparkassen würde die Bank nach Ansicht von Branchenbeobachtern nur noch zu 20 Prozent auslasten.
Wieder eine interessante Nachricht von der Front der Landesbanken in D - diesmal von der HSH-Nordbank:
Vorabinformation aus dem Stern - Nonnemacher war doch tiefer in die Omega-Geschäfte verstrickt:
"Dirk Jens Nonnenmacher, der Vorstandschef der
angeschlagenen HSH Nordbank, ist stärker in das umstrittene
Omega-Kreditgeschäft des instituts eingebunden gewesen als bislang
bekannt. Das berichtet das Hamburger Magazin stern in seiner neuen,
am Donnerstag erscheinenden Ausgabe. Nach Unterlagen, die dem stern
vorliegen, hatte Nonnenmacher, damals Finanzvorstand, im April 2008
Aufsichtsräten von der Transaktion berichtet und dabei die Risiken
des Deals verharmlost.
Laut Sitzungsprotokoll des Risikoausschusses gab der heutige Chef
der Landesbank an, das Risiko aus Omega belaufe sich nach der
teilweisen Rückabwicklung “aufgrund der hohen Kreditqualität der
einzelnen Papiere auf nur 19,5 Millionen Euro”. Man stelle diese
Transaktion den Aufsichtsräten lediglich “aufgrund der Überschreitung
der formalen Reportinggrenze” vor, “ökonomisch gesehen” bestünden
keine erhöhten Risiken, redete Nonnenmacher die Sache klein. Die bank
gibt heute an, dass Nonnenmacher bei der Sitzung damals kurzfristig
den zuständigen Risikovorstand vertreten musste. bei der Präsentation
habe es sich nicht um seine berechnungen gehandelt.
Omega war ein umstrittenes Kreislaufgeschäft der bank mit der
französischen bNP Paribas. Die HSH Nordbank musste den Deal mit 2,4
Milliarden Euro absichern und am Ende für hochriskante Wertpapiere
geradestehen, die ihr die Franzosen zugeschoben hatten. Die
Landesbank aus Hamburg und Schleswig-Holstein musste schließlich für
Omega 517 Millionen Euro abschreiben. Zwei Vorstände verloren wegen
des Geschäfts in der vergangenen Woche ihren Job. Nonnenmacher blieb
im Amt, weil ihn das Gutachten einer Anwaltskanzlei entlastet hatte.
Seine Rolle wird allerdings derzeit von der Hamburger
Staatsanwaltschaft überprüft, die gegen verschiedene aktive und
ehemalige Vorstände wegen des Verdachts der Untreue ermittelt.
Das eigentliche Omega-Geschäft lief kurz vor dem Jahresabschluss 2007 ab, als die HSH Nordbank Kreditrisiken von 1,975 Milliarden Euro
in briefkastenfirmen verschoben hatte. “Die Transaktionen dienten lediglich der Verbesserung der genannten Quoten zum Jahresultimo”,
zitiert stern.de, die Online-Ausgabe des Magazins, aus dem streng vertraulichen Risikobericht der HSH Nordbank. Der bericht zählt eine ganze Reihe ähnlicher Kreditsicherungsgeschäfte auf. Dank solcher Deals konnte die Nordbank finanzrechtliche Auflagen umgehen, nach
denen institute einen Teil der ausgereichten Kredite mit eigenem Kapital gegen Ausfall sichern müssen.
Ein Video auf Youtube, das die Situation der HSH-Nordbank sehr trefflich umreißt:
http://www.youtube.com/watch?v=FJZKKZrXz1Q
Das Abspielen dieses Videos lohnt sich wirklich! (versprochen!)
@Redaktion und andere Fachforisten:
Meine Frage an die Redaktion und andere Fachleute:
Warum sollte eine bank attraktiv sein, die statt einer Verbriefung ausländischer immobilienkredite jetzt auf dem Auslandsmarkt ihr Volumen an risikobehafteten Großinvestitionen (Projektfinanzierung) wie z.b. bei investitionsprojekten in brasilien ausweitet?
Was wäre beispielsweise, wenn die WM in brasilien zwar von der WestLb in Punkto infrastruktur finanziert würde, die Veranstalter aber mit Milliarden Euro Verlust die Spiele abschließen und eine Staatshaftung nicht gegeben ist.
ich frage mich langsam wirklich, ob die Landesbanken, vorweg die WestLb, die HSH-Nordbank und die bayernLb den Steuerzahler verarschen wollen.
Statt in die Mittelstands- und Risikofinanzierung in Deutschland zu investieren und damit die deutsche Wirtschaft anzukurbeln investieren sie mit großen Risiken weltweit in Projektgeschäfte.
Die Logik - auch des Erfolgs und der Risikominierung der WestLb, aber auch die neue Strategie der HSH-Nordbank verstehe ich nicht.
Meine persönliche Einschätzung beide Landesbanken erhöhen tendenziell noch ihre Risiken, weisen z.Zt. im Projektgeschäft (die einen mit Auslandsprojekten (WestLb), die anderen mit Schiffsfinanzierungen HSH-Nordbanken) p.a. noch einen Gewinn aus und unterdrücken die systemischen Risiken, die in diesen Geschäften stecken.
Mein Vorschlag zur Überschrift für den Artikel:
"WestLb-Manager lieben die Chancen, Risiken und kalkulieren gerne mit großen Zahlen - auch nach der "fast-Pleite"!
Aber wenn ich komplett daneben liege mit meiner Einschätzung würde ich über eine sachliche Aufklärung durch Experten freuen. ich bin lernbereit und beharre nicht auf meiner "einfachen Meinung".
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