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Nach Aussetzung: Sal.-Oppenheim-Prozess beginnt von vorne

Der unterbrochene Prozess um den Niedergang der Privatbank Sal. Oppenheim soll voraussichtlich im Juni von vorne beginnen. Dann geht es sowohl um dubiose Immobilien-Deals wie auch die Pleite der Karstadt-Mutter Arcandor.

Zentrale von Sal. Oppenheim in Köln: Der Prozess geht im Sommer weiter. Quelle: dpa
Zentrale von Sal. Oppenheim in Köln: Der Prozess geht im Sommer weiter. Quelle: dpa

KölnDer spektakuläre Prozess gegen die frühere Führungsriege der Privatbank Sal. Oppenheim beginnt voraussichtlich im Juni von vorn. Das teilte das Landgericht Köln am Freitag mit. In dem Verfahren werde es dann nicht nur um die Hintergründe von umstrittenen Immobilien-Deals gehen, sondern auch um Geschäfte der Bank bei der Pleite der Karstadt-Mutter Arcandor. Nach "eingehender Prüfung" sei das Gericht zu dem Entschluss gekommen, beide Stränge bei der 16. Strafkammer zusammenzuführen, hieß es in der Mitteilung.

Damit wurde einer Forderung der Staatsanwaltschaft entsprochen. Eine andere Hürde für den Prozess, der Mitte März überraschend ausgesetzt wurde, hat das Landgericht Köln schon vor einigen Wochen aus dem Weg geräumt: Die Ernennung von Ergänzungsrichtern in Strafsachen ist nun eindeutig geregelt. Hier war der Hintergrund eine sogenannte Besetzungsrüge der Verteidiger.

Sal. Oppenheim: Aufstieg und Niedergang

  • 1789

    Der 17-jährige Salomon Oppenheim gründet in Bonn ein Kommissions- und Wechselhaus.

  • 1798

    Oppenheim verlegt den Sitz des Unternehmens nach Köln.

  • 1904

    Die erste Krise: Nach Fehlinvestitionen in der Elektroindustrie wird die Bank in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Die Disconto-Gesellschaft, damals die zweitgrößte deutsche Bank, steigt bei Oppenheim ein.

  • 1929

    Die Gründungsgesellschafter sind wieder Alleineigentümer.

  • 1938

    Die Bankiers müssen auf Druck der Nationalsozialisten das Institut umfirmieren in Pferdemenges & Co. Robert Pferdemenges war seit 1931 Teilhaber und entpuppte sich als Retter in der Not.

  • 1947

    Das Bankhaus erhält seinen ursprünglichen Namen zurück.

  • 1964

    Der Ururenkel des Gründers, Alfred Baron von Oppenheim, wird persönlich haftender Gesellschafter. Er baut die Vermögensverwaltung als zweite Säule neben dem Firmenkundengeschäft aus.

  • 1993

    Die Oppenheim-Esch-Holding wird gegründet.

  • 1999

    Der Bereich Firmenkredite wird zum Großteil aufgegeben.

  • 2005

    Sal. Oppenheim steigt mit der Übernahme der BHF-Bank zur größten unabhängigen Privatbank Europas auf.

  • 2008

    Sal. Oppenheim wird durch Kredite an die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz Großaktionär bei Arcandor. Die Pleite von Arcandor reißt Oppenheim in die Krise. Zudem fallen im Investment-Banking Verluste an.

  • 2009

    Matthias Graf von Krockow und Carl Janssen schließen den Einstieg eines externen Investors aus. Doch dann wird das Institut an die Deutsche Bank verkauft. Der Deal ist 2010 besiegelt. Die Tradition von 220 Jahren als eigenständiges Geldhaus sind vorbei.

Auf der Anklagebank sitzen einige der bekanntesten deutschen Banker der vergangenen Jahre: Matthias Graf von Krockow, Christopher von Oppenheim, Friedrich-Carl Janssen, Dieter Pfundt sowie der Immobilien-Unternehmer Josef Esch. Sie sollen Sal. Oppenheim mit fragwürdigen Immobilien-Geschäften geschädigt haben. Vor allem aber die Arcandor-Beteiligung brach der über 220 Jahre alten Kölner Privatbank am Ende das Genick. Nun geht es also um die Aufarbeitung der Krise in allen Facetten. 2009 wurde Sal. Oppenheim von der Deutschen Bank aufgefangen. Sie hat der Tochter einen radikalen Sanierungs- und Sparkurs verordnet.

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