
FRANKFURT. Das Lob kannte keine Grenzen. Als am 23. Juli ab 18 Uhr nach Börsenschluss europaweit die Ergebnisse des Banken-Stresstests veröffentlicht wurden, gab es auf offizieller Seite vor allem Jubel. „Die Resultate sind ein wichtiger Schritt nach vorn, um das Vertrauen der Märkte wiederherzustellen“, ließ beispielsweise die EU-Kommission verlauten. Und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) freute sich: „Die Transparenz bezüglich der Widerstandsfähigkeit der europäischen Banken hat sich klar erhöht.“ Vier Wochen später ist klar: Sollte es jemals eine positive Wirkung der mit großem Aufwand und Hysterie begleiteten Tests gegeben haben – sie ist binnen kürzester Zeit verpufft.
„Unter dem Strich haben die Stresstests den Banken die Refinanzierung nicht erleichtert“, sagt Ralf Burmeister, Leiter des Researchs für Bankenanleihen bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): „Letztlich waren die Stresstests viel Lärm um nichts.“ Bei Gesprächen mit Investoren spielten die Ergebnisse inzwischen kaum noch eine Rolle. Tania Gold, Bankenanalystin bei Unicredit, verweist zwar auf kurzfristige Aktienkurs-Gewinne nach der Veröffentlichung der Ergebnisse und eine gewisse Beruhigung der Anleihe-Investoren. Aber: „Vier Wochen später muss man sich eingestehen, dass die Nervosität im Markt wieder gestiegen ist.“ Jochen Felsenheimer, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Assénagon, wundert das nicht: „Das größte Problem gehen die Stresstests schließlich nicht an, nämlich den Zahlungsausfall oder die Umstrukturierung der Schulden eines europäischen Staates.“
Kaum Entspannung bei den Risikoprämien
Wie groß das Misstrauen der Investoren gegenüber den Instituten weiterhin ist, lässt sich anhand von Zahlen belegen. Dabei sollten die Stresstests vor allem für eines sorgen: Die Risikoprämien für neue Anleihen drücken und so den Banken die Möglichkeit geben, sich zu akzeptablen Kosten wieder zu refinanzieren. Ein Vorhaben, das gescheitert ist – wie ein Blick auf die Preise für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) in der Finanzbranche zeigt. Er zeigt, was es aktuell kostet, sich gegen die Pleite einer Bank abzusichern.
Der Markit-i-Traxx-Index spielt dabei eine wichtige Rolle: Er bündelt die CDS-Entwicklung für die 25 größten Banken und Versicherer in Europa. Der Durchschnittswert lag am Freitag mit 136 Basispunkten wieder genau auf dem Niveau vor der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse. Kurzzeitig war der Wert auf 108 Basispunkte gefallen. Konkret heißt das: Ein Investor, der fünf Jahre ein Anleihevolumen von zehn Mio. Euro absichern will, muss aktuell wieder jährlich 136 000 Euro auf den Tisch legen.
Als Orientierungsgröße für eine ökonomisch sinnvolle Refinanzierung kann man laut Burmeister eine CDS-Prämie von rund 100 Basispunkten ansetzen. Das heißt: Risikoprämien darüber sind für die Banken zu teuer. Unter 100 Basispunkten liegen unter den großen Instituten derzeit etwa die CDS-Prämien von HSBC, BNP Paribas, Credit Suisse und der teilverstaatlichten Commerzbank, leicht darüber notierten sie bei der Deutschen Bank und der UBS.
Tatsache ist, dass die realen Verlustrisiken im globalen vernetzten Finanzmarkt bis zu fünfmal größer sind als im Stresstest angenommen, im Mittel 2,4 Mal. Das bedeutet, dass das Eigenkapital der banken immer noch zu klein angesetzt ist, also mindestens um den Faktor zwei höher sein müsste. Die banken werden wiederum den nächsten Crash nicht alleine meistern können. Man muss fast vermuten, dass die EZb den Stresstest nur zu ihrem und zum Wohle der banken erschaffen hat.
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