
ax/rob/saf MÜNCHEN/BERLIN. Die Krisenbank Hypo Real Estate kann sich nur noch mit immer neuen Hilfszusagen über Wasser halten. Damit wächst der Druck auf Unternehmen, Eigentümer und Bundesregierung, bald eine langfristig tragfähige Lösung zu finden. „Es muss rasch etwas passieren“, hieß es gestern in Finanzkreisen. Heute verhandelt der Bankenrettungsfonds Soffin erstmals direkt mit HRE-Großaktionär JC Flowers. Eine Entscheidung über die Zukunft der Bank will die Bundesregierung dann nach Handelsblatt-Informationen in den nächsten zwei Wochen treffen.
Der Soffin stockte gestern den Garantierahmen für die HRE nochmals um zehn Mrd. Euro auf. Mit der Garantie kann die HRE über Inhaberschuldverschreibungen ihren akuten Liquiditätsbedarf decken. Die Garantien und Kapitalhilfen von Staat und Finanzindustrie summieren sich nun auf 102 Mrd. Euro. Zusätzlich braucht die Hypo Real Estate nach hohen Verlusten dringend frisches Eigenkapital.
Einziger Ausweg scheint eine Verstaatlichung. Denn das Refinanzierungsproblem der Bank ist trotz aller Hilfen ungelöst. Der Weg dahin ist aber noch umstritten. Das Bundesfinanzministerium strebt weiterhin eine Kontrollmehrheit von 95 Prozent mit einem anschließenden Squeeze-out an, hieß es in Regierungskreisen. In der Union gibt es dagegen Überlegungen, ob auch eine Mehrheit von 75 Prozent ausreicht. Dies wäre über eine Kapitalerhöhung möglich, während bei einer vollen Verstaatlichung Flowers notfalls enteignet werden müsste.
Eine Einigung mit Flowers gilt aber weiter als möglich. Wie der Soffin bestätigte, kommt der US-Investor heute zu Verhandlungen nach Deutschland. Laut Finanzkreisen soll Flowers bereits von einer Forderung von zehn Euro je Aktie abgerückt sein. Im Umfeld von Flowers wurde dies aber zurückgewiesen. „Es gab bisher keinen Kontakt, und damit kann es auch noch gar keine Forderung gegeben haben.“
Ein Konsortium um Flowers hält knapp 24 Prozent der Anteile an der Hypo Real Estate. Der Aktienkurs der HRE lag gestern bei knapp 1,20 Euro. Flowers und seine Investoren hatten im vergangenen Jahr 22,50 Euro pro Anteil bezahlt.