
Transparenz ist das, was der Vatikanbank jahrzehntelang gefehlt hat. Nuzzi beschreibt detailgetreu, wie die Skandale vonstatten gingen. Die spielten sich im Wesentlichen in der 80er-Jahren und vor allem zu Beginn der 90er-Jahre ab. Es geht unter anderem um Geldwäsche, Bestechung und Zweckentfremdung von hohen Millionenbeträgen. Beinahe noch interessanter ist aber die Aufarbeitung der Missstände. Nuzzi differenziert sehr genau zwischen Tätern und Mitwissern. Natürlich war nicht jeder Mitarbeiter der Vatikanbank korrupt. Auch Papst Joannes Paul II. wusste lange nichts von den Delikten.
Nun erklärt Nuzzi die Aufarbeitung der Skandale. Natürlich sollte die Öffentlichkeit möglichst wenig Wind davon bekommen. Die sehr komplexe Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft war nicht darauf ausgerichtet, Beweise gegen die Täter zu sammeln, im Gegenteil. Die Geistlichen wurden quasi nach oben wegbefördert und insofern nie belangt. Schließlich waren ja auch hochrangige Politiker und Privatpersonen beteiligt. Erstaunlich ist die Enge Verflechtung mit italienischen Privatbanken.
Nuzzis Buch ist über weite Strecken zwar spannend wie ein Krimi, aber nicht immer leicht zu lesen. Er verzichtet auf einen skandalösen Stil, sondern geht ins Detail und belegt die Vorgänge sehr exakt. Bisweilen wird dem Leser schwindelig vor lauter Namen und Begebenheiten. Aber umso glaubwürdiger ist das Buch. Es bringt die Vatikanbank in die Nähe des organisierten Verbrechens und hat allein schon deshalb eine enorme Relevanz.
Die IOR muss sich nun grundlegend reformieren. Denn um es mit den Worten eines der Haupttäter zu sagen, Erzbischof Paul Marcinkus: "Man kann die Kirche nicht mit Ave Marias führen."
Bibliographie:
Gianluigi Nuzzi
Vatikan AG
Ecowin Verlag, Salzburg 2010
360 Seiten, 22.50 Euro
Eine Reportage zum Thema finden Sie hier.
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