
DÜSSELDORF. "Im Vatikan gibt es niemals nur eine Wahrheit. Nicht einmal bei Zahlen." Eine Aussage, die Gianluigi Nuzzi im Nirgendwo seines Buches versteckt, obwohl hier der Kern der Sache liegt. "Vatikan AG" ist ein glänzend recherchierter, 360 Seiten langer Beitrag, um der Wahrheit möglichst nahe zu kommen.
Nuzzi arbeitet als investigativer Journalist, heute für die italienischen Zeitung "Panorma", früher für die Tageszeitungen "Corriere della Sera" und "Il Giornale". Seit 1994 verfolgt er die Polit- und Finanzskandale Italiens. Doch erst im Frühjahr 2008 gelingt ihm der große Coup, der ihm dieses Buch ermöglicht hat.
Nuzzi erhält Zugang zum Geheimarchiv des Monsigneur Renato Dardozzi. Der hatte von 1974 bis zum Ende der 90er-Jahre eine leitende Position in der Verwaltung der Vatikanbank inne, die offiziell Instituto per le Opere du Religione (IOR) heißt. Dardozzi kannte die Interna, war bei wichtigen Sitzungen zugegen und hatte vor allem Belege gesammelt. Sein Leben lang hielt sich Dardozzi treu an die Schweigepflicht. In seinem Testament schrieb er dann allerdings: "Diese Dokumente sollen veröffentlicht werden, damit alle erfahren, was hier geschehen ist." Es sollte aber fünf Jahre dauern, bis Nuzzi die ihm vermachten 4 000 Dokumente in den Händen hielt.
Nuzzi sortierte die Buchungsbelege, Briefe, Protokolle, Kontodaten und Geheimbilanzen. Dank ihnen und seiner eigenen, jahrelangen Geschichten, konnte er die wesentlichen Skandale der Vatikanbank nachvollziehen und aufschreiben. Als die italienische Ausgabe der "Vatikan AG" im Mai 2009 erschien, hat sie für großen Wirbel gesorgt. Allein in den ersten Monaten ist sie über eine Viertelmillion Mal verkauft worden. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates der IOR, Angeloa Caloia, wurde vorzeitig entlassen. Sehr ungewöhnlich eineinhalb Jahre vor Ablauf der Frist.
Seit dem 1. Januar 2010 unterliegt die Vatikanbank den in der EU geltenden Gesetzen zur Verhinderung von Geldwäsche, was die internationale Presse zum Großteil Nuzzis Buch zuschreibt. Nun ist die IOR zu Transparenz gezwungen, auch personell hat sich einiges getan. Allerdings gibt es laut Nuzzi immer noch Defizite in der Zusammenarbeit zwischen Vatikanbank und Behörden.
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