
Düsseldorf/BerlinAls Wolfgang Schäuble Ende Juni die Einigung mit den deutschen Banken über deren Beitrag zur Griechenland-Hilfe präsentierte, sagte er: "Ich bin froh, dass die Vertreter der deutschen Finanzwirtschaft ihre Bereitschaft erklärt haben, sich im europäischen Geleitzug an einem zweiten Hilfsprogramm zu beteiligen."
Doch schon damals stand Schäuble die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Zwar sprach er den Banken "dankbaren Respekt" aus. Doch insgeheim hat er mehr erhofft von den deutschen Instituten als die 3,2 Milliarden Euro, von denen ein wesentlicher Teil noch auf zum Teil verstaatlichte Geldhäuser entfällt.
Da wundert es nicht, dass es auch Kritik von der Opposition und anderer Seite hagelte. Ähnlich sah es in vielen anderen Ländern aus.
Nun dürfte diese noch zunehmen: Die internationalen Banken werden laut einem Pressebericht aller Voraussicht nach weit weniger zur Rettung Griechenlands beitragen müssen als gedacht. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ am Freitag unter Berufung auf entsprechende Berechnungen der Grünen.
Statt 21 Prozent, wie von den Regierungen der Euro-Staaten vorgesehen, müssten die Institute letztlich nur einen Wertverlust von 8,3 Prozent schultern, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, der Zeitung. Dabei galt so manchem Kritiker der Wert von 21 Prozent schon als zu niedrig.
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands sind kaum vorhersehbar, da es eine vergleichbare Situation bisher noch nicht gegeben hat. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen sowohl für Griechenland als auch für die anderen Länder des Währungsraums verheerend wären. Experten befürchten schwere Konsequenzen für den europäischen Bankensektor - dem Hauptkreditgeber Griechenlands. Und da keine entwickelte Volkswirtschaft ohne gesunde Banken auskommen kann, würden auch Verbraucher und Unternehmen stark getroffen werden.
Für Griechenland würde ein Euro-Austritt vermutlich den wirtschaftlichen Zusammenbruch bedeuten. Ohne Euro müssten die Hellenen wieder ihre alte Währung Drachme einführen, die vermutlich drastisch abwerten würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugute kommen.
Die in Euro aufgenommenen Altschulden würden infolge der Abwertung der neuen eigenen Währung drastisch steigen. „Selbst ein starker Schuldenschnitt würde Griechenlands Probleme dann nicht lösen, da das Land über Jahre hinweg vom Kapitalmarkt abgeschnitten wäre“, unterstreicht ein HSBC-Experte. Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher schon.
Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht. An den Finanzmärkten würden nach einem Euro-Austritt Griechenlands wohl schnell andere finanzschwache Länder unter starken Druck geraten, möglicherweise auch wirtschaftsstarke Länder. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder - möglicherweise in Verbindung mit einem Schuldenschnitt - aus dem Euroraum ausscheren. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden vermutlich drastisch steigen, und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraums ins Wanken geraten.
Mangels Käufer müssten weltweit Banken ihre Hellas-Anleihen in den Bilanzen abschreiben: an erster Stelle griechische und andere europäische Banken. Auch viele andere Institutionen wie Versicherungen oder Pensionsfonds haben die Papiere in ihren Büchern. Zudem wird ein Dominoeffekt ausgelöst: Wer für seine Anleihen eine Kreditausfallversicherung am Markt abgeschlossen hat, muss nun ausbezahlt werden. Weitere Abschreibungen sind die Folge. Griechische Anleihen sind auch in strukturierten Wertpapieren enthalten, die ebenfalls an Wert verlören.
Höchstwahrscheinlich würden auch die Refinanzierungskosten der anderen Euro-Schwächlinge Portugal und Irland sofort in die Höhe schießen. An den Kapitalmärkten würde spekuliert, dass Portugal als nächstes seinen Schuldendienst einstellen muss. Bereits jetzt wird an den Märkten die Wahrscheinlichkeit einer Pleite binnen der kommenden 24 Monate als sehr hoch eingeschätzt. Wackelt Portugal, rückt auch Spanien erneut ins Visier der Spekulanten. Denn spanische Banken sitzen nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) auf portugiesischen Schulden in Höhe von 80 Milliarden Euro. Ein Ausfall würde das ohnehin angeschlagene Banksystem hart treffen und damit den spanischen Staat, der seine Geldinstitute stabilisieren müsste.
Reißt die Krise Spanien mit in den Abgrund, wäre der GAU voraussichtlich da: Das Land hat die viertgrößte Volkswirtschaft in Europa. Der Euro-Rettungsschirms EFSF wäre überfordert. In der Folge würden auch Deutschland und Frankreich angesteckt: Französische Banken halten der BIZ zufolge spanische Anleihen im Umfang von etwa 140 Milliarden Euro - doppelt so viel wie griechische. Deutsche Institute sind mit 180 Milliarden dabei, sechs Mal soviel wie sie in Griechenland investiert haben.
Bei einer Staatspleite könnten griechische Banken griechische Staatsanleihen nicht mehr bei der Europäischen Zentralbank (EZB) als Sicherheiten für ihre kurzfristige Refinanzierung hinterlegen. Das griechische Bankensystem wäre in Windeseile pleite, wenn keine kurzfristige Lösung gefunden wird. Ein „bank run“ wäre kaum noch zu vermeiden: Vor den Filialen würden sich Schlangen bilden, jeder würde versuchen, schnell noch Geld abzuholen. Die
griechische Regierung müsste Auszahlungs-Limits erlassen, um den endgültigen Kollaps der Banken und einen Zusammenbruch des Bargeldverkehrs zu stoppen.
Die Bevölkerung würde auch an anderer Stelle hart getroffen: Der Staat könnte die Gehälter für Staatsdiener nicht mehr zahlen und Rechnungen etwa für Bauprojekte nicht mehr begleichen. Die Folge wäre ein sprunghafter Anstieg der Arbeitslosigkeit. Würde sich die EZB entschließen, die Pleiteanleihen doch zu nehmen, würde sie damit voraussichtlich Verluste einfahren. Muss infolgedessen die EZB rekapitalisiert werden, träfe das die anderen Euro-Länder, an erster Stelle das größte: Deutschland.
Doch zuletzt gab es eine zusätzliche Entwicklung, die den Banken zupass kam: Zuletzt sind die Kurse europäisch besicherter Anleihen gestiegen. Nun bekommen die Institute im Tausch für ihre alten Papiere neue, die deutlich mehr wert sind, als zu Zeiten der Einigung über ihre Beteiligung an der Griechenland-Hilfe erwartet war.
Das Derivat Kreditausfallversicherung wurde von den Financial Engineers 1999 erfunden und hat die Vergabe von Krediten und Staatsanleihen ohne ausreichende Sicherheiten für die Gläubiger begünstigt. Daß dies auf Dauer nicht gut gehen kann bzw. konnte, dazu mußte bzw. muß man kein Banker bzw. Investmentbanker sein. Die Kreditausfallversicherungen hätten deshalb von Anfang an verboten gehört. Herr Lafontaine war damals Finanzminister und hätte das Finanzprodukt Kreditausfallversicherungen verhindern können. Die heute bestehenden Kreditausfallversicherungen müßten von der Politik gesetzlich für nicht existent erkärt werden, um dem too big to fail ein Ende zu bereiten. Entsprech. gilt für die Zinsderivate, mit denen die Zinsen künstlich niedrig gehalten werden.
Stattdessen rühmt sich die Politik, ungedeckte Leerverkäufe von bestimmten Aktien und Wetten auf Staatspleiten vorübergehend verboten zu haben, die aber nicht die Ursache für die Schuldenproblematik sind und zu deren Lösung nichts beitragen. Für die richtigen Maßnahmen fehlt der Politik der Mut. Hätten sich die Staaten nicht in unverantwortlicher Weise verschuldet, könnte auch nicht auf ihre Pleite gewettet werden. Herr Gabriel von der SPD liegt falsch, wenn er insoweit Spekulanten, m.E ohnehin das Unwort des Jahres, an den Pranger stellt. Es ist offensichtlich, daß er insoweit von der Verantwortung der Politk für die Schuldenkrise ablenken will. Man sollte dies der SPD nicht durchgehen lassen.
staaten sind pleite gegangen und können es immer werden. nur führt die globaliesierung sazu, dass es sich die einzelstaaten nicht mehr leisten können. die polithansel haben längst mit ihren wirtschaftsspezeln die büchse der pandora geöffnet und ratet mal, wer die geitser, die daraus entspringen, bändigen muss. der einfache arme bürger.
Schaun Sie mal hier, sie Simpel: Griechenland war bis vor der Krise eine prosperierende
Volkswirtschaft. Zwischen 2000 und 2007 wuchs die
Wirtschaft um durchschnittlich 4,1 %. In Deutschland
waren es durchschnittlich 1,5 %. Der Staat war wie in
jedem Entwicklungsland der Wachstumstreiber, weshalb
sich die Neuverschuldung von 3,7 % in 2000 auf
6,4 % des BIP in 2007 erhöhte. Dank robusten Wachstums
gelang es der Regierung dennoch, ihre hohe Gesamtverschuldung
von 103,4 % in 2000 auf 95,2 %
des BIP in 2007 zu reduzieren. Das kräftige Wachstum
sorgte auch für eine gute Entwicklung des Arbeitsmarktes.
Zwischen 2000 und 2007 sank die Arbeitslosigkeit
ähnlich wie in Spanien von 11,2 auf 8,3 %, die Jugendarbeitslosigkeit
von 29,1 % auf 22,9 %. Es gelang also
ein Rückgang der Arbeitslosigkeit um fast ein Viertel in
nur sieben Jahren, während es in der Eurozone nur ein
Zehntel war. Dann kam die Finanz- und Wirtschaftskrise.
Die Folgen: Das BIP schrumpfte 2009 um 2,3 und
2010 sogar um 4,3 %, die Arbeitslosigkeit stieg auf
12,6 %, die Jugendarbeitslosigkeit sogar auf 32,9 %.
20 % der Bevölkerung, 23 % der Jugendlichen unter
18 % und 22 % der über 65jährigen sind von Armut
bedroht. Die Krise hinterlässt zudem fiskalische Spuren:
Die Neuverschuldung ereichte 2009 15,4 % des
schrumpfenden BIP. 2010 schaffte es die Regierung
trotz konjunkturellen Absturzes, die Neuverschuldung
um 4,9 % auf 10,5 % des BIP zu senken. Doch die
Gesamtverschuldung stieg auf 142,8 %.
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