
LondonKeine Woche ohne neuen Bankenskandal. Dieses Mal trifft es Europas mächtigste Bank HSBC. Das Institut stellt sich in den USA auf eine hohe Strafe wegen des Verdachts der Geldwäsche ein. In der kommenden Woche wird sich Irene Dorner, die US-Chefin der britischen Bank vor einem Ausschuss des US-Senats offiziell dafür entschuldigen, dass HSBC zwischen 2004 und 2010 keine effektiven Kontrollen in Kraft hatte, die die Finanzierung von Terrorismus und anderen kriminellen Aktivitäten verhindert hätten.
„Es ist richtig, dass wir zur Rechnung gezogen werden, und dafür die Verantwortung übernehmen, was schiefgelaufen ist", räumte HSBC-Chef Stuart Gulliver in einem internen Memo an seine Mitarbeiter an.
Die Commonwealth Bank of Australia eröffnet die Top Ten der größten Banken der Welt nach Marktkapitalisierung. Das Institut mit Sitz in Sydney verfügt über einen Börsenwert von 81 Milliarden Euro.
Stand: 08. Januar 2013, Quelle: Thomson Reuters
Die Citigroup ist die neuntgrößte Bank der Welt. Die US-Großbank hat einen Börsenwert von 96 Milliarden Euro.
Mit knappen Vorsprung belegt die Bank of America Rang acht im Ranking. Das US-Institut verfügt über eine Marktkapitalisierung von 101 Milliarden Euro.
Die Agricultural Bank of China kommt auf Platz sieben. 114 Milliarden Euro beträgt die Marktkapitalisierung.
Auch der sechste Rang geht an ein Institut aus dem Reich der Mitte – die Bank of China. 125 Milliarden Euro ist das Geldhaus an den Börsen wert.
JP Morgan Chase eröffnet die Top Fünf. 132 Milliarden Euro beträgt die Marktkapitalisierung.
Die US-Großbank Wells Fargo scheitert knapp am Treppchen des Rankings. Der Börsenwert beträgt 140 Milliarden Euro. Nur drei Banken sind mehr wert.
Die HSBC kann sich über den Bronzerang freuen. Der Börsenwert des Instituts beträgt 151 Milliarden Euro.
Die China Construction Bank kommt auf Platz zwei mit einer Marktkapitalisierung von 195 Milliarden Euro. An den Spitzenreiter kommt das Institut damit aber noch lange nicht heran.
Die Industrial and Commercial Bank of China hat einen gigantischen Börsenwert von 227 Milliarden Euro. Die Bank ist die größte der Volksrepublik, auch wenn man die Bilanzsumme heranzieht.
Der Ausschuss des US-Senats, vor dem sich HSBC rechtfertigen muss, kann zwar selbst keine Strafen verhängen. Aber nach Informationen aus Finanzkreisen stellt sich die britische Bank auf ein Bußgeld ein, das schon sehr bald verhängt werden könnte. Analysten gehen davon aus, dass sich die Strafe im hohen dreistelligen Millionenbereich bewegen wird.
Wegen ähnlicher Vergehen musste die Schweizer Großbank UBS im Februar 2009 780 Millionen Dollar bezahlen. Gegen die Deutsche Bank verhängten die Amerikaner im Dezember 2010 ein Bußgeld von 553 Millionen Dollar. Zuletzt traf der Zorn der US-Behörden das niederländische Geldhaus ING im Juni dieses Jahres mit einer Strafe von 619 Millionen Dollar.
Am Interbankenmarkt versorgen sich Banken untereinander mit Geld. Geber und Nehmer wechseln sich normalerweise regelmäßig ab. Basis ist gegenseitiges Vertrauen in die jeweilige Stabilität. Denn für die Kredite gibt es keine Sicherheiten. Dieser Handel, der lange reibungslos funktionierte, ist seit der Lehman-Pleite 2008 gestört, weshalb die Notenbanken die Privatinstitute immer wieder mit billiger Liquidität versorgen müssen.
Der Libor - die London InterBank Offered Rate - wird seit den 1980er Jahren jeden Vormittag von der British Bankers' Association (BBA) in der britischen Hauptstadt festgelegt. Er entspricht dem durchschnittlichen Zinssatz, den die Banken für Verleihgeschäfte untereinander verlangen. Für die Berechnung melden die nach Marktaktivitäten 18 wichtigsten Banken die Zinsen, die sie für Kredite ihrer Konkurrenten zahlen müssen. Aus den Zahlen werden die höchsten und tiefsten Werte gestrichen, um große Manipulationen zu vermeiden. Mit den übrigen Daten wird dann ein Mittelwert gebildet. Das ist der Satz an dem sich alle möglichen Kredite in der Realwirtschaft mit variablen Zinsen orientieren.
Das Problem ist die im Vergleich zur Preisbildung in der normalen Wirtschaft mangelnde Transparenz. Die Umfrage zur Ermittlung des Libor ist vertraulich. Ob die gemeldeten Daten stimmen, ist nur schwer nachzuprüfen. So könnten die Banken den Satz in ihrem Sinn beeinflussen. Eigentlich sollen die Mitarbeiter, die die Sätze nach London melden, völlig neutral die Daten abliefern. Wie offen sich Händler der Bank mit diesen Mitarbeitern austauschten und absprachen, verdeutlichen die von der britischen Finanzaufsicht veröffentlichten internen Mails bei Barclays.
Während der Libor für Dollar-Geschäfte besonders wichtig ist, ist es der Euribor - Euro InterBank Offered Rate - für den Euro. Er wurde 1999 mit der Einführung des Euro ins Leben gerufen. 43 Kreditinstitute melden dabei ihre Zinssätze nach Brüssel, wo der Referenzkurs - ähnlich dem Libor - berechnet wird. Die höhere Zahl soll die Betrugsgefahr senken. Doch seit dem vergangenen Jahr ermittelt auch die EU-Kommission wegen möglicher Manipulationen.
Eigentlich sollte man annehmen, dass die Banken vor allem ein Interesse an höheren Zinsen hätten. Wenn sie höhere Sätze nach London melden, als sie sich untereinander tatsächlich abverlangen, würden sie für die Kredite an Privatleute und Firmen mehr Zinsen bekommen. Tatsächlich aber ging es wohl in die andere Richtung. Hintergrund ist das gewaltige Volumen von Absicherungsgeschäften, die auf Basis des Libor berechnet werden. Niedrige Libor-Sätze können den Banken dabei in die Karten spielen.
Nein. Schätzungen zufolge hängen vom Libor Finanzprodukte im Volumen von 350 Billionen US-Dollar ab. Selbst Manipulationen im Mini-Promille-Bereich haben also gewaltige Auswirkungen.
Bis zur Lehman-Pleite 2008 konnten Banken praktisch unkontrolliert schalten und walten. Die Manipulationen und möglichen Absprachen fielen erst auf, weil sich die Libor-Zinsen in der Finanzkrise nicht wie erwartet veränderten.
Nach der Lehman-Pleite sollte alles besser werden. Weltweit wollte die Politik die Finanzbranche an die Kandare nehmen. Doch der Reformeifer schlief wieder ein. So versucht die britische Regierung etwa, den Finanzplatz London zu schützen. Allerdings führen Skandale wie der Libor-Fall der Politik die Probleme schmerzhaft vor Augen.
Kredite mit variablen Zinssätzen hängen direkt von Libor und Euribor ab. Diese sind in Deutschland allerdings nicht so weit verbreitet wie etwa in Spanien oder Großbritannien. Hierzulande vereinbaren etwa Häuslebauer lieber Kredite mit festen Zinsen.
Die Affäre kommt für das Top-Management von HSBC zur Unzeit. Der Ruf der Banken in Großbritannien und den USA ist durch eine Reihe von Skandalen ohnehin bereits schwer angeschlagen. Erst Ende Juni musste die britische Großbank Barclays eine Rekordstrafe von knapp 500 Millionen Dollar wegen ihrer Verwicklung in den Skandal um die Manipulation des globalen Referenzzinses Libor akzeptieren. In diesem Fall ermitteln Behörden rund um den Globus gegen etwa 20 Geldhäuser. In Großbritannien sorgte die Libor-Affäre für einen innenpolitischen Sturm, der innerhalb weniger Tage Barclays-Chef Bob Diamond und den Chairman der Bank, Marcus Agius, das Amt kostete.
Im Gegensatz zu Diamond war HSBC-Chef Gulliver allerdings nicht direkt für den Bereich verantwortlich, in dem die Geldwäsche-Vergehen stattfanden. Als damaliger Chef des Investmentbankings leitete Diamond das Geschäft, in dem Händler der Bank zwischen 2005 und 2009 systematisch den Libor-Satz manipulierten.
Auch Gulliver war vor seinem Aufstieg zum Vorstandsvorsitzenden Chefinvestmentbanker von HSBC. In dieser Eigenschaft hatte er allerdings keinen Einfluss auf die Vorkehrungen gegen Geldwäsche in den USA.
Gulliver führt HSBC seit Anfang 2011 und hat ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm eingeleitet, das nicht nur Kosten sparen, sondern auch die Komplexität der Bank reduzieren soll.
HSBC gehörte zu den wenigen europäischen Geldhäusern, die ohne größere Probleme durch die Finanzkrise kamen und durchweg schwarze Zahlen schrieben. Dafür ist vor allem die Ausrichtung des im 19. Jahrhundert als Hongkong and Shanghai Bank in Asien gegründeten Instituts auf die Emerging Markets verantwortlich.

Shitstorm über der Londoner City. HSBC, The London Whale, Liborskandal, was kommt als Nächstes? Für Gesetze der Londoner City basierten u.a. auf Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit. Da die Menschen, die diese Eigenschaften verkörpern können, ausgestorben zu sein scheinen, sollten dort die selben Regeln gelten wie überall. Am Himmel über London ist Wetterleuchten zu sehen, das die Furcht vor geringerem Einfluss andeutet. Spätestens mit der Bankenunion im Euroraum und deren Kontrolle sowie den in absehbarer Zeit auftretenden Eurobonds spaltet sich Geschäft von der City auf den Kontinent ab. Amerika wird weiter Fragen stellen, wie schon letztlich in der Anhörung von Jamie Diamond, ob London ein Ort schräger Geldgeschäfte ist, in dem amerikanischer Wohlstand verzockt wird.

Internationale Banken verstricken sich haeufig in US-Geldwaeschegesetzen. Auch deutsche Banken waren schon betroffen. Wichtig ist es daher, aktuelle Regeln im Blickfeld zu behalten und intern entsprechende Kontrollorgane zu schaffen. Untersuchungen z.B. durch die amerikanische OFAC-Behoerde sind unangenehm und zeitaufwendig.

Diesen Kommentar muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Was fuer einen Humbug faeseln Sie da eigentlich? Es gibt KEINE Branche, die eine so konsequente Abkehr von Kundenorientierung produziert wie die Banken. Es gibt minimale Habenzinsen, dafuer Wucherkreditzinsen. Nennt sich Zinssspanne und ist einer der Gruende, wie man (neben billigstem Parken von Geld bei der EZB) mit Nichtstun reich wird. Banken sind durchsetzt von Versagern und Mafiosi - die aufgezeigten Faelle sind doch nur die Spitze des Eisbergs. Andererseits: Der Vergleich mit den Rueckrufaktionen bei Autos ist ein Lacher - bewerben Sie sich bei RTL.
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